Friederike Woog

Friederike Woog (* 30. April 1968 in Stuttgart) ist eine deutsche Ornithologin, die als Kuratorin am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart wirkt und an der Universität Hohenheim am Institut für Zoologie lehrt.

Leben und Wirken

Friederike Woog wuchs mit ihrem jüngeren Bruder in Stuttgart auf. Schon als Jugendliche engagierte sie sich für den Naturschutz, ausgelöst durch das Waldsterben und die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl in den 1980er Jahren.

Beruflicher Werdegang

Nach dem Abitur studierte sie von 1987 bis 1993 Biologie an der Universität Hohenheim mit Hauptfach Zoologie und den Nebenfächern Zoophysiologie, Organische Chemie und Landschaftsplanung. Von 1990 an absolvierte sie mehrmonatige Forschungspraktika in verschiedenen Nationalparks der USA. In Hawaii konzentrierte sie sich auf die vom Aussterben bedrohte Hawaiigans, angeregt und unterstützt durch den amerikanischen Vogelkundler Jeff Black. Sie schloss ihre Diplomarbeit 1993 über die Ökologie der Hawaiigans in verschiedenen Habitaten des Haleakalā-Nationalparks auf Maui (Hawaii) ab. Damit war ihr Weg zur Ornithologin geebnet.

Es schlossen sich wiederholte Forschungsaufenthalte im Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark an sowie Studien zur wissenschaftlichen Vogelberingung und Mitarbeit bei der Erstellung von Naturfilmen am Wildfowl and Wetlands Trust in Slimbridge (Großbritannien) im Rahmen eines Kooperationsabkommens mit der Universität Hannover. Ihre Erkenntnisse aus den Forschungsarbeiten flossen in ihre Doktorarbeit ein, die sich ebenfalls mit der Hawaiigans beschäftigte. 1999 wurde sie an der Universität Hannover zum Dr. rer. nat. promoviert bei Elke Zimmermann mit einer Arbeit über die Verhaltensökologie ausgewilderter Hawaiigänse (Ecology and behavior of reintroduced Hawaiian Geese), in der sie auch Vorschläge zur Rettung der Art ausgearbeitet hat.

Nach Studien zum Vogelzug in Gambia ist Woog seit Ende 2000 als Kuratorin wissenschaftlich verantwortlich für die Vogelsammlung der Zoologie-Abteilung des Museums für Naturkunde Stuttgart (Museum Schloss Rosenstein) und mittlerweile auch stellvertretende Leiterin der Abteilung Zoologie. Stuttgarts Vogelsammlung gehört zu den sechs größten Deutschlands mit über 150 000 Präparaten. Für die Wanderausstellung Viva Color – Farben der Natur (22. September 2004 bis 3. Mai 2005) war Woog federführend tätig.

Seit 2015 lehrt sie zudem an der Universität Hohenheim am Institut für Zoologie zur Biologie von Wirbeltieren, ornithologischen Themen und Forschungsgebieten und betreut zahlreiche Doktor-, Master-, Bachelor- und Diplomarbeiten.

Forschungsschwerpunkte

In Langzeitprojekten widmet sich Woog auch dem Studium und der Erforschung lebender Vögel, so seit 2003 im Drachenbaum-Regenwald von Madagaskar. Neben der Untersuchung von Grundlagendaten (Biodiversität, Artinventur, Ortstreue, Langlebigkeit) gibt es Arbeiten zur Vogelmalaria und deren Übertragungswegen.

Seit 2002 steht zudem die Vogelwelt direkt vor der Haustür im Fokus, vor allem die Graugänse in der Neckarregion. Ihre Projekte zur Verhaltensökologie der Graugans beschäftigen sich beispielsweise mit den Themen Nahrungsverfügbarkeit, Bruterfolge, Überlebensstrategien in der Stadt, Prädation, Krankheiten und Parasiten. Die Untersuchung der möglichen Bedeutung der Gänse (als Frühwarnsystem) für die Ausbreitung der Vogelgrippe wird vom Landwirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg gefördert. Seit 2010 beschäftigt sich Woog in ähnlicher Weise mit der neu eingewanderten Nilgans, die zu den sich schnell ausbreitenden Arten gehört.

2010 erhielt Woog den Walter-Schall-Preis der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg für die Arbeit Ökologie und Verhalten einer expandierenden Graugans-Population (Anser anser) im mittleren Neckartal.

Weitere Neozoen wie die Amazonenpapageien (Gelbkopfamazonen und Blaustirnpapageien), die im Stuttgarter Raum kleine Populationen bilden, werden von ihr in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell (seit 2019 Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie) und der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft e.V. erforscht.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Wissenschaftliche Schriften

Populärwissenschaftliche Schriften

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Verena Großkreutz: Ein Herz für Nilgänse. In: Kontext Wochenzeitung Ausgabe 667. 10. Januar 2024, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 4 Friederike Woog: Ecology and behavior of reintroduced Hawaiian Geese (Dissertation mit Lebenslauf). 1999.
  3. 1 2 3 Friederike Woog: Farben der Natur. Sehen und gesehen werden. In: Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart (Hrsg.): Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie C 56. 2004.
  4. ↑ Sammlung Vögel. In: Webauftritt des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
  5. 1 2 3 Friederike Woog: Lebenslauf von Friederike Woog im Webauftritt des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
  6. ↑ Käthe Ruess: Auf Graugänsefang im Stadtgarten. In: Stuttgarter Zeitung. 11. Juni 2026, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  7. ↑ Jan Sellner: Invasive Art in Stuttgart Immer mehr Nilgänse – und was die Stadt dagegen tun kann. In: Stuttgarter Zeitung. 19. Juli 2023, abgerufen am 15. Oktober 2026.
  8. ↑ Friederike Woog: Ökologie und Verhalten einer expandierenden Grauganspopulation (Anser anser) im mittleren Neckartal. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, Jahrgang 167, 2011, S. 449–458. Abgerufen am 15. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Woog, Friederike
KURZBESCHREIBUNG deutsche Ornithologin, Kuratorin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM 30. April 1968
GEBURTSORT Stuttgart