Francesco da Sangallo

Francesco da Sangallo: Selbstbildnis, 1551, Bronzemedaille, Durchmesser 68 mm, Metropolitan Museum of Art, New York

Francesco da Sangallo (eigentlich Francesco Giamberti, genannt il Margotta; * 1. März 1494 in Florenz; † 17. Februar 1576 ebenda) war ein italienischer Bildhauer, Architekt, Zeichner und Medailleur.

Leben

Er war der Sohn des Architekten und Bildhauers Giuliano da Sangallo, der Neffe von Antonio da Sangallo dem Älteren und der Vetter von Giovanni Francesco, Bastiano (genannt Aristotile), Antonio da Sangallo dem Jüngeren und Battista da Sangallo. Damit entstammte er der bedeutenden, vor allem in Florenz und Rom tätigen Bildhauer- und Architektenfamilie, deren heute gebräuchlicher Name auf ihren Wohnort an der Porta San Gallo in Florenz zurückgeht. Durch die Ausbildung beim Vater kam Francesco bereits 1505 nach Rom. Im Jahr 1506 begleitete er diesen und Michelangelo zur Begutachtung der neu entdeckten Laokoon-Gruppe. In einem Brief an Vincenzo Borghini vom 28. Februar 1567 schrieb Sangallo, er habe dabei auf den Schultern seines Vaters gesessen. Diese Angabe wurde von der älteren Forschung wörtlich genommen, dürfte jedoch eher im übertragenen Sinne zu verstehen sein und auf die Prägung Sangallos durch seinen Vater hinweisen. Wie lange er sich in Rom aufhielt und wer seine Lehrmeister waren, ist nicht belegt. Eine von ihm signierte und auf das Jahr 1518 datierte Zeichnung der römischen Diokletiansthermen (Florenz, Uffizien, Gabinetto dei Disegni e delle Stampe, Uffizi 284 A) belegt jedoch seinen Aufenthalt in Rom zu dieser Zeit.

Im selben Jahr entstand mit der betenden Maria Magdalena (Florenz, Museo Diocesano di S. Stefano al Ponte) seine erste erhaltene Holzskulptur, die sich an der Figur Donatellos (Florenz, Museo dell’Opera del Duomo) orientiert. In den folgenden Jahren schuf Sangallo mehrere hölzerne Kruzifixe in der Tradition seines Vaters und seines Onkels (Florenz, Ospedale S. Maria Nuova; Fiesole, Castel del Poggio; S. Croce sull’Arno bei Pisa, Monastero di S. Cristiana). Im Jahr 1522 erhielt er den Auftrag für eine marmorne Anna selbdritt für den Annenaltar in Orsanmichele in Florenz. Die Figurengruppe wurde 1526 vollendet und befindet sich noch am ursprünglichen Ort. In der Auffassung der Figuren zeigt sich der Einfluss Michelangelos. Kurz darauf entstand die Büste des im Jahr 1526 verstorbenen Giovanni dalle Bande Nere (Florenz, Museo Nazionale del Bargello).

Francesco da Sangallo: Johannes der Täufer, um 1520–1525, weißer Marmor, Höhe 170 cm, Museo Nazionale del Bargello

1532 heiratete Sangallo in Florenz Lena Marsuppini. Um 1540 schuf er das Grabmal für die Äbtissin Colomba Ghezzi in San Martino alla Scala, welches sich heute im Museo Bardini in Florenz befindet. 1542 entstand sein signiertes und datiertes marmornes Selbstbildnis als Votivrelief in Santa Maria Primerana in Fiesole. Anschließend arbeitete er an seinen bedeutendsten Grabmonumenten: denjenigen für Bischof Angelo Marzi Medici (vollendet 1546, SS. Annunziata, Florenz) und für Bischof Leonardo Buonafé (nach 1545, Certosa di Galluzzo; Vorzeichnungen im British Museum, London). Beide zeichnen sich durch ausgeprägte Charakterporträts aus. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch ein vielgerühmtes, nicht erhaltenes Marmorrelief mit einer Madonna und einem lesenden Kind. Von diesem Relief existiert möglicherweise ein Modell in Form eines Terrakottareliefs im Bode-Museum in Berlin.

