Manitoba-Synode

Die Evangelisch-Lutherische Synode von Manitoba und andern Provinzen (englisch Evangelical Lutheran Synod of Manitoba and other Provinces), kurz Manitoba-Synode, war eine evangelisch-lutherische Synode, die von 1897 bis 1962 in Westkanada bestand. Sie wurde durch deutsche Emigranten gegründet und gehörte zuerst als eigenständige Synode dem General-Konzil an. 1918 wurde sie eine konstituierende Synode der Vereinigten Lutherischen Kirche in Amerika. Mit dieser Kirche ging die 1947 in Evangelisch-Lutherische Synode von West-Kanada (englisch Evangelical Lutheran Synod of Western Canada) umbenannte Synode in der Lutherischen Kirche in Amerika auf.

Geschichte

In der Dreieinigkeitskirche in Winnipeg wurde die Synode gegründet.

Die ersten deutschsprachigen Lutheraner wanderten 1872 über den Red River aus Ontario oder den Vereinigten Staaten in den kanadischen Westen ein. Die erste größere deutschsprachige Gruppe, die sich in den Prärieprovinzen ansiedelte, waren jedoch Mennoniten aus Russland. Ihnen folgten ab den 1880er-Jahren auch russlanddeutsche Lutheraner. Als die transkanadische Eisenbahn 1885 fertiggestellt wurde, setzte eine große Siedlungswelle ein und die zuvor kleine Stadt Winnipeg wurde zum Tor für die Besiedlung es Westens. In Winnipeg bildete sich eine deutsche Gemeinschaft und kurz darauf wurden deutsche Siedlungen in Edenwold bei Regina, Langenburg und Gretna gegründet.

Am 15. November 1888 gab es eine Versammlung deutscher Lutheraner in Winnipeg, die die in Ontario ansässige Kanada-Synode um die Entsendung eines Pastoren baten. Deren Präsident Veidt brach selbst nach Winnipeg auf und organisierte nach einem Gottesdienst in der St. Andrew’s Presbyterian Church dort am dritten Advent die Deutsche Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeits-Gemeinde. Veidt versprach, nach Möglichkeiten einen dauerhaften Pastor nach Winnipeg zu entsenden, konnte jedoch in seiner eigenen Synode niemanden für dieses Missionsfeld finden. Seinem Aufruf in einer kirchlichen Zeitung in folgte jedoch Heinrich Schmieder aus Philadelphia, der im Februar 1889 in Winnipeg eintraf. Neben der Gemeinde in Winnipeg betreute er auch die neu entstehenden Gemeinden der westwärts ziehenden Siedler. 1891 wurde die Dreieinigkeitskirche errichtet und im Jahr darauf Martin Ruccius als Nachfolger von Schmieder berufen, der nach Edenwold gezogen war. In den folgenden Jahren entstanden weitere Gemeinden in Manitoba und den späteren Provinzen Saskatchewan und Alberta, die von nur wenigen Pastoren mit großen Zuständigkeitsbereichen betreut wurden.

Da es wegen der weiten und beschwerlichen Wege weder für die Pastoren und Delegierten aus dem Westen möglich war, die Versammlungen der Kanada-Synode im Osten zu besuchen, noch für deren Amtsträger, dem Missionsfeld im Westen ausreichend Aufmerksamkeit zu widmen, beschloss man, eine eigene Synode zu konstituieren. Am 23. Juli 1897 trafen sich im Pfarrhaus zu Winnipeg die Pastoren Ruccius, Pempeit, Willing und Berthold und organisierten die Evangelisch-Lutherische Synode von Manitoba und den Nordwest-Territorien. Dieser Synode umfasste bei ihrer Gründung nur fünf Pastoren, 52 Gemeinden und Predigtplätze und etwa 5000 Gemeindeglieder auf einer Fläche, die sich über 1200 Meilen erstreckte. Man ersuchte um die Aufnahme in das General-Konzil, einen Zusammenschluss lutherischer Synoden in Nordamerika, dem schon die Kanada-Synode angehört hatte. Im Oktober desselben Jahres kam das General-Konzil auf seiner Versammlung in Erie dem Ersuchen nach. Als die Provinzen Alberta und Saskatchewan aus den Nordwest-Territorien ausgegliedert wurden, änderte sich 1907 auch der Name der Synode.

