Franck Goddio

Franck Goddio (* 1947 in Casablanca, Marokko) ist ein französischer Unterwasserarchäologe. Er wurde bekannt durch spektakuläre Entdeckungen, wie die versunkene Stadt Thonis-Herakleion, die versunkenen Königsviertel von Alexandria oder die spanische Galeone San Diego. Der gelernte Statistiker und Finanzberater führt seit 1985 rund um den Erdball Untersuchungen und Ausgrabungen im Meer im Auftrag der jeweiligen Staaten durch. Er hat ein vielköpfiges interdisziplinäres Expertenteam um sich versammelt und arbeitet eng mit staatlichen Behörden sowie international renommierten Forschungsinstituten zusammen. 2009 wurde Goddio mit dem französischen Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde er zum Gastdozenten des Archäologischen Instituts der Universität Oxford ernannt. Seit 2018 ist Goddio Visiting Professor für Unterwasserarchäologie an der Universität Oxford. Goddio lebt in Madrid.

Leben

Nach seinem Studium der Statistik und Mathematik an der École nationale de la statistique et de l’administration économique in Paris war Goddio als Finanzexperte Berater von Regierungen und internationalen Organisationen, wie den Vereinten Nationen. Als er 1983 ein Angebot der Weltbank zur Mitarbeit erhielt, lehnte er ab und orientierte sich völlig neu.

Jener Sinneswandel ging zum Teil auf seinen Großvater Eric de Bisschop zurück, der als Erfinder des modernen Katamarans gilt. Diesen Bootstyp hatte der Südseeforscher bei den polynesischen Fischern entdeckt und übernommen. Die Bücher und Filme von de Bisschops Expeditionen haben Goddio wiederum zu seinen Expeditionen unter Wasser inspiriert. Daher machte er seine „Leidenschaft für das Meer“ und dessen „verborgene Schätze“ zum Beruf und widmete sich seit den frühen 1980er Jahren beinahe ausschließlich seiner Forschungstätigkeit im Bereich der Unterwasserarchäologie. 1987 gründete er in Paris das private Europäische Institut für Unterwasser-Archäologie (Institut Européen d’Archéologie Sous-Marine, IEASM). Damit wollte er wissenschaftliche Forschungen im Auftrag jener Länder betreiben, die sich diese Projekte selbst nicht leisten können. Finanziert werden Goddios Arbeiten seit 1996 von der liechtensteinischen Hilti Foundation. Bei seinen Forschungs- und Bergungsmissionen hält er strenge archäologische Standards ein, macht die entdeckten Gegenstände für die Öffentlichkeit zugänglich und arbeitet eng mit nationalen und lokalen Behörden, Wissenschaftlern und international renommierten Forschungsinstituten zusammen. Seit 2003 besteht eine Kooperation mit der Universität Oxford, wo das Oxford Centre for Maritime Archaeology gegründet wurde. Der Unterwasserarchäologe ist Autor mehrerer Bücher, wissenschaftlicher Artikel und Publikationen, in denen er über seine Forschungen und Bergungsarbeiten berichtet. Zusätzlich sind Dokumentarfilme von Discovery Channel, BBC, Point du Jour, Spiegel TV und ARTE produziert und weltweit ausgestrahlt worden.

Seit den 1990er Jahren entdeckte Goddio vierzehn historisch wertvolle Schiffe, die mehrere Jahrhunderte lang unentdeckt auf dem Meeresgrund gelegen hatten. Dazu gehörten unter anderem Dschunken aus dem 11. bis 15. Jahrhundert, die spanische Galeone San Diego, die Royal Captain, ein Schiff der British East India Company und die L’Orient, das Flaggschiff Napoleon Bonapartes. Einige seiner bedeutendsten Entdeckungen waren Teile des versunkenen Königviertels von Alexandria (1996) und die antiken Städte Herakleion und Kanopus in der Bucht von Abukir im Jahre 2000. Goddios Lieblingsfund sei eine Schrifttafel mit einem Dekret zu Zollvorschriften, welche offenbarte, dass die zuvor nicht zu lokalisierende Stadt Thonis identisch mit Herakleion sei. Mit seinem Kritiker und Fürsprecher, dem Ägyptologen Jean Yoyotte, mit welchem er 13 Jahre lang zu Thonis-Herakleion zusammenarbeitete, verband ihn eine enge Freundschaft.