Im Jahr 1546 war Sangallo an den Dekorationen beteiligt, die anlässlich des feierlichen Einzugs von Kaiser Karl V. errichtet wurden. Im selben Jahr schuf er seine einzige signierte Bronzefigur, einen taufenden Johannes den Täufer für das Taufbecken der Kirche S. Maria delle Carceri in Prato. Die Figur befindet sich heute in der Frick Collection in New York City, am ursprünglichen Ort steht eine Kopie. Ab 1543 soll Sangallo auch in Neapel tätig gewesen sein, wobei er einen Großteil der Ausführung seinen Mitarbeitern überließ. Zu seinen Werken zählen das Grabmonument für Antonio Fiodo in der gleichnamigen Familienkapelle in S. Anna dei Lombardi (gemeinsam mit Bernardino del Moro) sowie die gut dokumentierten, jedoch nicht erhaltenen figürlichen Dekorationen der Cappella Sanseverino in SS. Severino e Sossio (gemeinsam mit Matteo Quaranta). Nach neueren Forschungen ist jedoch nicht auszuschließen, dass es sich bei diesen neapolitanischen Arbeiten um Werke eines gleichnamigen, aber unterschiedlichen Künstlers handelt.

Bereits im Jahr 1532 hatten Antonio da Sangallo der Jüngere und Battista da Sangallo den Auftrag für das Grabmonument Piero de’ Medicis, genannt il Fatuo, in der Abtei Montecassino erhalten. Dessen Ausführung verzögerte sich jedoch aus finanziellen Gründen. Ab 1548 arbeitete Francesco da Sangallo an den Figuren des Verstorbenen sowie an den Figuren der Heiligen Petrus und Paulus und am Relief des auferstandenen Christus. Die Werke wurden erst 1559 von Florenz nach Montecassino verschickt. Die Reliefs der Sockelzone wurden von Matteo Quaranta ausgeführt. Zu seinen letzten bildhauerischen Arbeiten zählen die 1560 vollendete, signierte und datierte Statue des Paolo Giovio in Florenz (seit 1574 im Kreuzgang von San Lorenzo vor dem Eingang zur Biblioteca Medicea Laurenziana) sowie das 1575 angefertigte Bildnis des Francesco del Fede für Santa Maria Primerana in Fiesole.

Ein Jahr vor seinem Tod verfasste Sangallo ein erstes Testament und am 26. Januar 1576 ein zweites. In diesem vermachte er seinen Besitz, einschließlich der sich in seiner Werkstatt befindlichen Werke, seinem 1559 anerkannten unehelichen Sohn Clemente. Dieser wurde zu jener Zeit auf den Galeeren Venedigs gefangen gehalten. Clemente erbte auch das Haus am Borgo Pinti. Kurz darauf starb Francesco da Sangallo und wurde in Santa Maria Novella in Florenz beigesetzt. Laut Giorgio Vasari gehörte er 1563 zu den Mitbegründern der Accademia del Disegno.

Als Architekt übernahm Sangallo vor allem fortifikatorische Aufgaben, wie den Bau der Bastionen von Prato und Pistoia sowie möglicherweise die Brücke von Fucecchio. Im Jahr 1537 wurde er von Cosimo I. de’ Medici zu einem der Dombaumeister von Florenz ernannt. Er war vor allem für den farbigen Marmorfußboden des Doms von Florenz verantwortlich, dessen Vollendung er im Jahr 1560 erreichte. 1549 begann er mit dem Bau des Campanile von Santa Croce, vollendete jedoch nur dessen Sockelgeschoss, das 1854 abgerissen wurde. Zudem war er an den um 1570 eingebauten Steintabernakeln der Seitenschiffe beteiligt. In verschiedenen Zeichnungskonvoluten seines Vaters, seines Onkels und seines Vetters Antonio (unter anderem in den Uffizien in Florenz, im Codex Geymüller und in der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom, im Codex Barberiniano) finden sich auch Zeichnungen von seiner Hand. Möglicherweise war er zudem an den Bauarbeiten von St. Peter in Rom beteiligt.

Francesco da Sangallo: Die Volkszählung zu Bethlehem (Censimento di Betlemme). Santa Casa, Loreto

Die von Sangallo geschnittenen, signierten und datierten Medaillen (Florenz, Museo Nazionale del Bargello) zeigen Personen, von denen auch Porträts in anderen Techniken überliefert sind, darunter Paolo Giovio und Giovanni dalle Bande Nere. Sein eigenes Bildnis findet sich auf der Medaille zur Grundsteinlegung des Turms von S. Croce. Eine Medaille mit dem Bildnis seiner Frau stammt aus dem Jahr 1551.

Werke (Auswahl)

Literatur

Commons: Francesco da Sangallo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 GIAMBERTI, Francesco, detto Francesco da Sangallo o Il Margotta - Enciclopedia. Abgerufen am 6. September 2026 (italienisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Susanna Partsch: Sangallo, Francesco da (1494). In: Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Band 101. De Gruyter, Berlin/Boston 2018, S. 91.
Personendaten
NAME Sangallo, Francesco da
ALTERNATIVNAMEN Giamberti, Francesco (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG italienischer Bildhauer, Architekt, Zeichner und Medailleur
GEBURTSDATUM 1. März 1494
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM 17. Februar 1576
STERBEORT Florenz