Friedrich Wex

Friedrich Wex

Friedrich Richard Wex (* 14. April 1873 in Schwerin; † 8. Dezember 1923 in Lübeck) war ein Praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Lübeck.

Leben

Herkunft

Friedrich Wex war der Sohn des Juristen und späteren Rostocker Staatsanwaltes Richard Wex (1840–1895) und dessen Frau Luise, geb. Bode (* 1848). Zudem war er ein Enkel des schon lange vor seiner Geburt verstorbenen Direktors des schwerinischen Fridericianums, Friedrich Karl Wex.

Laufbahn

Wex besuchte die Große Stadtschule in Rostock, wo er zu Michaelis 1892 das Abitur bestand. Nach seinem Studium der Medizin in München und ab 1894 Rostock erhielt Wex 1897 seine Approbation, wurde 1899 promoviert und Schiffsarzt in der Hamburg-Amerika-Linie. 1902 war er zuerst Hilfsarzt in Gehlsheim bevor er als Assistenzarzt an der medizinischen Abteilung an das Allgemeine Krankenhaus in der Freien und Hansestadt Lübeck übersiedelte.

Wex ließ sich an der Ratzeburger Allee 2a am Mühlentorplatz nieder. Mit seiner zweiten Heimatstadt war er besonders eng verwoben. Seinem hiesigen bald großen Bekanntenkreis ließ ihn Personen und Dinge oft genauer, uneingeschränkter und deshalb oft freundlicher erscheinen als manch anderen des Stadtwesens. Seine Vertrautheit mit den lübeckischen Verhältnissen persönlicher und dinglicher Art, war jedoch nur der äußere Ausdruck eines inneren Triebes. Er hatte einen ungewöhnlich entwickelten Sinn für jegliche Art gemeinnütziger Wirksamkeit. Sein selbstloses, soziales Empfinden, als Staatsbürger wie als Glied jeder kleineren Gesellschaft, prägten seiner Tätigkeit als Arzt und Mensch in den Ferienkolonien und der Milchkolonie, sowie als Hausarzt im Heiligen-Geist-Hospitals erst den Stempel auf. Dies führte dazu, dass ihm auch in der lübeckischen Berufsvertretung des Ärztevereins, deren Mitglied er seit 1903 war, viele wesentliche Obliegenheiten anvertraut worden sind.

Landesversicherungsanstalt

Als Vertrauensarzt war Wex für die Hanseatische Landesversicherungsanstalt tätig. Zudem versah er sein Amt als Schularzt und stellvertretender Polizeiarzt.

Lübeck haderte jedoch damit, Schulärzte einzuführen. So wurde noch 1906, obwohl die Schwesterstädte Hamburg und Bremen bereits die Anstellung von Schulärzten beschlossen hatten, die Schularztfrage nach wie vor erörtert. Lediglich die Berenend-Schrödersche (Taubstummen)-Schule besaß in der Person des Physikus einen Arzt, dessen Tätigkeit etwa der eines Schularztes anderer Städte entsprach. In allen wichtigen Fragen wurde das Medizinalkollegium gehört und bei Klagen über Missstände der Physikus mit deren Untersuchung beauftragt. Auf die Schulen verteilte mit allen ihren Einrichtungen vertraute Schulärzte, die für die Anwendung der hygienischen Vorschriften sorgten und für die Abstellung von Missständen die vorgesetzte Behörde informierten, gab es nicht. Die Hygiene der Schulkinder war deren zweite Aufgabe. Sein oberster Grundsatz war die Vorbeugung, nicht die Behandlung. Der Ärztekammervorstand äußerte sich über die Anstellung von Schulärzten in Lübeck gutachtlich zustimmend. Wie bereits im Vorjahr versuchte der Verein für Schulgesundheitspflege durch Vorträge im Saal des Bürgervereins, am 23. Oktober 1905 sprach Wex über die „Hygiene des Schulzimmers.“, hygienische Grundkenntnisse zu verbreiten.

