
Martin Gustav Ludwig Ruccius (* 4. Oktober 1865 in Pessin, Provinz Brandenburg; † 29. April 1943 in Winnipeg, Manitoba) war ein deutschkanadischer lutherischer Geistlicher. Er war Gründungsmitglied der Evangelisch-Lutherischen Synode von Manitoba und andern Provinzen und stand ihr von 1897 bis 1900 und von 1907 bis 1911 als Präses vor.
Ruccius wurde in Pessin in der preußischen Provinz Brandenburg geboren und erhielt seine Schulbildung in Stendal und Neuruppin. Nach dem einjährigen Wehrdienst in der Preußischen Armee nahm er ein Theologiestudium an den Universitäten Berlin und Greifswald auf. Ursprünglich plante er nach dem theologischen Examen wie sein Bruder Gerhard als Missionar nach Deutsch-Ostafrika zu gehen. Nachdem er vom Pfarrermangel in Nordamerika gehört hatte, kam er im Juni 1892 nach Rochester, von wo aus er einige Wochen später nach Elmira in Ontario weiterreiste. Dort wurde er am 3. August durch die Kanada-Synode für den Dienst an den deutschsprachigen Siedlern im Westen ordiniert und trat die Weiterreise nach Langenburg in den damaligen Nordwest-Territorien an. Er reist über Winnipeg und erhielt sofort den Ruf auf die Pfarrstelle der dortigen Dreieinigkeitskirche, den er annahm. Da Winnipeg der wichtigste Durchgangspunkt in den kanadischen Westen war, konnte er nicht nur weit verstreute Predigtplätze abdecken, sondern auch unter den neu eintreffenden deutschen Einwanderern wirken.
In dieser Kirche kam er 1897 mit drei weiteren Pastoren zusammen und organisierte die Evangelisch-Lutherische Synode von Manitoba und den Nordwest-Territorien. Ruccius wurde zum ersten Präses der Synode gewählt. Im Folgejahr folgte er einem Ruf an die Zionskirche in Neudorf, wo er drei Jahre lang predigte. Bereits 1900 war Frederick Beer, sein Nachfolger an der Dreieinigkeitskirche in Winnipeg, zum zweiten Präses der Synode gewählt worden. In Saskatchewan zog Ruccius sich durch seine ausgedehnte Reisetätigkeit in den winterlichen Stürmen dort ein Augenleiden zu, das ihn fast drei Jahre lang von weiterer Predigttätigkeit abhielt. In dieser Zeit wirkte er als Redakteur für Der Nordwesten, die wichtigste deutschsprachige Zeitung in Winnipeg. 1904 wurde er auf die Pfarrstelle der Dreieinigkeitskirche in Strathcona berufen, wo er bis 1909 wirkte. 1907 wurde er zum zweiten Mal zum Präses der Manitoba-Synode gewählt und hatte dieses Amt vier Jahre lang inne. In seiner Amtszeit wurden die ersten Schritte zur Gründung des Lutherischen College und Seminars unternommen. 1909 wurde er zudem Missionssuperintendent der Synode, ging aber bereits im Folgejahr zurück an die Dreieinigkeitskirche in Winnipeg, die während seines Pastorats beträchtlich anwuchs und mehrere Tochtergemeinden gründete. 1927 trat Ruccius in den Ruhestand.
Im Ruhestand engagierte sich Ruccius weiterhin für die Manitoba-Synode. Von 1929 bis 1941 war er Schriftleiter der Kirchenzeitung Der Synodalbote, von 1933 bis 1941 zudem Schatzmeister der Synode. Das Hartwick Seminary in Oneonta verlieh ihm den Ehrendoktorgrad eines Doctor of Divinity in Anerkennung seiner Verdienste für das Wachstum der lutherischen Kirche in Kanada.
Ruccius heiratete 1894 Wilhelmine Wagner, mit der er sieben Töchter und vier Söhne hatte. Zwei dieser Söhne wurden selbst Pastoren, vier Töchter heirateten in Pfarrhäuser ein. Ruccius starb am 29. April 1943 in seinem Haus in Winnipeg und wurde auf dem dortigen Brookside Cemetery begraben.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
– Herman Walbaum | Präses der Manitoba-Synode 1897–1900 1907–1911 | Frederick Beer Jürgen Goos |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ruccius, Martin |
| ALTERNATIVNAMEN | Ruccius, Martin Gustav Ludwig (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutschkanadischer lutherischer Geistlicher |
| GEBURTSDATUM | 5. Oktober 1865 |
| GEBURTSORT | Pessin, Provinz Brandenburg |
| STERBEDATUM | 29. April 1943 |
| STERBEORT | Saskatoon, Saskatchewan |