Frederick Beer

David Friedrich Johannes Beer, anglisiert David Frederick John Beer (* 1843 in Leer, Königreich Hannover; † 20. Oktober 1919 in Brandon, Manitoba) war ein deutschkanadischer lutherischer Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer. Der Pfarrer der Hannoverschen Landeskirche lehrte am Predigerseminar Kropp, bevor er 1898 selbst nach Kanada emigrierte. Dort stand er von 1900 bis 1902 der Manitoba-Synode als Präses vor. Anschließend wurde er zum Direktor des Michigan Lutheran Seminary in Saginaw berufen und verblieb dort bis zur Schließung des Seminars 1907. Seinen Lebensabend verbrachte er als Gemeindepfarrer in Ottawa und Brandon.

Biographie

Beer wurde 1843 im ostfriesischen Leer geboren, das damals zum Königreich Hannover gehörte. Er studierte Evangelische Theologie und wurde durch die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers zum Pfarramt ordiniert. Von 1879 bis 1884 war er Pastor an St. Victor in Victorbur. Er gründete dort einen Posaunenchor und richtete den ersten Kindergarten in Moordorf ein. Später wurde er theologischer Professor am Predigerseminar Kropp in Schleswig. Dort wurden Geistliche für die zahlreichen deutschsprachigen Auswanderergemeinden in Nordamerika ausgebildet, die unter einem großen Pfarrermangel litten.

1898 emigrierte er selbst nach Kanada und übernahm die Pfarrstelle der Dreieinigkeitskirche in Winnipeg von Martin-Ruccius. Diese Kirche war die größte und älteste Kirche der noch jungen Manitoba-Synode, deren Leitung Beer als Präses ab 1900 ebenfalls übernahm. Während seines vierjährigen Pastorats gründete er zwei Tochtergemeinden: die Zionsgemeinde in Beausejour und die Dreieinigkeitsgemeinde in Thalberg.

Bereits 1902 wurde er jedoch durch die Michigan-Synode zum Professor und Präsidenten von deren Michigan Lutheran Seminary in Saginaw berufen. Unter seiner Leitung fiel die Zahl der Studenten am Seminar von zwanzig im Jahr 1902 auf nur noch einen einzigen im Mai 1907. Als Gründe dafür wurde „unevangelisches Verhalten“ Beers genannt, der die strenge, preußische Disziplin im Seminar durchsetzte. Auch das Verhältnis zu seinen Kollegen verschlechterte sich zusehends. Die Michigan-Synode war zu dieser Zeit in ein erneutes Aufbrechen eines alten theologischen Konflikts in den konfessionellen lutherischen Kirchen des Mittleren Westens verwickelt. Die Frage um die Rechtfertigungslehre C. F. W. Walthers, des Gründers der Missouri-Synode, war erneut zu einem Streitpunkt zwischen diesen Kirchen geworden. Die Missouri-, Wisconsin- und die Norwegische Synode verteidigten die missourische Position, die Ohio-Synode und die Iowa-Synode sowie die Vereinigte Norwegische Kirche sprachen sich dagegen aus. Beer, der als theologischer Gutachter der Michigan-Synode wirkte, nahm eine vermittelnde Position in den Streitgesprächen ein, war aber selbst eher anti-missourisch eingestellt. Nachdem das Seminar in Saginaw 1907 geschlossen wurde und sich die Michigan-Synode für die Rechtfertigungslehre Walthers aussprach, kehrte Beer dieser den Rücken.

Beer schloss sich der Ohio-Synode an und ging zurück nach Kanada. In Ottawa übernahm er die Pfarrstelle der St. John’s Lutheran Church, die sich unter seiner Leitung ebenfalls der Ohio-Synode zuwandte. Bereits in seinem ersten Jahr dort kam es zu einem Konflikt innerhalb der Gemeinde. Beer wurde von einem Teil der Gemeindeglieder vorgeworfen, in der Samstagsschule exzessive Züchtigung angewendet zu haben. Obwohl ihn ein Komitee der Synode von diesem Vorwurf entlastete, sperrte eine Gruppe von Gläubigen Beer aus der Kirche aus und verlangte von ihm, das Pfarrhaus zu räumen. Es kam zum Rechtsstreit, den Beer und seine Anhänger schließlich gewannen. Vier Jahre später wechselte Beer auf eine Missionspfarrstelle in Brandon. Dort blieb er bis an sein Lebensende.

Beer starb am 20. Oktober 1919 und wurde auf dem Gemeindefriedhof in Brandon begraben.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Victorbur. In: kirchengemeindelexikon.de. Landeskirchliches Archiv Hannover, 10. September 2026, abgerufen am 10. September 2026.
  2. 1 2 John M. Brenner: A Synod for the ‘90s: The 1890s. Hrsg.: Wisconsin Lutheran Seminary. 11. Juni 1992 (englisch, essays.wisluthsem.org:8080/bitstream/handle/123456789/733/BrennerSynod.pdf?sequence=1&isAllowed=y [PDF]).
  3. ↑ Evangelisch-Lutherische Synode von Manitoba und andern Provinzen (Hrsg.): Denkschrift zum Silber-Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Synode von Manitoba und andern Provinzen. National Press, Winnipeg 1922, S. 24 f. (archive.org).
  4. ↑ John M. Brenner: The Election Controversy Among Lutherans in the Twentieth Century: An Examination of the Underlying Problems (= Marquette University Dissertations. Band 204). Milwaukee 2012, S. 126–136 (englisch, marquette.edu).
  5. ↑ Carl Raymond Cronmiller: A History of the Lutheran Church in Canada. Hrsg.: Evangelisch-Lutherische Synode von Kanada. Toronto 1961, S. 243 (englisch, archive.org).
  6. ↑ Friction in Church. In: The Evening Post. Band XV, Nr. 281. Lindsay, Ont. 30. November 1908, S. 7 (englisch, archive.org).
VorgängerAmtNachfolger
Martin RucciusPräses der
Manitoba-Synode

1900–1902
William Willing
Personendaten
NAME Beer, Frederick
ALTERNATIVNAMEN Beer, David Friedrich Johannes (vollständiger Name); Beer, David Frederick John (anglisiert)
KURZBESCHREIBUNG deutschkanadischer lutherischer Geistlicher
GEBURTSDATUM 1843
GEBURTSORT Leer, Königreich Hannover
STERBEDATUM 20. Oktober 1919
STERBEORT Brandon, Manitoba