Eine Sitzung des Kongresses für Innere Medizin in Warschau
Die Vertreter Lübecks auf dem Warschauer Kongress (Plessing, Wex, Ott)

Seit 1906 war Wex Kolonnenarzt der Lübecker Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und bildete deren Mitglieder aus. Am Tag der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg rückte er als Militärarzt einer Reserve-Sanitätskompanie ins Feld. Während des Krieges blieben seine lebhaften Bemühungen, die Verbindung der Truppenkörper mit der Heimatstadt aufrechtzuerhalten, bei den Lübeckern in Erinnerung. Er ist in Belgien, Frankreich, Russland und Mazedonien gewesen. Nach dem Krieg gab der mit dem EK I und dem Mecklenburgischen Militärverdienstkreuz I. Klasse Ausgezeichnete in der Kolonne uneigennützig seine mannigfach vor Ort gesammelten Erfahrungen weiter.

Am 1. und 2. Mai 1916 fand der üblicherweise in Wiesbaden stattfindende Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin außerordentlich im unter deutscher Besatzung stehenden Warschau statt und wurde hauptsächlich von Militärärzten besucht. In der Eröffnungsrede wurde der Krieg von Wilhelm His als ein „gesundheitlicher Massenversuch“ bezeichnet. Der Oberstabsarzt und Leiter des Barackenlazaretts Plessing und der dortige Stabsarzt und Leiter der Lungenstation im Barackenlazarett auf dem Burgfeld Ott, sowie der im Feld stehende Stabsarzt Wex waren die dortigen lübeckischen Vertreter.

Der in den weitesten Kreisen der Stadt sowohl bekannte als auch beliebte Arzt verstarb an einem Schlaganfall.

Ferienkolonien auf dem Priwall

Die Hansestadt besaß manche humanitäre Einrichtungen wie die Ferienkolonien auf den Priwall bei Travemünde, die den sozialen Sinn für Arme, Kranke und Schwache entwickelten. Der Zweck der Ferienkolonien war es, die Kinder durch Seebäder, gesunde Luft und Nahrung, an denen es Manchem zu Hause fehlte, körperlich zu kräftigen.

Beim Baden
Mittagsschlaf im Wald
Mit den Lehrern auf der Südermole

Kinder zahlreicher Eltern, die nicht in der Lage waren, die Mittel für einen Ferienaufenthalt der jugendlichen Mitglieder ihrer Familie zu beschaffen, wurden hierher entsandt. Die recht bedeutenden Mittel für diese Einrichtung wurden aus freiwilligen Gaben aufgebracht. Die in die Ferienkolonien aufzunehmenden Kinder wurden zumeist von den Hauptlehrern der Volksschulen nach dem Gesundheitszustand der Kinder und der Bedürftigkeit der Eltern ausgewählt und dem Verein vorgeschlagen.

Hierfür wurden 1903 im Juni 64 Mädchen, im Juli die gleiche Anzahl von Knaben und im August wiederum 64 Mädchen unter Begleitung zweier Lehrer bzw. Lehrerinnen zum Aufenthalt in dem Priwall-Haus des Vereins für Ferienkolonien zugelassen.

Die Wochentage verliefen hierfür nach einer festen Tagesordnung. Nach dem Wecken um 6 Uhr wurde um 7 Uhr das erste Frühstück eingenommen. Nach dem zweiten um 9 Uhr folgte ein Spaziergang durch das Tannengehölz zum Strand. Dort wurde gebadet, bevor man in die Kolonie zurückkehrte. Um 13 Uhr aß man zu Mittag. Diesem folgte der Mittagsschlaf in dem der Kolonie gegenüber liegenden Tannenhölzchen. Um 15 Uhr wurde gevespert mit anschließendem größerem Spaziergang bis gegen 19 Uhr. Als die Kinder ihr Abendbrot eingenommen hatten, beschäftigte man sie mit Spielen im Freien. Um 21 Uhr wurde Retraite geblasen.

