Fritzi Raubitschek

Fritzi Raubitschek (geb. Friederike Pracht, * 22. Februar 1901 in Wien; † 1997 in Sydney) war eine österreichisch-australische Modedesignerin, Textilkünstlerin und Pianistin. Für die Wiener Werkstätte entwarf sie unter anderem Kleider, Tanzkostüme und Hüte. 1938 emigrierte sie über Großbritannien nach Australien.

Leben und Werk

Friederike Pracht wurde als Tochter des Prokuristen der Aktiengesellschaft Waagner, Biró & Kurz, Rudolf Pracht und seiner Ehefrau Theresia in Wien geboren.

Ihre Eltern bemühten sich um ihre musische Erziehung. Seit ihrem fünften Lebensjahr erhielt sie Klavierunterricht. Während und nach ihrer schulischen Ausbildung studierte sie von 1910 bis 1920 an der Wiener Kunstgewerbeschule. Bis 1914 wurde sie von Franz Čižek in einem Sonderkurs für Jugendkunst unterrichtet. Von 1916 bis 1920 belegte sie Kurse über Schrift und Heraldik bei Rudolf Larisch, Naturstudium bei Adolf Boehm und Kurse zur Allgemeine Formenlehre bei Oskar Strnad. Darüber hinaus studierte sie bei Eduard Josef Wimmer-Wisgrill in der Werkstätte für Damenmode und Modezeichnen. Von 1919 bis 1924 arbeitete sie im Modesalon der Wiener Werkstätte in der Kärntner Straße als Designerin. Sie war Leiterin der Strickwarenabteilung und entwarf für die Wiener Werkstätte Hutmodelle, Blusen, Kleider und Kostüme. Von 1928 bis 1935 fertigte sie Entwürfe für die Textilwarenfirma von Franz Süss an. Darüber hinaus war sie als Pianistin tätig und spielte am Kleinen Wiener Theater.

In ihrer Freizeit war sie eine passionierte Skifahrerin und Schriftführerin der Wintersportsektion der Hakoah, einer jüdischen Sportorganisation. Bei gemeinsamen Berg- und Skitouren der Hakoah lernte sie den jüdischen Zahntechniker Ernst Raubitschek kennen. Gemeinsam mit seinem Vater Alfred, dem Vorsitzenden der Wiener Zahnärztevereinigung, führten sie eine Praxis im 12. Wiener Gemeindebezirk. Friederike Pracht und Ernst Raubitschek heirateten 1922. Im Jahr 1933 wurde Tochter Renate (verh. Yates) geboren.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs verstärkten sich die Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung. Jüdische Geschäfte und Arztpraxen wurden boykottiert und Juden öffentlich gedemütigt. Ernst Raubitschek wandte sich an Theodor Innitzer, den Erzbischof von Wien, um seine Ehefrau und seine Tochter taufen zu lassen und sie damit vor rassistischen Übergriffen zu schützen. Am 28. Mai 1938 wurde Ernst Raubitschek in seiner Praxis verhaftet, misshandelt und zunächst im KZ Dachau und ab dem 23. September 1938 KZ Buchenwald (Häftlingsnummer 8675) inhaftiert.

Fritzi Raubitschek gelang im Juni 1938 mit ihrer Tochter die Emigration nach Großbritannien. Am 14. April 1939 wurde Ernst Raubitschek unter der Maßgabe der sofortigen Ausreise aus dem Deutschen Reich entlassen. In Wien erhielt er ein Visum nach Großbritannien, nachdem Fritzi alle notwendigen Dokumente beigebracht hat. In Manchester warteten sie auf das Visum für Australien. Im August 1939 reisten sie über Southampton an Bord der SS Otranto aus. Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges kam die Familie in Sydney an. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Ehepaar als Enemy Alien behandelt. In den 1940er Jahren gab sie in Australien gemeinsam mit John M. Dushak Pianokonzerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie 20 Jahre als Designerin für eine Schweizer Firma. Fritzi Raubitschek starb 1997 in Sydney.

Ausstellungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Christoph Thun-Hohenstein, Anne-Katrin Rossberg, Elisabeth Schmuttermeier (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Werkstätte. Birkhäuser, Basel / Wien 2020, ISBN 978-3-0356-2211-9, S. 254.
  2. ↑ Andreas Praher: Österreichs Skisport im Nationalsozialismus: Anpassung – Verfolgung – Kollaboration. Oldenbourg 2021, ISBN 978-3-11-072410-3, S. 172–173.
  3. ↑ Friederike Raubitschek: My husband was a Jew. In: Renate Meissner (Hrsg.): Erinnerungen: Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus. Exil in Australien. Band 5. Wien 2018, S. 217.
  4. ↑ Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution | 01010503 001.413.130 - Akte von RAUBITSCHEK, ERNST, geboren am 18.07.1896. Abgerufen am 8. März 2026 (englisch).
  5. ↑ Sucheintrag Friederike Raubitscheck. In: National Archives of Australia's collection database. National Archives of Australia, 28. Juni 2010, abgerufen am 8. März 2026 (englisch).
  6. ↑ Ernst Raubitschek and Renata Yates. Abgerufen am 8. März 2026 (englisch).
  7. ↑ Alice Okbach: John Dushak, Fritzi Raubitschek Recital: Tränen, Liebe und Märchen.../’ (Tears, Love and Fairy-tales...). In: The Sydney Jewish News. Sydney 2. Januar 1948, S. 1.
Personendaten
NAME Raubitschek, Fritzi
ALTERNATIVNAMEN Pracht, Friederike Theresia Maria (Geburtsname); Pracht, Fritzi; Raubitschek, Friederike
KURZBESCHREIBUNG österreichisch-australische Modedesignerin, Textilkünstlerin und Pianistin
GEBURTSDATUM 22. Februar 1901
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 1997
STERBEORT Sydney