Die Bethanien-Kirche in Inglis wurde 1918 von einer Gemeinde der Synode errichtet.

In den folgenden Jahren wurden neue Gemeinden gegründet, aber auch bestehende Predigtplätze an die Synoden von Missouri und Ohio verloren, die ebenfalls mit der Missionsarbeit im kanadischen Westen begannen. Zwar hatte man ab 1900 einige Absolventen des Predigerseminars in Kropp gewinnen können, doch der große Mangel an Pastoren für den kanadischen Westen blieb das bestimmende Problem ihrer Arbeit und limitierte ihr Wachstum stark. Auch die Unterstützung das General-Konzil konnte nicht genug unterstützende Arbeit leisten. Darum gab es ab 1907 Bestrebungen, selbst ein Predigerseminar in Kanada einzurichten. Dennoch gelang es erst 1913 unter der Leitung von Pastor Jürgen Goos aus Spruce Grove ein Proseminar einzurichten, das Lutherische College und Seminar (LCS). Dieses bezog im Folgejahr im zentraler gelegenen Saskatoon ein eigenes Schulgebäude und wurde bis 1918 zu einem vollwertigen theologischen Seminar mit angeschlossener Hochschule weiterentwickelt. Im selben Jahr schloss sich das General-Konzil mit zwei anderen Synodalverbänden zur Vereinigten Lutherischen Kirche in Amerika zusammen, auch die Manitoba-Synode ratifizierte den Zusammenschluss.

Die St.-Johannes-Kirche in New Finland war eine von zwei finnischstämmigen Gemeinden der Synode.

In den folgenden Jahren wurde das Wachstum der Synode durch die Große Depression und die Weltwirtschaftskrise, die die Prärieprovinzen schwer trafen, gehemmt. Da die finnische Suomi-Synode ihre wenigen, abgelegenen Gemeinden in Kanada nicht angemessen versorgen konnte, traf sie ein Abkommen mit der Vereinigten Lutherischen Kirche, die diese Gemeinden aufnahm. Zwei Gemeinden, darunter St. Johannes in New Finland kamen so zur Manitoba-Synode. 1933 musste die Hochschul-Abteilung am LCS schließen, das seitdem nur noch als theologisches Seminar weiterbestand. Dennoch gelang es der Synode in diesen Jahren, ihre Schulden vollständig zu tilgen und das LCS auszubauen. Im Jahr 1939 wurde eine Kooperation mit der Norwegischen Lutherischen Kirche von Kanada beschlossen. Die Norweger würden ein organisatorisch eigenständiges Seminar, das Luther Seminary, einrichten, jedoch die Gebäude, Anstalten und Bibliotheken des bestehenden Seminars mitbenutzen können. In den nächsten Jahren handelte die Manitoba-Synode Kooperationen mit weiteren Kirchen aus, die ihre Studenten ebenfalls auf das LCS sandten. Die schwedisch-amerikanische Augustana-Synode richtete 1945 eine Professur am LCS ein, die deutschamerikanische Amerikanische Lutherische Kirche folgte 1948. Beide Kirchen standen den Norwegern theologisch näher, bevorzugten jedoch das LCS als Ausbildungsstätte für ihre Studenten, denn dieses war älter, besser ausgestattet und – was für die ALC bedeutsam war – unterrichtete hauptsächlich auf Deutsch. Das LCS wurde so das erste interlutherische theologische Seminar in Nordamerika, an dem mehrere Denominationen zusammenwirkten.

Anlässlich ihres Goldenen Jubiläums 1947 nahm die Synode Änderungen an ihrer Kirchenverfassung vor und nahm einen neuen Namen als Synode von West-Kanada an, da die meisten Gemeinden der Synode außerhalb von Manitoba lagen. Zwei Jahre wurde Julius Ernst Bergbusch zum ersten hauptamtlichen Präses der Synode gewählt, zuvor hatten die leitenden Geistlichen stets noch Pfarrämter in einer Gemeinde inne. Im selben Jahr führte man die Englische Sprache als Amtssprache der Synode ein, da diese in den meisten Gemeinden neben der deutschen Sprache genutzt wurde.

Als sich die Vereinigte Lutherische Kirche 1962 mit drei weiteren Kirchen zur Lutherischen Kirche in Amerika zusammenschloss, wurde deren Territorium völlig neu organisiert. Die ehemalige Synode von West-Kanada ging in der Zentral-Kanada- und der West-Kanada-Synode der neuen Kirche auf.

