Fort IJmuiden

Fort IJmuiden
Blick auf das Fort

Blick auf das Fort

Daten
Ort IJmuiden
Baustil Fort
Baujahr 1881 – 1888
Koordinaten 52° 27′ 55″ N, 4° 34′ 38″ OKoordinaten: 52° 27′ 55″ N, 4° 34′ 38″ O
Fort IJmuiden (Nordholland)
Fort IJmuiden (Nordholland)

Das Fort IJmuiden ist eine ehemalige Festungsanlage bei der niederländischen Stadt IJmuiden und wurde 1881 zum Schutz der Einfahrt in den Nordseekanal gebaut.

Geschichte

Als im Jahr 1865 die Bauarbeiten am Nordseekanal starteten, begann man zeitgleich mit der Planung und Umsetzung für den Bau eines neuen Verteidigungsringes um Amsterdam. Aufgrund der strategischen Lage des Kanals zu Amsterdam, war eine Verteidigung des Zugangs und der dazugehörigen Schleusen bei IJmuiden von großer Bedeutung. Zudem ging man davon aus, dass die Überflutungen stark beeinträchtigt würden, wenn gegnerische Truppen diesen Zugang kontrollieren würden. Aus diesem Grund wurde am Am 10. Mai 1870 durch die Zweite Kammer der Generalstaaten der Beschluss zum Bau eines Forts an der Mündung des Nordseekanals beschlossen.

Am 14. Juli 1874 wurden die ersten Pläne für ein Fort durch den Ingenieur und Hauptmann Klinkhamer vorgelegt. Die Baukosten wurden auf eine Million Gulden veranschlagt. Im weiteren Verlauf wurden weitere Vorschläge und Entwürfe vorgelegt, bis im Jahr 1880 die endgültige Form und Gestalt des Forts feststand. Im Jahr 1881 begannen die Bauarbeiten und sieben Jahre später waren sie erfolgreich abgeschlossen. 1888, noch im gleichen Jahr der Fertigstellung, wurde das Fort an die Armee übergeben und offiziell in Dienst gestellt und gehörte damit zum Verteidigungsring von Amsterdam.

Aufbau

Modell des Forts

Das Fort besitzt einen dreieckigen Grundriss mit einer gepanzerten Geschützstellung in Richtung der Seeseite. In Richtung Landseite wurde das Fort und die Umgebung durch einen drehbaren Geschützturm gesichert. Dieser kam von den Gruson-Werken, die Geschütze von den Krupp-Werken aus Essen. Das Fort besteht aus Mauerwerk aus Ziegeln, da es zur Zeit der Errichtung noch nicht üblich war mit Beton zu bauen. Die Anlage erstreckt sich über drei Stockwerke, wobei die unterste Ebene die größte ist. Dort befanden sich die Unterkünfte der Soldaten und auch der das Fort umgebene, trockene Wehrgraben. Wenn das Fort angegriffen wurde, konnten die Fenster mit Stahlplatten mit Schießscharten verschlossen werden.

Auf der zweiten Ebene befand sich das Munitionslager für die Geschütze im Panzerturm und den gepanzerten Geschützstellungen. In der dritten und obersten Ebene waren die Geschütze verbaut.

Bewaffnung

24-cm-Mantelringkanone L/30 im Fort IJmuiden

Die schwere Hauptbewaffnung des Fort IJmuiden bestand aus fünf 24-cm-Mantelringkanone L/30 in einer gepanzerten Geschützstellung. Diese deckten die Hafeneinfahrt, einen Großteil des Hafens und einen Abschnitt der Nordsee vor der Hafeneinfahrt ab. Die Geschütze standen nebeneinander an festen Positionen und ließen sich um jeweils 35 Winkelgrad nach rechts und links drehen. Die maximale Reichweite lag bei rund acht Kilometer, wobei auf der Entfernung von sechs Kilometern eine Panzerung von 105 mm durchschlagen werden konnte.

In Richtung der Landseite wurde ein drehbarer Panzerturm mit zwei 15-cm-Kanonen L/30 verbaut. Der Panzerturm bestand aus Gusseisen mit einer stärke von einem Meter. Trotz der hohen Reichweite waren die leichten Geschütze nur gegen leicht gepanzerte Schiffe einsetzbar und dienten hauptsächlich zur Verteidigung des Forts.

Blick in den Wehrgraben auf MG-Stellungen

Weiterhin gab es an den Biegungen der beiden langen Wehrgräben je eine 8-cm-Kanone zur Verteidigung des Grabens. Mit diesen Kanonen wurden Kartätschen mit Metallschrott oder Bleikugeln verschossen. Als weitere Bewaffnung des Fort gab es zur Nahverteidigung zahlreiche Maschinengewehre, Schießscharten und Schützengräben. Zusätzlich wurde ein vielläufiges Maschinengewehr vom Typ Montigny mitrailleuse verbaut, was angreifenden Truppen schweren Schaden zufügen konnte. Die Besatzung des Forts bestand aus etwa 300 Soldaten der neu gegründeten Panzerforttruppen.

