Francine Cockenpot

Francine Cockenpot (* 7. Dezember 1918 in Paris; † 18. September 2001 in Lille) war eine französische Komponistin und Autorin.

Leben

Bereits im Jahr 1933, mit 15 Jahren, zog Cockenpot Aufmerksamkeit auf ihr musikalisches Talent als Komponistin. Jedoch folgte die Zeit des Zweiten Weltkriegs und so schlug Cockenpot andere Wege ein. Im Jahr 1938 wurde sie als Ersthelferin mit der Silbermedaille des französischen Roten Kreuzes ausgezeichnet und anschließend als Krankenschwester eingestellt. Während des Krieges war sie dann Leiterin des Abteilungsbüros des National Relief Service in Lille, danach Regionalkommissarin der Elder Guides. Anschließend zog sie nach Nordafrika und war dort für 25 Jahre weiter als Kooperantin und Krankenschwester in den Maghreb-Staaten tätig. Im Jahr 1970 zog sie wieder nach Frankreich zurück.

Überfall

1985 ließ Cockenpot sich in der Provence nieder. Dort wurde sie Opfer eines brutalen Angriffs durch einen Einbrecher. Nur weil der Täter sie für bereits tot hielt, überlebte Cockenpot den Überfall, durch den sie ein Auge verlor. Nach diesem traumatischen Erlebnis veröffentlichte sie 1986 ein Buch mit dem Titel „L'agresseur“ (Der Aggressor), ein bescheidenes Zeugnis großen Mutes, basierend auf Hoffnung und Vergebung jenseits der Verzweiflung.

Späte Jahre

Von den Erlebnissen des Überfalls erholte sich Cockenpot nie mehr ganz. Bald darauf verließ sie Südfrankreich wieder und kämpfte fortan mit depressiven Schüben in ihrer Heimatstadt Lille, in der sie am 18. September 2001 im Alter von 82 Jahren verstarb.

Künstlerisches Schaffen

In fünfzig Jahren schrieb Cockenpot viele Texte und Musikstücke. Mehr als fünfhundert Lieder sind von ihr bekannt, die sich vor allem in Pfadfinder- und Jugendbewegungen von 1945 bis heute niederschlugen und weit verbreiteten. Ihr Lied „Colchiques dans les prés“ von 1943 ist so im gesamten französischsprachigen Raum berühmt. Unter dem Pseudonym „Jacqueline Claude“ wurde es in den 1970er Jahren zu einem landesweiten Hit, welchen 1977 schließlich Francis Cabrel und 1982 Dorothée in der Serie „Le jardin des chansons“ coverten. Andere Lieder, wie z. B. ihr Seemannslied „Voguons au gré du vent“ ist sogar über das Saarland in den deutschsprachigen Raum übergeschwappt und verbreitete sich von dort aus schließlich als Liedgut in das Repertoire so mancher Schulchöre und in den Französischunterricht unterschiedlicher Schulformen weiterer Bundesländer.

Cockenpots Werke sind nicht nur reich an Harmonien und überraschend in der kompositorischen Architektur, sondern derart tiefgründig, dass sie vielfach das Niveau schlichter Unterhaltungsmusik weit übersteigen. Cockenpot erklärte einmal, dass ihre Texte vom Geist der Pfadfinder beeinflusst seien. So bescheren die musikalische Qualität sowie ihre Fähigkeit zur Poesie ihren Werken ein heute breites Publikum.

Für ihre Sammlung „Le soir venus“ wurde sie 1990 mit dem Henri-Mondor-Preis der französischen Akademie ausgezeichnet. Neben ihren Liedern ist sie auch Autorin mehrerer Bücher bei „Éditions du Seuil“ und anderen Verlagen.

Liederbücher

Veröffentlichungen

  • Poèmes et chansons de la Flandre en guerre (Gedichte und Lieder aus Flandern im Krieg), Editions Au Vent du Nord, 1946.
  • L'agresseur (Der Aggressor), Editions du Seuil, 1986.
  • Chansons d’une vie (Lieder eines Lebens), Editions du Seuil, 1990.

Einzelnachweise

  1. ↑ Geburtsurkunde Nr. 9307 vom 10. Dezember 1918 mit Randvermerk des Todes, auf der Website des Pariser Archivs: Actes de naissance (1860-1924), mariage (1860-1945) et décès (1860-1986)
  2. ↑ Jean Weber: Ma route d'amitié avec Francine Cockempot, auf honneur-au-scoutisme.com
  3. ↑ Francine Cockenpot et Jacqueline Claude, auf musee.sacem.fr
  4. ↑ Francine COCKENPOT, auf https://www.academie-francaise.fr/francine-cockenpot