Der Sonntag brachte Abwechslung durch gern gesehene Elternbesuche, die aber im allgemeinen Interesse der Ordnung innerhalb der Kolonistenschaar nicht gewünscht waren.

Seit 1903 hatte man eine eigene Brunnenanlage.

Die SMS Lübeck verließ am 26. Juli 1905 seine Patenstadt. Die jugendliche Gesellschaft saß beim Essen, als von der Pötenitzer Wiek her die langgezogenen Töne der Sirene des Kriegsschiffes ertönten. Mit Erlaubnis der Lehrer eilte man zum Kopf der Südermole an der Hafeneinfahrt und nahm unter der schwarzen Bake Aufstellung. Als der Kreuzer die Hafeneinfahrt passierte, sang man das deutsche Flaggenlied „Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot“ zum Schiff hinüber. Von dort wurde, obwohl die Aufmerksamkeit der Besatzung mehr der Stadtseite zugewendet war, herzlich gedankt.

Milchkolonie

Forsthalle
Endstelle Israelsdorf bei der Forsthalle

Die Nutzung der 1897 von Martha Rösing für schwächliche Kinder aus St. Gertrud gegründeten Milchkolonie in der Forsthalle im vollständig von Wald umschlossenen Israelsdorf wurde 1902 freigegeben.

Als die Kolonie 1906 von mittlerweile 60 Kindern in Anspruch genommen wurde, stellte sie 1906 an die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit den am 18. Dezember debattenlos angenommenen Antrag, dass sie sie übernehmen möge. Rösing blieb Vorsitzende und Wex ihr Stellvertreter.

Der eigentliche Zweck der Einrichtung, sie war nicht nur für die ärmere Bevölkerung gedacht, wurde erstmals 1909 erreicht. Gegenüber 5–6 Karten in den vorangehenden Jahren zahlten 39 Eltern die Karten für den Aufenthalt und ermöglichten ihren Kindern auf eigene Kosten die Waldluft zu genießen. 1910 kam es zu drei Unfällen – zwei Knaben wurden von Kreuzottern gebissen und einer brach sich den linken Arm. Sie nahmen aber nach wenigen Tagen wieder an der Milchkolonie teil.

1914 schied Wex nach der Mobilmachung vorerst aus dem Kreis der aktiven Mitglieder aus.

Die nächste Milchkolonie sollte erst 1925 in der Schule von Bad Schwartau stattfinden.

Auszeichnungen

Schriften

Literatur

Commons: Friedrich Wex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen

  1. ↑ Franz Schubert: Abiturienten mecklenburgischer Schulen im 19. Jahrhundert. 2. Lieferung: Die Gymnasien in Mecklenburg-Schwerin u. Ratzeburg. [Quellen und Schriften zur Bevölkerungsgeschichte Norddeutschlands.] Selbstverlag, Göttingen 1994, ISBN 3-89364-239-0, S. 80.
  2. ↑ Eintrag im Rostocker Matrikelportal
  3. ↑ Heinz Schmitt: Entstehung und Wandlungen der Zielsetzungen, der Struktur und der Wirkungen der Berufsverbände. Duncker & Humblot, Berlin, S. 25 ff.
  4. ↑ Schulärzte in Lübeck?. In: Lübeckische Blätter, 47. Jahrgang, Nummer 37, Ausgabe vom 10. September 1905, S. 512–513.
  5. ↑ Jahresbericht und Hauptversammlung des Vereins für Schulgesundheitspflege für das Jahr 1905. In: Lübeckische Blätter, 48. Jahrgang, Nummer 5, Ausgabe vom 4. Februar 1906, S. 75–77.
  6. ↑ Wilhelm His, Wilhelm Weintraud: Verhandlungen der ausserordentlichen Tagung des Deutschen Kongresses für Innere Medizin in Warschau am 1. und 2. Mai 1916. Kriegsseuchen und Kriegskrankheiten. Berichte und Aussprache.
  7. ↑ Der Kongreß für Innere Medizin in Warschau. In: Vaterstädtische Blätter. Jahrgang 1916, Nr. 35 vom 28. Mai 1916.
  8. ↑ Ferienkolonien für zahlende Kinder. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1907, Nr. 36, 1. September 1907, S. 143–144.
  9. ↑ Die Ferienkolonien auf dem Priwall zu Travemünde. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1903, Nr. 35, 30. August 1903, S. 273–274.
  10. ↑ Von unseren Ferienkolonien. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1905, Nr. 32, 6. August 1905, S. 132.
  11. ↑ 1050.: Milchkolonien. In: Lübeckische Blätter, 43. Jahrgang, Nummer 24, Ausgabe vom 13. Juni 1902, S. 300.
  12. ↑ Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter, 48. Jahrgang, Nummer 51, Ausgabe vom 23. Dezember 1906, S. 749–753.
  13. ↑ Milchkolonie in Israelsdorf. In: Lübeckische Blätter, 52. Jahrgang, Nummer 43, Ausgabe vom 23. Oktober 1910, S. 628.
  14. ↑ Neunter Jahresbericht der Milchkolonie in Israelsdorf. In: Lübeckische Blätter, 53. Jahrgang, Nummer 37, Ausgabe vom 10. September 1911, S. 537–538.
  15. ↑ Bericht der Milchkolonie. In: Lübeckische Blätter, 68. Jahrgang, Nummer 31, Ausgabe vom 25. Juli 1926, S. 489–490.
  16. ↑ Berliner klinische Wochenschrift 47 (1910), S. 276