Einsatz

Vorkriegszeit

Blick auf die fünf gepanzerten Geschützstellungen

Nach der Indienststellung 1888 wurde das Fort von der niederländischen Armee besetzt und betrieben. Im Vorfeld des Ersten Weltkrieges wurden Pläne ausgearbeitet, welches ein zweites Fort zur Stärkung der niederländischen Küsten bei IJmuiden vorsah. Es sollte südlich des Kanals errichtet werden, doch die Pläne wurden nie umgesetzt und der Bau nie beschlossen. Neben dem Schutz der Schleusen und des Kanals vor Angriffe von der Seeseite her, sollte das Fort mit dem drehbaren Geschützturm auch Angriffe von Landseite her abwehren und eigene Truppen unterstützten. Nachdem man die Polder hinter der Dünenkette geflutet hätte, wäre ein schmaler Landstreifen trocken geblieben, welcher dann durch das Fort gesichert und gegnerischen Bewegungen unterbunden hätte.

Dennoch verlor das Fort bereits kurz nach der Fertigstellung an militärischen Wert, da ein Fort aus Ziegelstein Ende der 1880er Jahre den neu entwickelten Sprenggranaten nichts entgegenbringen konnte. Auch die Geschütze wurden schnell als veraltete angesehen als in den 1890er Jahren großkalibrige Schnellfeuergeschütze eingeführt wurden. So konnte sich 1906 ein Schiff der Edward-VII-Klasse oder der Braunschweig-Klasse 400 m an das Fort annähern ohne ernsthafte Schäden befürchten zu müssen. Auch waren drei Schuss alle zwei Minuten zu dieser Zeit nicht mehr zweitgemäß.

Erster Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien, wurde das Fort in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Aufgrund der Neutralität der Niederlande, wurden sie nicht durch Deutschland besetzt. So kam es im Ersten Weltkrieg zu keinen Kampfhandlungen durch das Fort.

Zwischenkriegszeit

In der Zwischenkriegszeit war es ruhig in und um das Fort. Erst im Jahr 1929 wurde nördlich des Forts ein neuer Seitenarm des Nordseekanals ausgehoben, wodurch das Fort nun auf einer Insel lag.

Zweiter Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen, wurde das Fort erneut in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Als die Wehrmacht im Mai 1940 mit dem Westfeldzug begann, hatte das Fort dem Ansturm nichts entgegenzusetzen. Mit der Kapitulation der Niederlande ging das Fort an die deutschen Besatzer über. Die Wehrmacht nutzte das Fort zunächst als Munitionsdepot und die vorhandenen Geschütze und der Geschützturm wurden verschrottet. Die strategische Bedeutung der Anlage wurde neu bewertet und nachdem das Oberkommando der Wehrmacht den 1941 den Bau des Atlantikwalls beschlossen hatte, als hoch eingestuft.

IJmuiden wurde zur Festung erklärt und somit auch das Fort mit neuen Geschützen bestückt. Auf der kleinen Insel entstanden 37 neue Bunkerbauten, welche von der Wehrmacht auch als Regelbau bezeichnet wurden. So gibt es unter anderem einen Regelbau 170, einen Regelbau 191 für einen Wasserbomben-Werfer, einen Regelbau 631 mit einer 4,7-cm-Pak 36 (t), einen Regelbau 644, welcher ein 6-Schartenturm für Maschinengewehre und Gewehre und einen Regelbau 671 mit einer schweren Kanone.

Nachkriegszeit bis heute

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verfiel das Fort und wurde vorerst nicht weiter genutzt. Es hatte keinerlei strategische Bedeutung mehr und so wurden Teile der Festungsanlage und der Insel selber abgerissen um den Schiffsverkehr auf den Kanal zu erleichtern. Als im Jahr 1996 die UNESCO die gesamte Verteidigungslinie von Amsterdam in die Welterbeliste aufnahm, rückte die Restaurierung des Fort in den Fokus. Seit dem Jahr 2008 wird das Fort von PBN Sport & Adventure BV gepachtet und nutzt die Anlage für Filmveranstaltungen und Teamtrainings. Weiterhin gibt es ein Museum und Führungen durch das Fort. Eigentümer des Forts ist Behörde Rijkswaterstaat.

Commons: Fort bij IJmuiden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Jephta Dullaart: Fort bij IJmuiden. 2012.
  2. 1 2 Koninklijke Militaire Academie: Beknopt overzicht der proeven en oefeningen. 1887, S. 105.
  3. 1 2 3 J. R. Verbeek: Kustversterkingen 1900-1940. 1887, S. 65–66.

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