Goddios erfolgreiche Suche beruht auf dem Einsatz modernen Equipments. Neben 3D-Unterwasserfotografie, dem GPS für die Kartographierung, der Mehrstrahl-Bathymetrie und dem Seitenscanner-Sonar haben seine wissenschaftlichen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit der französischen Atomenergiekommission ein einmaliges Nuklearresonanz-Magnetometer entwickelt, auf dessen Basis auch die U-Boote der französischen Marine operieren.

Ausstellungen

Funde von Goddios Forschungsarbeiten sind Teil nationaler Sammlungen und Museen: Nationalmuseum der Philippinen, Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh, Museum der Bibliotheca Alexandrina, Graeco-Roman Museum Alexandria und das Nationalmuseum von Alexandria. In Absprache mit der philippinischen Antikenbehörde wurden Objekte aus Goddios Ausgrabungen dem Museo Naval de Madrid, dem Guimet-Museum (Musée des arts asiatiques-Guimet, Frankreich) und dem Marinemuseum in Port Louis geschenkt.

Außerdem wurden folgende internationale Wanderausstellungen von Goddio kreiert und organisiert:

Expeditionen (Auswahl)

Buchveröffentlichungen

Dokumentarfilme

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Franck Goddio - Munzinger Biographie. Abgerufen am 9. September 2026.
  2. ↑ Discovering Thonis-Heracleion. Abgerufen am 2. November 2022 (englisch).
  3. ↑ Portus Magnus von Alexandria. Abgerufen am 2. November 2022 (englisch).
  4. ↑ Das Abenteuer der San Diego, Geo, März 1996
  5. ↑ https://ocma.web.ox.ac.uk/
  6. ↑ „Statistiker auf Schatzsuche“, Spiegel online, 10. Mai 2006
  7. ↑ Hilti Foundation
  8. ↑ https://ocma.web.ox.ac.uk/
  9. ↑ „Schwimmender Vergnügungspalast“ aus der Zeit Kleopatras vor Alexandria entdeckt. In: Die Welt. 22. Dezember 2025, abgerufen am 21. September 2026.
  10. ↑ Franck Goddio: 25 years of underwater archaeological research in the Portus Magnus of Alexandria. In: University of Oxford Podcasts. 2. Dezember 2021, abgerufen am 21. September 2026 (englisch).
  11. ↑ WDR Zeitzeichen: Die Suche nach Ägyptens Atlantis. 1. Juni 2025, abgerufen am 21. Juli 2025.
  12. ↑ Stele von Thonis-Herakleion. Abgerufen am 2. November 2022 (englisch).
  13. ↑ Osiris war immer schon da, NZZ, 13. Januar 2017, Titel der Printausgabe.
  14. ↑ Sophie Lalbat, Institut Européen d'Archéologie Sous-Marine (IEASM), Mitteilung vom 8. September 2023.
  15. ↑ Equipment. Abgerufen am 2. November 2022 (englisch).
  16. ↑ www.events.nationalgeographic.com (Memento vom 27. Juli 2010 im Internet Archive)
  17. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2025. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  18. ↑ https://www.britishmuseum.org/about_us/past_exhibitions/2016/sunken_cities.aspx
  19. ↑ https://www.slam.org/exhibitions/sunken-cities/
  20. ↑ https://www.wsj.com/articles/sunken-cities-egypts-lost-worlds-review-treasures-beneath-the-waves-1522180261
  21. ↑ https://new.artsmia.org/egypts-sunken-cities
  22. ↑ http://english.ahram.org.eg/News/373920.aspx
  23. ↑ Weltwunder in der Kloake, Spiegel, 11. November 1996
  24. ↑ „Atlantis der Lust. Drei versunkene Städte liegen vor Ägyptens Küste“, Die Zeit, Nr. 24, 8. Juni 2000