Fortunata Fischer

Fortunata Fischer OSB

Link zum Bild
(bitte Urheberrechte beachten)

Fortunata Fischer (* 23. Juli 1903 in Bielefeld als Alexe Klara Paula Fischer; † 12. März 1980 in Rüdesheim-Eibingen) war eine Benediktinerin und zweite Äbtissin der Abtei St. Hildegard, die in der Nachfolge der Klostergründungen Hildegards von Bingen steht. Damit war Fortunata Fischer die 37. Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen.

Werdegang

Herkunft und Ausbildung

Fortunata Fischer wurde am 23. Juli 1903 in Bielefeld als Tochter des Gerichtssekretärs Alexander Fischer und seiner Frau Ottilie geboren. Die Familie war evangelisch-lutherisch und in dieser Konfession wurde die Tochter auf den Namen Alexe Klara Paula Fischer getauft. Fischer besuchte die Auguste-Viktoria-Schule, musste diese aber 1923 nach dem frühen Tod des Vaters ohne Abitur verlassen. Zur finanziellen Unterstützung ihrer Familie nahm sie eine Stelle als Büroangestellte im Bielefelder Textilkaufhaus von Alfred Alsberg an, legte 1926 als Externe aber doch noch die Abiturprüfung ab. Anschließend studierte sie mit dem Ziel, Lehrerin zu werden, Geologie, Geographie und Französisch in München, Paris, Berlin und Bonn. 1932 legte sie das Erste Staatsexamen ab und war danach Referendarin in Trier und Koblenz. Auf Anregung katholischer Studienkollegen besuchte sie in dieser Zeit regelmäßig die Gottesdienste im Trierer Benediktinerkloster St. Matthias. Dies führte dazu, dass Fischer am 23. Dezember 1932 zur katholischen Kirche konvertierte.

Klostereintritt und Profess

Nach einem Besuch der Abtei Herstelle im Jahr 1933 trat Fischer 1934 in die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen ein. Im Oktober 1934 erhielt sie im Rahmen der Einkleidung den Ordensnamen Fortunata, obwohl sie den bei ihrem Konfessionswechsel angenommenen Namen Maria Benedikta bevorzugt hätte. An Allerheiligen 1935 legte sie die zeitliche und am Rosenkranzfest 1938 die feierliche Profess ab. Nach der Enteignung der Abtei 1941 durch die herrschenden Nationalsozialisten schloss sich Fischer fünf Mitschwestern an, die in Frankfurt das Krankenpflegeexamen machten und sich in einem Lazarett in Bingen um Kriegsopfer kümmerten. Nach der Befreiung durch die US-Amerikaner kehrte sie nach Eibingen zurück und wurde dort Seniorin, Infirmarin und Chronistin. 1953 wurde sie zur Priorin-Administratorin (in materialibus et spiritualibus) ernannt.

Äbtissin

Am 4. August 1955 legte nach 47-jähriger Amtszeit die 90-jährige bisherige Äbtissin Regintrudis Sauter ihr Amt nieder und vier Tage später wurde Fischer zu ihrer Nachfolgerin gewählt. Die Benediktion erteilte ihr am 17. September 1955, dem Hochfest der Klosterpatronin Hildegard von Bingen, der Weihbischof von Limburg Walther Kampe. In ihrer Amtszeit hatte sich Fischer mit einigen Neuerungen im Kirchenrecht und der Liturgie zu befassen. Den Bestimmungen des Zweiten Vatikanischen Konzils folgend wurden 1967 die bisherigen beiden Konvente der Chorfrauen und Laienschwestern zu einer Gemeinschaft vereinigt, der Altarraum und der Nonnenchor der Kirche wurden umgestaltet. Am 7. September 1967 wurde der Altar feierlich neu geweiht und im folgenden Jahr eine neue Orgel installiert. Neben der bisherigen und auch weiterhin vorherrschenden Chorgebetssprache Latein wurden zunehmend auch deutschsprachige Lesungen eingeführt. Außerdem wurde in ihrer Amtszeit die kritische Edition des Erstlingswerks der heiligen Hildegard, als zweibändiges Werk in der Reihe Corpus Christianorum, abgeschlossen und veröffentlicht.

Letzte Jahre

Am 8. August 1978 legte Äbtissin Fischer ihr Amt nieder, zu ihrer Nachfolgerin wurde Edeltraud Forster gewählt. Fischer zog sich für einige Zeit in das Kloster Steinfeld zurück. Nach ihrer Rückkehr nach Eibingen nahm sie ihre Tätigkeit als Chronistin wieder auf, arbeitete unter anderem als Übersetzerin und half beim Pfortendienst. Am 12. März 1980 starb sie an den Folgen eines schweren Herzinfarkts im Kreise ihrer Mitschwestern.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Geschichte unseres Klosters, abgerufen am 25. Oktober 2026.
  2. ↑ Hildegard-Forschung in der Abtei St. Hildegard, abgerufen am 25. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Fischer, Fortunata
ALTERNATIVNAMEN Fischer, Alexe Klara Paula (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Benediktinerin, Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen
GEBURTSDATUM 23. Juli 1903
GEBURTSORT Bielefeld
STERBEDATUM 12. März 1980
STERBEORT Rüdesheim-Eibingen