Formwandler

Die Froschprinzessin von Wasnezow: Metamorphose vom Frosch zur Prinzessin (1918)

Der Begriff Formwandler, Gestaltwandler oder Metamorph bezeichnet fiktive Wesen oder auch Sagengestalten, die ihre eigene äußere Form verändern können. Dabei wird die Verwandlung eines Menschen in ein Tier (vollständig oder unvollständig) alsTherianthropie bezeichnet.

Bereits in der Mythologie sowie in Märchen, traditionellen Geistergeschichten und Volksmythen werden Formwandler erwähnt, darunter die japanischen Hengeyōkai und der islamische Heilige al-Chidr.

In der Literatur sowie in visuellen Medien treten unterschiedliche Arten von Gestaltwandlern insbesondere in den Bereichen Fantasy- und Science-Fiction auf.

Begriffsherkunft

Der Begriff Metamorph geht auf das griechische Wort „metamorphosis“ (altgriechisch: μεταμόρφωσις= Umgestaltung) zurück, welches allgemein als Gestaltwechsel oder Verwandlung übersetzt wird. Im biologischen Kontext bezieht sich der Begriff in erster Linie auf eine natürliche und irreversible oder einmalige Formwandlung.

Als Gestaltwandler wurde bereits der germanische Gott Odin bezeichnet, der sich in Tiere wie Vögel oder Schlangen verwandeln konnte, um so ferne Orte aufzusuchen. In den isländischen Sagas tauchten schon früh die „hamingjur“ (Gestaltwandler) auf, diese besitzen die Fähigkeit sich in Tiere zu verwandeln. Die Bezeichnung stammt laut Rudolf Simek vermutlich von „ham-gengja“, jemand, der seine „hamr“ (Hülle, Körper) gehen lassen kann. Auch Hexen wurden in spätmittelalterlichen Sagen manchmal als „ham-hleypa“ (Hüllenläuferin) bezeichnet.

Formwandler (englisch shapeshifter) können sich in Tiere, Pflanzen oder von einer menschlichen Gestalt in eine andere verwandeln, wobei sie auch das Alter, die Ethnie oder das Geschlecht wechseln können. Auch eine innere Transformation einer Figur kann als Formwandlung angesehen werden, wie sie sich beispielsweise in Robert Louis Stevensons Roman Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde aus dem Jahr 1886 darstellt. Ähnlich ist auch die Verwandlung des Hulk oder anderer Superhelden aus dem Marvel-Universum konzipiert. Das Lexikon der Filmbegriffe zählt auch die filmischen Meisterverbrecher Fantômas, Dr. Mabuse, Fu Manchu oder Keyser Soze zu diesen Formwandlern.

Gestaltwandler in Film, Geschichten und Literatur

Aus der Literatur und der Verfilmung von Romanvorlagen sind viele Werke bekannt, die Formwandler thematisch behandeln. Oftmals kommen Vampire oder Werwölfe in diesen Werken vor, daneben gibt es aber auch Märchen und Volkssagen, die darauf zurückgreifen. J. R. R. Tolkien griff das Motiv des Formwandlers in seiner Mittelerdemythologie ebenfalls auf. Im Buch Der Hobbit ist es beispielsweise die Figur des dort als Pelzwechsler bezeichneten Beorn, dessen Name Ähnlichkeiten mit dem altnordischen Helden Böðvarr Bjarki aus der Hrólfs saga kraka oder zum Beowulf aufweist. Die Figur des Beorn verhält sich zudem gemäß einer altnordischen Vorstellung von Menschen, die befähigt waren, ihre Gestalt zu verändern, wie beispielsweise der Berserker Úlfheðnar (Wolfshäuter) oder Kveldúlfr (Abendwolf), der Großvater des Helden Egil aus der Egils saga, der sich des Nachts in einen Wolf verwandelte und in dieser Zeit eine Gefahr darstellte, wie es auch bei der Beschreibung von Beorn in Der Hobbit sowie im Buch und Film Harry Potter und der Gefangene von Askaban der Fall ist.

Literaturbeispiele (Auswahl)

Form- oder Gestaltwandler sind in erster Linie in der Unterhaltungsliteratur anzutreffen. Sowohl in Märchen als auch in Romanen, Erzählungen und Fantasybüchern. Eine Ausnahme bildet die ursprüngliche Darstellung von Hexen, zur Zeit der Hexenverfolgung, die insbesondere im Hexenhammer (1486) den Anschein erweckt, ihre Möglichkeiten, die Gestalt zu wechseln, seien tatsächlich real.

Figuren, die eine Art fortschreitender Metamorphose durchmachen, wie Gregor Samsa in Die Verwandlung (Franz Kafka, 1912 OCLC 1237100386) sind keine echten Gestaltwandler.

Visuelle Medien

Spiel- und Animationsfilme und Serien

Gerade im Science-Fiction-Bereich werden sowohl in Filmen, als auch in Serien, Comics oder Horror- und Animationsfilmen, öfters Metamorphosen gezeigt.

In der Regel gelten jedoch nur Wesen als Formwandler, die nicht künstlich erschaffen wurden (wie der Terminator, 1982). Die Fähigkeit seine Gestalt bewusst oder in Reaktion durch äußere Einflüsse zu verändern und sich in die Ursprungsform zurückzuverwandeln ist parasitär hervorgerufenen Metamorphosen abzugrenzen, die irreversibel sind (wie in Zombiefilmen oder Die Fliege, 1986).

Einige Beispiele sind:

Computerspiele

Außerdem gibt es Formwandler, die Teil von Computerspielen sind, wie z. B,: Ditto (und weitere) in Pokémon, Rote und Blaue Edition, ab 1996 oder Sephiroth (セフィロス), Antagonist in Final Fantasy VII, 1998.

Commons: Formwandler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Metamorphose auf spektrum.de, abgerufen am 22. August 2014.
  2. 1 2 Rudolf Simek: Beorn, der Gestaltwandler. In: Mittelerde. Tolkien und die germanische Mythologie. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52837-6, S. 94–97.
  3. ↑ shapeshifter auf filmlexikon.uni-kiel.de, abgerufen am 22. August 2014.
  4. 1 2 3 James zu Hünigen: Gestaltwandler I: Lykantrophie. filmlexikon.uni-kiel.de, abgerufen am 13. September 2023.
  5. ↑ Nadja Sennewald: Alien Gender: die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien. Transcript-Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-805-6, S. 230 f.
  6. ↑ Startseite. Abgerufen am 12. Februar 2020.
  7. ↑ Webdesign Frankfurt: Formwandler Interactive by Molchkragen Media GmbH: Webdesign Frankfurt & Marketing: formwandler interactive. Abgerufen am 12. Februar 2020 (deutsch).
  8. 1 2 3 4 5 6 7 Radiowissen. Gestaltwandler - Metamorphosen in der Literatur Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 13. September 2023
  9. ↑ All 12 Supernatural Powers Outcasts Have In Wednesday, Explained. 5. Shapeshifting: Principal Weems Is The Only Shapeshifter In The Series So Far. Screen Rant, abgerufen am 23. September 2025.
  10. ↑ Susanne Braun: Pokémon Go: Ditto fangen - so "verkleidet" sich der Formwandler aktuell. Buffed, abgerufen am 23. September 2025
  11. ↑ Kelsey L. Ericksen (2024): Justice for Sephiroth: Exploring the Unique Relationship Between Queerness and Monstrosity in Video Games for Practical Application. Drexel University, doi:10.17918/00010561 (researchdiscovery.drexel.edu PDF), abgerufen am 23. September 2025.