Anmerkungen

  1. ↑ Gehlsheim bezeichnet eine historische Ortschaft und eine markante Krankenhausanlage im heutigen Rostocker Stadtteil Gehlsdorf. Der Name ist vor allem eng mit der Geschichte der Psychiatrie und Medizin im Nordosten Deutschlands verbunden.
  2. ↑ Der lübeckische Ärztliche Verein wurde am 23. Oktober 1809 gegründet und ist der älteste ärztliche Berufsverband in Deutschland.
  3. ↑ Das Medizinalkollegium in Lübeck war eine historische Medizinalbehörde, die die Aufsicht über das Gesundheitswesen der Hansestadt führte. Es wurde im Jahr 1811 (während der französischen Besatzungszeit als Jury médicale) ins Leben gerufen und nach dem Ende der Franzosenzeit im Jahr 1814 als ständige städtische Einrichtung etabliert.
  4. ↑ Auf der Hauptversammlung des Vereins für Schulgesundheitspflege am 29. Januar 1906 wurde der satzungsgemäß aus dem Vorstand scheidende Wex Satzungsgemäß als Vorstandsmitglied aus. zudem wurde er für 1906 als Schriftführer gewählt.
  5. ↑ Die Forsthalle war 1896 von der Stadt Lübeck in Eigenregie errichtet worden. Der Veranstaltungsort befand sich völlig unter Kontrolle der städtischen Behörden. 1971 wurde sie zugunsten einer Erweiterung des Tierparks abgerissen.
  6. ↑ Eduard Hach hatte eine Schlüsselliste zwischen den Autoren und deren Chiffren in den Lübecker Blättern. Ab 1907 ist diese nur noch sporadisch weitergeführt worden. Für die Chiffre 1050. ist kein Autor mehr hinterlegt worden.
  7. ↑ Aus Eduard Hachs Schlüsselliste zwischen den Autoren und deren Chiffren für die Lübecker Blätter ist für die Chiffre D. kein Autor mehr hinterlegt worden. Es ist bekannt, dass er ein Mediziner gewesen ist. Die gleiche Chiffre in den Lübeckischen Anzeigen stand für deren Verleger Wilhelm Dahms.
Personendaten
NAME Wex, Friedrich
ALTERNATIVNAMEN Wex, Friedrich Richard
KURZBESCHREIBUNG Arzt und Geburtshelfer
GEBURTSDATUM 14. April 1873
GEBURTSORT Schwerin
STERBEDATUM 8. Dezember 1923
STERBEORT Lübeck