Organisation

Oberstes Organ der Synode war die Synodalversammlung, die sich aus den Pastoren und Laien-Delegierten der Gemeinden zusammensetzte. Sie wählte auch die meist ehrenamtlichen Beamten der Synode, also den Präses und den Sekretär, die beide stets Geistliche waren, und den Schatzmeister, der auch ein Laie sein konnte. Die Synodalversammlungen fanden jährlich oder alle zwei Jahre statt, wobei der Turnus mehrfach wechselte.

Ab 1905 wurden drei Konferenzen eingerichtet, je eine für die Provinzen Manitoba, Saskatchewan und Alberta mit British Columbia. Diese Konferenzen hielten eigene regelmäßige Versammlungen ab.

Bei ihrer Gründung 1897 hatte die Synode dreizehn Gemeinden und 39 unorganisierte Predigtplätze vorzuweisen, die von fünf Pastoren betreut wurden. Grobe Schätzungen gehen von etwa 5.000 durch ihre kirchliche Arbeit erreichten Personen aus, die Zahl der Mitglieder in organisierten Gemeinden war bedeutend geringer. Bis 1922 war die Synode auf 62 Gemeinden, davon 24 in Manitoba, 26 in Saskatchewan und zwölf in Alberta, mit etwas über 10.000 getauften Gemeindegliedern angewachsen. In ihren Diensten standen 32 Pastoren. Zu ihrem Goldenen Jubiläum 1947 zählte die Synode etwa 18.000 Gemeindeglieder in 118 Gemeinden – davon 22 in Manitoba, 39 in Saskatchewan und 51 in Alberta – und 63 Pastoren. Die deutsche Sprache wurde dabei in 103 Gemeinden gebraucht, das Englische in 85, das Finnische in zwei und das Tschechische in einer Gemeinde. Die meisten Gemeinden waren bis dahin zweisprachig geworden. Bei der Union zur LCA konnte die Kirche 1962 50 Gemeinden in Alberta, 32 in Saskatchewan, 22 in Manitoba, fünf in British Columbia und eine im Yukon-Territorium aufweisen.

Präsides

Synodalversammlungen

  • 1928 in Spruce Grove
  • 1929 in Saskatoon
  • 1930 in Winnipeg
  • 1931 in Edenwold-Stadt
  • 1933 in Wetaskiwin
  • 1934 in Ellerslie
  • 1936 in Winnipeg
  • 1937 in Süd-Edmonton
  • 1938 in Saskatoon
  • 1939 in Saskatoon
  • 1941 in Saskatoon
  • 1944 in Saskatoon
  • 1946 in Saskatoon
  • 1949 in Saskatoon
  • 1953 in Süd-Edmonton
  • 1954 in Saskatoon
  • 1955 in Saskatoon
  • 1956 in Saskatoon
  • 1957 in Edmonton
  • 1958 in Saskatoon
  • 1959 in Edmonton
  • 1960 in Regina
  • 1961 in Saskatoon

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Valdimar Eylands: Lutherans in Canada. The Columbia Press, Winnipeg 1945, S. 230–259 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 Conrad Kleiner: Festschrift zum Goldenen Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Synode von Manitoba und andern Provinzen. Saskatoon 1947 (archive.org).
  3. ↑ George Evenson: Adventuring for Christ. The Story of the Evangelical Lutheran Church of Canada. Foothills Lutheran Press, Calgary, Alta. 1974 (englisch, archive.org).
  4. ↑ E. G. Goos: Manitoba Synod will Consider New Constitution and New Name. In: The Lutheran. Band 29, Nr. 22. United Lutheran Publishing House, Philadelphia 26. Februar 1947, S. 36 (englisch, archive.org).
  5. ↑ E. G. Goos: Western Canada to Have Full-Time President. In: The Lutheran. Band 31, Nr. 41. United Lutheran Publishing House, Philadelphia 13. Juli 1949, S. 16 f. (englisch, archive.org).
  6. 1 2 Robert C. Wiederaenders: Historical Guide to Lutheran Church bodies of North America. Lutheran Historical Conference, St. Louis, MO 1998, S. 89 (englisch, archive.org).