Friederike Furch

Friederike „Fritzi“ Furch geborene Jaroslavsky (* 26. April 1924 in Wien; † 10. Dezember 2012 ebenda) war eine österreichische kommunistische Widerstandskämpferin und Inhaftierte im KZ Ravensbrück.

Leben

Ihre Mutter Anna Jaroslavsky war Heimarbeiterin, ihr Vater Eduard Jaroslavsky Zuschneider in einer Schuhfabrik und Bildungsreferent der SPÖ. Nach den Februarkämpfen 1934 trat er der KPÖ bei und war ab 1938 deren Kreis- und Bezirksleiter.

Nach Abschluss ihrer kaufmännischen Lehre war sie im kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime aktiv, verteilte sporadisch politische Publikationen und wurde Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands Österreichs. Zusammen mit ihrem Vater verhaftete sie die Gestapo am 12. Januar 1940 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Betätigung für die KPÖ“ und wurde wegen ihres jungen Alters im Jugendgerichtshof inhaftiert, wo sie als Hausarbeiterin Putzarbeiten verrichten musste. Am 24. September 1941 wurde sie im Landesgericht Krems zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Ihr Vater wurde am 11. Juni 1941 vom „Volksgerichtshof“ Berlin zum Tode verurteilt und am 16. September 1941 im der JVA Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Anfang Januar 1942 wurde Furch ins KZ Ravensbrück eingeliefert, wo sie unter anderem Amalie Brust und Irene Kohn kennenlernte, die zu einer ihrer „Lagermütter“ wurde. In Ravensbrück musste sie in der Stoffweberei des SS-Betriebes „Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung m.b.H.“ am Handwebstuhl Schwerstarbeit verrichten. Im Frühjahr 1942 wurde sie in das Auftragsbüro und Rechnungsstelle des Betriebes versetzt und arbeitete ab Sommer 1943 zusammen mit Margarete Jung und Dora Landahl in dessen Finanz- und Betriebsbuchhaltung. Sie berichtete später: „Wir hatten […] in unserer Abteilung mit Marga Jung und Dora Landahl eine schöne Zeit zusammen, so gut es unter diesen Umständen möglich war. Wir waren ‚die Buchhaltungsfamilie‘. Ich habe von Marga Jung nicht nur beruflich viel gelernt, sie blieb mir ein Vorbild in menschlicher und politischer Hinsicht.“ Ende 1944 musste sie mit ihren Mitinhaftierten, darunter auch Margarete Jung, in Baracken außerhalb des Lagers umziehen und schilderte die dortigen Lebensbedingungen als noch katastrophaler als zuvor. Bei der Räumung des Lagers wurde Furch zu einem Todesmarsch von Ravensbrück in Richtung Malchow gezwungen und im April 1945 von der Roten Armee befreit.

Am 26. Mai 1945 kehrte sie wieder nach Wien zurück und fand dort ihre Mutter wieder. 1949 heiratete sie den Lehrer, Spanienkämpfer, Widerstandskämpfer und politischen Journalisten Bruno Furch, mit dem sie eine Tochter bekam; das Ehepaar wohnte in Wien-Hietzing. Furch arbeitete als Kanzleibeamtin und engagierte sich in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und dem Internationalen Ravensbrück-Komitee. Furch verstarb 2012 in Wien und wurde im Friedhof Mauer beigesetzt.

Im Rahmen des Filmprojekts Edition Visible porträtierten die beiden Regisseurinnen Bernadette Dewald und Marika Schmiedt neben Lotte Brainin, Ceija Stojka und Irma Trksak 2009 auch Friederike Furch unter dem Titel Lagerkind; das Interview führten Brigitte Halbmayr und Bernadette Dewald.

Einzelnachweise

  1. ↑ Jaroslavsky Friederike. In: www.doew.at. Abgerufen am 28. September 2026.
  2. ↑ Eduard Jaroslavsky. In: Gedenkstätte Plötzensee. Abgerufen am 28. September 2026.
  3. ↑ Margarete (Marga) Jung geb. Loose. In: Internationales Ravensbrück Komitee. Abgerufen am 28. September 2026.
  4. ↑ Friederike (Fritzi) Furch geb. Jaroslavsky. In: Internationales Ravensbrück Komitee. Abgerufen am 28. September 2026.
  5. ↑ Hannelore Stoff: TIMNASTOTO - Fritzi Furch (1924-2012). In: Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen. 13. Juni 2015, abgerufen am 28. September 2026.
  6. ↑ Friederike Furch im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  7. ↑ Edition Visible | ÖsterreicherInnen im KZ Ravensbrück. Abgerufen am 28. September 2026.
Personendaten
NAME Furch, Friederike
ALTERNATIVNAMEN Furch, Fritzi (Spitzname); Jaroslavsky, Friederike (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG österreichische kommunistische Widerstandskämpferin
GEBURTSDATUM 26. April 1924
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 10. Dezember 2012
STERBEORT Wien