Franz Massfeller

Massfeller als Teilnehmer der Besprechung zur Endlösung der Judenfrage am 6. März 1942 im Reichssicherheitshauptamt

Franz Massfeller (* 2. Februar 1902 in Essen; † 28. Juli 1966) war ein deutscher Jurist und Ministerialbeamter.

Karriere im Nationalsozialismus

Massfeller studierte Rechtswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und war seit 1922 Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung 1928 trat er in den preußischen Justizdienst ein und wechselte zur Zeit des Nationalsozialismus 1934 in das Reichsjustizministerium, wo er im Bereich Familien- und Rasserecht tätig wurde. Im amtlichen Organ Deutsche Justiz kritisierte Massfeller im März 1934 ein Gerichtsurteil, das eine Anfechtung der Ehe wegen „Rassenverschiedenheit“ nicht zugelassen hatte.

Als Amtsgerichtsrat im Reichsministerium der Justiz verfasste er zusammen mit Arthur Gütt und Herbert Linden den Kommentar zum Blutschutz- und Ehegesundheitsgesetz zur Reinhaltung des „deutschen Blutes“, der 1936 erschien. Darin dehnte er die Bestimmungen, die ursprünglich nur für Juden galten, auch auf Sinti und Roma und so genannte Rheinlandbastarde aus, das heißt, Kinder afrikanisch- und asiatischstämmiger Soldaten und deutscher Frauen aus der Zeit der alliierten Rheinlandbesetzung.

Im Reichssicherheitshauptamt nahm Massfeller an Besprechungen zur „Endlösung der Judenfrage“ teil und war am 13. August 1941 Teilnehmer einer Konferenz unter Leitung von Adolf Eichmann, bei der es um eine „Verschärfung des Judenbegriffs“ ging. Als Oberlandesgerichtsrat nahm er als Vertreter des Reichsjustizministeriums an den Folgekonferenzen zur Wannseekonferenz am 6. März 1942 und am 27. Oktober 1942 im Eichmannreferat teil. Während des Zweiten Weltkrieges leistete er ab 1943 Kriegsdienst. Massfeller gehörte nicht der NSDAP an.

Karriere nach Kriegsende

Massfeller wurde 1949 als „nicht belastet“ entnazifiziert. Im Verfahren konnte Massfeller Entlastungsschreiben von Josef Hermann Dufhues und Staatssekretär Otto Lenz vorweisen: Dufhues war mit Massfeller in der Studentenverbindung Guestfalia gewesen, Lenz kannte er von gemeinsamer Tätigkeit im Reichsjustizministerium. In der Bundesrepublik war er ab Januar 1950 im Bundesjustizministerium zunächst als Oberregierungsrat zur Wiederverwendung tätig, danach leitete er bis 1964 als Ministerialrat das Referat für Familien- und Personenstandsrecht und war auch mit dem Straffreiheitsgesetz befasst. Wegen der Mitwirkung an den Folgebesprechungen nach der Wannseekonferenz stellte der Bund der Verfolgten des Naziregimes 1951 Strafantrag gegen Massfeller wegen Anstiftung zum Mord. Diesmal stellte sich Franz Schlegelberger schützend vor ihn. Walter Strauß fasste zusammen, nach eingehenden Nachforschungen stehe einwandfrei fest, „dass seine Aufgabe sich darin erschöpfte, die Bedenken […] gegen die beabsichtigte ‚Lösung der Judenfrage‘ geltend zu machen…“. Am 27. Mai 1961 geriet Massfellers Vergangenheit durch eine Veröffentlichung im Neuen Deutschland wieder in die Schlagzeilen. Massfeller trat 1964 auf eigenen Wunsch vorzeitig in den Ruhestand.

Massfeller starb am 28. Juli 1966 infolge eines Verkehrsunfalls.

Schriften (Auswahl)

Blutschutz- und Ehegesundheitsgesetz

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Otto Langels: Die Akte Rosenburg. Das Bundesjustizministerium und die NS-Zeit. In: rbbKultur. 17. Juli 2019, abgerufen am 2. Mai 2020 (Audio; 25:53 min).
  2. ↑ Dok. VEJ 1/109 in: Wolf Gruner (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung). Band 1: Deutsches Reich 1933–1937. München 2008, ISBN 978-3-486-58480-6, S. 312 f.
  3. 1 2 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 393 f.
  4. ↑ Doris Liebscher: Rasse im Recht – Recht gegen Rassismus. Genealogie einer ambivalenten rechtlichen Kategorie. Suhrkamp, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-76844-0, S. 198 f.
  5. ↑ Dokument VEJ 3/202 in: Andrea Löw (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung). Band 3: Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren, September 1939–September 1941. München 2012, ISBN 978-3-486-58524-7, S. 501 f.
  6. ↑ Manfred Görtemaker, Christoph Safferling: Die Akte Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit. München 2016, ISBN 978-3-406-69768-5, S. 22.
  7. ↑ Andrea Löw: Deutsches Reich und Protektorat September 1939–September 1941 (= Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Bd. 3). Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-58524-7, S. 501, Anmerkung 5
  8. ↑ Rosenburg-Projekt des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. (Memento vom 18. September 2016 im Internet Archive) Website des BMJV, 14. September 2015 / Manfred Görtemaker, Christoph Safferling: Die Akte Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit. München 2016, ISBN 978-3-406-69768-5, S. 306 und 309
  9. ↑ Manfred Görtemaker, Christoph Safferling: Die Akte Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Zeit. München 2016, ISBN 9783406697685, S. 306–308
  10. ↑ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. aktual. Ausgabe Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 394
Personendaten
NAME Massfeller, Franz
KURZBESCHREIBUNG deutscher Jurist und Ministerialbeamter
GEBURTSDATUM 2. Februar 1902
GEBURTSORT Essen
STERBEDATUM 28. Juli 1966