Das Friesenfeld war ein Gau, der sich im heutigen Nordthüringen und südlichen Sachsen-Anhalt im Gebiet zwischen Allstedt und Merseburg erstreckte und zu großen Teilen mit dem Hassegau identisch war. Zahlreiche Orte des Friesenfeldes wie Odesfurt (Oßfurt) waren dem Kloster Hersfeld zur Abgabe der Zehnten verpflichtet. Im Hersfelder Zehntverzeichnis aus dem 9. Jahrhundert wird das Gebiet als Frisonoveld aufgeführt. Im Jahr 932 wurde der Gau in der Grafschaft Siegfrieds zusammen mit dem Westgau und Altgau erwähnt.
Die Forschung ist sich uneinig über die etymologische Herkunft des Namens Friesenfeld. Bis in das 21. Jahrhundert wurde spekuliert, dass der Gau nach dort angesiedelten Friesen benannt wurde. Diese Kolonialisierung wird mit frühmittelalterlichen Bevölkerungsbewegungen in der Region in Verbindung gebracht, die sich auch in dem Namen Hassegau und Schwabengau widerspiegele. Der Namensforscher Christian Zschieschang kritisiert solch eine ethnische Interpretation mit dem Verweis, dass der Bestandteil Fries(e)- in lokalen Ortsnamen vielfältiger Herkunft sein kann und auch auf Personennamen zurückzuführen sei. Darüber hinaus ist ungewiss, ob sich der Name überhaupt auf den an der Nordsee siedelnden Volksstamm bezieht.
Grenzverlauf
Die im ersten Abschnitt des Hersfelder Zehntverzeichnisses genannten Orte des Friesenfeldes befanden sich alle zwischen Saale, Unstrut, Helme, dem Sachsgraben (Tal westlich von Sangerhausen), Wipper, Böser Sieben und Salza. Nicht an allen Stellen sind die Grenzen eindeutig geklärt, da insbesondere im Harzraum nur wenige Orte aufgezählt werden. Die Grenze dürfte hier ein Abschnitt der Gonna gebildet haben, da der Sachsgraben bis zum Korbeshügel südwestlich von Lengefeld führte und die östlich der Gonna gelegenen Orte Lengefeld und Morungen im Hersfelder Zehntverzeichnis genannt werden, Großleinungen oder Horla hingegen nicht. Wie die Grenze weiter zur Wipper hin verlief, ist ebenfalls nicht endgültig geklärt. Die nordöstlichen Orte im Hersfelder Zehntverzeichnis sind hier Friesdorf, die Wüstung Lichthagen, Pölsfeld und Riestedt, wohingegen Gorenzen, Annarode, Emseloh, Blankenheim und Wimmelburg nicht nachweisbar sind. Die Grenze verlief demnach offenbar von der Wipper aus zwischen diesen jeweiligen Orten hindurch nach Süden und dann am Hornburger Sattel entlang, da die dort zu findenden Orte – wie Beyernaumburg, Klosterrode oder Bornstedt – im Hersfelder Zehntverzeichnis enthalten sind. Während Eisleben nicht genannt wird, werden seine Stadtteile Neckendorf, Bischofrode und Helfta aufgelistet.
Literatur
August von Wersebe: Beschreibung der Gaue zwischen Elbe, Saale und Unstrut, Weser und Werra: Mit einer Karte, Hannover 1829, S. 96 ff. Digitalisat
Christian Zschieschang: Das Hersfelder Zehntverzeichnis und die frühmittelalterliche Grenzsituation an der mittleren Saale. Eine namenkundliche Studie. (= Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Band 52) Böhlau Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50721-3 (PDF).
Georg Landau: Beiträge zur Beschreibung der Gaue Friesenfeld und Hassegau. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates, Band 12, 1833, S. 213–235. Digitalisat Google Books
Reinhard Wenskus:Zur fränkischen Siedlungspolitik im Saalegebiet. In: Reinhard Wenskus (Hrsg.): Ausgewählte Aufsätze zum frühen und preußischen Mittelalter. Festgabe zu seinem siebzigsten Geburtstag. Jan Thorbeke Verlag, Sigmaringen 1986, ISBN 978-3-7995-7038-1.
Ueber die Archidiakonate des Halberstädtischen Sprengels. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates, Band 3, S.44 f. (Digitalisat Google Books)
Wolfgang Meibeier:Zur frühmittelalterlichen Siedlungslandschaft des Halberstädter Harzvorlandes. In: Adolf Siebrecht (Hrsg.): Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt 804 1648. Symposium anlässlich 1200 Jahre Bistumsgründung Halberstadt, 24. bis 28. März 2004. Halberstädter Dr.-Haus, Halberstadt 2006, ISBN 978-3-00-017849-8.
↑RI II,1 n. 40, in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 23. April 2020).
↑Wolfgang Meibeier:Zur frühmittelalterlichen Siedlungslandschaft des Halberstädter Harzvorlandes. In: Adolf Siebrecht (Hrsg.): Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt 804 1648. Symposium anlässlich 1200 Jahre Bistumsgründung Halberstadt, 24. bis 28. März 2004. Halberstädter Dr.-Haus, Halberstadt 2006, ISBN 978-3-00-017849-8, S.61.
↑Reinhard Wenskus:Zur fränkischen Siedlungspolitik im Saalegebiet. In: Reinhard Wenskus (Hrsg.): Ausgewählte Aufsätze zum frühen und preußischen Mittelalter. Festgabe zu seinem siebzigsten Geburtstag. Jan Thorbeke Verlag, Sigmaringen 1986, ISBN 978-3-7995-7038-1, S.206–209.
↑Christian Zschieschang:Das Hersfelder Zehntverzeichnis und die frühmittelalterliche Grenzsituation an der mittleren Saale. Eine namenkundliche Studie. Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Band52. Böhlau Verlag, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50721-3, S.173–176.