Francesca Fabbroni, auch Franca Fabbroni (* 27. April 1619 in Livorno; † 24. September 1681 in San Gimignano), war eine italienische Nonne des Benediktinerklosters in Pisa, die wegen ihrer angeblichen Visionen und ihrer Lebensweise als lebende Heilige verehrt und später zur Äbtissin gewählt wurde. Wegen wachsender Zweifel an ihrer Echtheit und Vorwürfen der Häresie geriet sie in das Visier der Inquisition. Nach ihrer Absetzung und Isolierung starb sie wenige Jahre später in Gefangenschaft. In einem posthumen Prozess wurden ihre Gebeine und ihr Porträt öffentlich verbrannt.
Francesca Fabbroni wurde am 27. April 1619 in Livorno als Tochter von Caterina (auch: Caterin’Angela) Fabri aus Livorno und Sebastiano aus Florenz, Hauptmann des Bagno penale, geboren.
Im Alter von sechs Jahren kam sie in das pisanische Kloster San Benedetto, das zu dieser Zeit dem Ritterorden des Heiligen Stephan unterstand. Fabbronis Tante war Nonne in diesem Kloster und kümmerte sich um ihre Erziehung. Im Alter von vierzehn Jahren nahm sie das Ordenskleid an und legte zwei weitere Jahre später die Profess ab.
Seit jungen Jahren hatte sie verschiedene Krankheiten, beispielsweise wurde sie im Alter von etwa 30 Jahren immer wieder von Pocken befallen. Fabbronis Anhänger glauben, dass hinter ihren Krankheiten tiefe religiöse und spirituelle Zustände verwurzelt lagen – gelindert wurden ihre Leiden eher durch wundersame Mittel als durch medizinische Behandlung. Ihre berüchtigte Lebensweise – Bußübungen, extremes Fasten, außergewöhnlicher Demut und Nächstenliebe – machte sie bald über das Kloster hinaus bekannt, sie wurde gar als Heilige verehrt.
Diese Entwicklung stand in Beziehung zu ihrem geistigen Vater G. Visconti, der Anfang der 1640er Jahre Prior im Kloster San Benedetto war, einige teils mystisch theologische Andachtsschriften verfasste und einen Heiligenruf hatte. Seine Schriften leiteten die Ordensfrauen unter anderem hinsichtlich ihres Gebets, blinden Gehorsams gegenüber ihren geistlichen Vätern und Niederlegung ihres eigenen Willens an. Fabbroni sah in ihm einen heiligen Oberen, der sie führen und das Kloster reformieren sollte – so wie Gott es ihr offenbart hatte. In Abstimmung mit ihren Beichtvätern sollte sie selbst wiederum eine schriftliche Instruktion befolgen, die er ihr aushändigte.
In den folgenden Jahren war Fabbroni im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten im Kloster Sakristanin, Krankenpflegerin, Novizenmeisterin und Köchin. Ihre mit den Anweisungen Viscontis in Verbindung stehenden oder verursachten ekstatischen tranceähnlichen Zustände verheimlichte sie weitmöglichst, bis sie am Ostermorgen des Jahres 1662 vor all ihren Mitschwestern wie tot zusammen brach. Zwei Nonnen wurden damit beauftragt, ihre ekstatischen Zustände und insbesondere ihre dabei gesprochenen Worte aufzuzeichnen. Ein dem Augustinerorden zugehöriger Lektor für Metaphysik an der Universität La Sapienza war in dieser Zeit ihr Beichtvater.
Ungeachtet einigen Widerstands einschließlich Vanonis wurde die inzwischen 42-jährige Fabbroni am 29. April 1663 zur Äbtissin gewählt. Das von Visconti eingeleitete Reformwerk setzte sie über 12 Jahre fort. Sie führte das gemeinschaftliche Leben ein, was den Interessen vieler Nonnen widersprach. Fabbronis guter bzw. heiliger Ruf brachte dem Kloster San Benedetto Unsummen an Almosen. Sie bemühte sich, nach ihrem Glauben im persönlichen Auftrag Gottes, um die Förderung des Sakramentenempfangs, die Unterbindung von besonderen Freundschaften unter den Nonnen und regelte die Außenbeziehungen ihres Klosters unter strikter Einhaltung der Klausurvorschriften. Gott spreche, so ihre Überzeugung, durch ihren Mund, wenn sie Anweisungen erteilte, Missstände oder Ordensfrauen verurteilte bzw. letztere gar bedrohte, und die Äbtissin, also die selbst, lobte.
