Friedrich Knilli

Friedrich Knilli (2009)

Friedrich Knilli (* 14. Februar 1930 als Friedrich Venier in Fehring, Steiermark; † 1. Februar 2022 in Berlin) war ein deutsch-österreichischer Medienwissenschaftler.

Leben

Friederich Knilli wurde 1930 als Friedrich Venier geboren und übernahm später den Familiennamen seines Onkels Josef Knilli. Friedrich Knilli studierte in Graz Maschinenbau und anschließend in Tübingen, München und Graz Psychologie (Promotion 1959) und Allgemeine Literaturwissenschaft (Habilitation 1972). Ab 1960 lebte er als freier Schriftsteller, wobei er vor allem für den Österreichischen und Süddeutschen Rundfunk arbeitete.

Bekannt wurde Knilli vor allem durch sein Buch Das Hörspiel. Mittel und Möglichkeiten eines totalen Schallspiels (1961), in dem er eine Gegenposition zum damaligen „Hörspielpapst“ Heinz Schwitzke und dessen Definition vom Hörspiel als reines Wortspiel bezog.

Grabstätte auf dem Friedhof Zehlendorf

Für das Drehbuch zu Auf, Sozialisten, schließt die Reihen! Deutsches Arbeitertheater 1867–1918 (Dokument Fernsehspiel, NDR 1970) bekam Knilli 1971 den Adolf-Grimme-Preis. Bei der Preisverleihung verspottete er die Jury.

Von 1972 bis zu seiner Emeritierung war Friedrich Knilli Professor für Allgemeine Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Medienwissenschaft an der TU Berlin. 1986 gründete er den Hauptstudiengang „Diplom-Medienberatung“, den er bis 1998 leitete.

Zu seinen weiteren Forschungsschwerpunkten zählte seit Mitte der siebziger Jahre die Darstellung der Juden in den Medien. In einem Forschungsprojekt untersuchte er mit seiner Forschergruppe die Zuschauerreaktionen auf die Ausstrahlung der Mini-TV-Serie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß anhand der Zuschriften an den WDR.

Knilli schrieb die Biographie Ich war Jud Süß über den Schauspieler Ferdinand Marian, den Hauptdarsteller in dem antisemitischen Propagandafilm Jud Süß (1940) von Veit Harlan. Nach dieser Vorlage drehte Oskar Roehler 2009 seinen Film Jud Süß – Film ohne Gewissen, der 2010 im Wettbewerb der 60. Berlinale lief.

In einem kurzen Rückblick von Deutschlandfunk Kultur nach seinem Tod heißt es u. a. über Knilli: „Die mediale Auseinandersetzung mit dem Holocaust war für ihn Verkitschung von Auschwitz.“

Friedrich Knilli starb wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof Zehlendorf (Grablage 003-33) beigesetzt.

Werke

Hörspiele

Filme

Über Friedrich Knilli

Schriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Seit 1940 Friedrich Knilli, vgl. dazu Interview „Das war eine Schweinerei“. In: ORF Steiermark. 8. November 2013, abgerufen am 14. Mai 2026.
  2. 1 2 Klaus Siebenhaar: Zum Tod von Friedrich Knilli: Ein Grenzgänger. In: www.tagesspiegel.de. 6. Februar 2022, abgerufen am 16. Februar 2023.
  3. ↑ Siegfried Zielinski zum Tod des Medientheoretikers Friedrich Knilli, Deutschlandfunk Kultur heute vom 2. Februar 2022, abgerufen am 2. Februar 2022.
  4. ↑ Friedrich Knilli: Höllenfahrt (Infobox "Friedrich Knilli" der Deutschlandradio-Redaktion). In: www.hoerspielundfeature.de. Abgerufen am 16. Februar 2023.
  5. ↑ Zum Tod von Friedrich Knilli, hoerspielundfeature.de, abgerufen am 4. Februar 2022.
  6. ↑ interfacecritique.net
  7. ↑ SWR2 Essay. Abgerufen am 13. November 2023.
Personendaten
NAME Knilli, Friedrich
KURZBESCHREIBUNG deutscher Medienwissenschaftler
GEBURTSDATUM 14. Februar 1930
GEBURTSORT Fehring, Steiermark
STERBEDATUM 1. Februar 2022
STERBEORT Berlin