Friedrich David Lenz

Friedrich David Lenz (* 9. Septemberjul. / 20. September 1745greg. in Serben, Gouvernement Livland; † 4. Dezemberjul. / 16. Dezember 1809greg. in Dorpat) war ein deutschbaltischer Geistlicher und erster Lektor für Estnisch und Finnisch an der Kaiserlichen Universität Dorpat.

Leben und Werk

Friedrich David Lenz wurde in einem livländischen Pastorat als Sohn des Pastors Christian David Lenz und dessen zweiten Ehefrau Dorothea. geb. Neoknapp (1721–1778) geboren und war somit der ältere Bruder des Sturm-und-Drang-Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz. Er ging in Dorpat zur Schule und studierte von 1762 bis 1764 an der Universität Königsberg Theologie. Nach dem Kandidatenexamen wurde er Hauslehrer in Reval und trat nach seiner Ordination 1767 seine erste Pfarrstelle in Tarvast an.

Seit 1779 war er Oberpastor an der Dorpater Johanniskirche. In dieser Funktion hielt er am 21. April (alten Stils) 1802 die feierliche Predigt anlässlich der Eröffnung der Kaiserlichen Universität Dorpat. Mit der Neugründung wurde 1803 auch ein Lektorat für Finnisch und Estnisch eingerichtet, das – weltweit, inklusive Finnland – das erste seiner Art war.

Neben seinem Pfarramt übernahm Lenz ab 1803 dann auch das Estnisch- und Finnisch-Lektorat, das vor allem für die Sprachvermittlung an lutherische Pastoren gedacht war und nicht direkt mit Sprachforschung zu tun hatte. Verwendet wurde die Grammatik von August Wilhelm Hupel, die nicht zuletzt deswegen 1818 eine Neuauflage erlebte. Zu seinen Schülern zählten Johann Heinrich Rosenplänter sowie seine späteren Nachfolger Georg Philipp August von Roth und Johann Samuel Friedrich Boubrig. Zusätzlich war Lenz auch Zensor für estnische Schriften, wobei er der estnischen Presse jedoch keine Steine in den Weg legte.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Christian David Lenz. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
  2. ↑ Predigt am Tage der Eröffnung der Kaiserl. Universität in Dorpat, den 21sten April 1802, in: G.B. Jaesche: Geschichte und Beschreibung der Feyerlichkeiten bei Gelegenheit der am 21sten und 22sten Apr. 1802 geschehenen Eröffnung der neu angelegten kaiserlichen Universität zu Dorpat in Lievland. Dorpat 1802, S. 6–17.
  3. ↑ Hier wurde erst 1828 nach dem Umzug der Universität von Turku nach Helsinki ein Finnisch-Lektorat errichtet, s. Kaisa Häkkinen: Agricolasta nykykieleen. Suomen kirjakielen historia. Porvoo, Helsinki, Juva: WSOY 1994, S. 69.
  4. ↑ Reet Kasik: Stahli mantlipärijad. Tartu: Tartu Ülikooli Kirjastus 2011, S. 61.
  5. ↑ Helgi Vihma: Esimene akadeemiline eesti keele lektor, in: Emakeele Seltsi Aastaraamat 18 (1972), S. 189–193.
Personendaten
NAME Lenz, Friedrich David
KURZBESCHREIBUNG deutsch-baltischer Geistlicher und Sprachforscher
GEBURTSDATUM 20. September 1745
GEBURTSORT Serben, Gouvernement Livland
STERBEDATUM 16. Dezember 1809
STERBEORT Dorpat