Sie wurde aus allen Gesellschaftsschichten verehrt und aufgesucht, man sah sie als göttliche Mutter. Ihre angeblichen, teils wunderhaften psychischen Fähigkeiten, so ihre Fähigkeit mit dem Jenseits zu kommunizieren, ins Gewissen von anderen Menschen zu blicken, deren Gesinnung zu wandeln, ihr Rat und ihre Prophetie, wurden geschätzt.
Fabbronis biographische Lebensinhalte in diesem Kontext folgen den Biographien der aus dem 16. Jahrhundert bekannten, auch sante vive genannten Personen mit entsprechenden Verhaltens- und Verehrungsmustern.
Fabbronis Prophezeiungen betrafen interne bzw. private Angelegenheiten, im Gegensatz zu denen der herkömmlichen fürstlichen Beraterinnen. Von Bedeutung und immer noch in Teilen ungeklärt ist ihr Verhältnis zur Herrscherfamilie: Margherita Luisa von Orléans wandte sich häufig an Fabbroni. Beispielsweise sagte ihr Fabbroni eine Versöhnung mit ihrem Ehemann voraus, zu der es jedoch nicht kam.
Das Kloster spaltete sich unterdessen in zwei entgegengesetzte Lager. Fabbronis Schwester und ihre Nichte hielten zu ihr. Im Jahr 1675 wurde M. G. Bucchianti zur Äbtissin gewählt und die Fabbroni nach 12 Jahren abgelöst. Mit der Zeit wuchs das Misstrauen gegen Fabbroni und Fabbronis Beziehung zu Gott, und zwar auch außerhalb des Klosters. Einige Barnabiten der Priestergemeinschaft von San Frediano äußerten sich kritisch, darunter der spätere Bischof von Volterra Carlo Filippo Sfondrati.
Der Abt und Prior des Stephansordens Felice Marchetti und Margherita Luisa von Orléans Ehemann Cosimo III. de’ Medici, toskanischer Großherzog organisierten einige Geistliche, um den Geist Fabbronis zu prüfen, im Jahr 1677 schließlich auch den zu dieser Zeit mit Paolo Segneri in Pisa predigende Giovanni Pietro Pinamonti.
Pinamonti prüfte Fabbronis Verhältnis zu Gott, indem er sie zwang, Speisen zu essen, deren Verzehr ihr nach einener Aussage von Gott untersagt wurde. Pinamonti zog Ärzte heran, um ihre Wundmale zu prüfen, darunter Francesco Redi. Außerdem sollte Fabbroni öffentlich bekennen, dass sie aus besonderer Gnade und nicht etwa wegen ihrer Verdienste von der Erbsünde befreit und zur Sündlosigkeit befähigt sei. Auch sollte sie gestehen, die Kommunion über lange Zeit ohne Beichte empfangen zu haben. Pinamonti entzog ihr die Eucharistie daraufhin. Fabbroni habe in der Folgezeit nach eigener Aussage diese aber von Engeln erhalten. Außerdem verbot ihr Pinamonti jeglichen Kontakt zu anderen Nonnen und zur Außenwelt und legte ihr Bußübungen auf.
Pinamonti legte schriftlich nieder, dass Fabbroni unter anderem aus mangelnder Demut und Gehorsam der gute Geist fehle. Stattdessen habe sie einen deutlichen Willen zur Täuschung und eine hohe Selbstüberschätzung. Der böse Geist, der sich während seiner Exorzismusversuchen offenbart habe, habe ihr übernatürliche Kräfte verliehen, beispielsweise beim Fasten.
Aus einem Schreiben vom 22. Mai 1677 von Kardinal Francesco Barberini an Kardinal Alderano Cibo geht hervor, dass der Fall Fabbroni bereits beim Vatikan bekannt war. Es beschloss erste inquisitorische Anweisungen an Pinamonti und einen weiteren bestellten Jesuiten als geistliche Begleiter für Fabbroni. Man hatte noch Hoffnung, dass eine Freisprechung Fabbronis Häresie möglich werden könnte. Die zwei Jesuitenpatres sollten Fabbroni unter Umgang mit Nächstenliebe isolieren, demütigen und ihr ihre Illusionen nehmen.
Im Jahr 1678 leitete schließlich ein D. Borrini aus Lucca das Verfahren.

Der Barnabit Costantino Fabbri begutachtete sie im selben Jahr und fasste sein Urteil in der Schrift Il dagone abbattuto o sia la Santità reprovata nella persona della madre suor Franca Fabbroni monaca nel monastero di San benedetto di Pisa (deutsch: Der gestürzte oder die verworfene Heiligkeit in der Person der madre suor Franca Fabbroni, Nonne im Kloster San Benedetto in Pisa) schriftlich nieder. Die Schrift führte das Leben der der Heiligkeit entlarvten Fabbroni aus, das mit dem biblischen zunächst als heilig verehrten Götzen Dagon verglichen wird. Ihr zunächst möglicherweise gutes Wesen wurde durch den Beifall verdorben, die Heilige zu einer Betrügerin, die nun selbst vom Satan betrogen wurde. Er zitierte dabei auch Fabbronis in Fabbris Augen häretischen Textstellen aus ihren Schriften und beschrieb ihre entsprechenden Visionen. Fabbri warnte außerdem das Kloster vor den für das Kloster unbehaglichen Anhängern Fabbronis.
Auf Anordnung der päpstlichen Kongregation wurde Fabbroni am 26. Dezember in das Kloster S. Catharina in San Gimignano verlegt. Man nahm ihr ihr Ordenskleid ab und sperrte sie in eine Zelle. Francesco Antonio Triveri, Generalinquisitor von Florenz, verhörte Fabbroni im Juli 1680 und im Mai 1681. Fabbroni sei dabei unnachgiebig geblieben und habe Sünden, Versuchungen und Gewissensbisse verneint, innere Ruhe dagegen betont. Sie habe Gott ihre freie Willenskraft übergeben und könne ihren geistlichen Begleitern nicht gehorchen, weil es ihr Gott unterbinde. Sie wolle außerdem zeigen, dass Gott über der Kirche steht. Fabbroni sei die erste mit ihrer Berufung, die Wahrheit zu offenbaren und Ketzer zu bekehren. Allein die Absicht mache Taten gut oder böse. Sie bekräftige, die heilige Theresa habe sich am Umgang mit anderen Menschen erfreut. Nach mehrfachen Ermahnungen wurden die Verhöre am 22. Mai 1681 abgeschlossen. Fabbroni starb im September des Jahres im Alter von 61 Jahren. Sie hatte die Sterbesakramente verweigert und wurde in ungeweihter Erde begraben.
Fabbronis Schwester Lucrezia Virginia und ihre Mutter Caterin’Angela setzten sich im Jahr 1686 nach Fabbronis Tod für ihre Rehabilitation ein. In einer festlich inszenierten Zeremonie in der trauernd geschmückten Kirche Santa Croce in Florenz wurde im Februar 1689 das Urteil verkündet, Fabbronis Gebeine und ihr Portrait am darauffolgenden 5. März verbrannt und die Asche im Wind verstreut.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fabbroni, Francesca |
| ALTERNATIVNAMEN | Fabbroni, Franca |
| KURZBESCHREIBUNG | italienische Nonne des Benediktinerklosters in Pisa |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1619 |
| GEBURTSORT | Livorno |
| STERBEDATUM | 24. September 1681 |
| STERBEORT | San Gimignano |