Das Frommannsche Anwesen zählt zu den bedeutendsten historischen Bauten der Stadt Jena. Das am Rande der Altstadt, schräg gegenüber dem Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität und neben der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek gelegene Anwesen trägt diesen Namen, weil es um 1800 als Sitz des Verlegers Carl Friedrich Ernst Frommann diente. Es war in dieser Zeit ein zentraler Treffpunkt von Künstlern und Philosophen der deutschen Klassik und Romantik. Heute ist es ein Standort der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität. In seinen Räumen haben das Institut für Germanistische Literaturwissenschaft und das Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft ihren Sitz.
Das Architekturensemble befindet sich in einer Gartenanlage, die durch eine Natursteinmauer zum Fürstengraben abgetrennt, jedoch tagsüber öffentlich zugänglich ist. Die in den 1990er Jahren für die universitäre und öffentliche Nutzung neu gestaltete Gartenanlage ist in sich mehrgliedrig strukturiert. Sie enthält geometrische, durch Hecken gerahmte Rosenrabatten sowie Rasenflächen mit Obst- und anderen Laubbäumen, eine Pergola und eine hölzerne Neugierde sowie verschiedene weitere Sitzgelegenheiten. Zu ihrer Ausstattung gehören zwei klassizistische Musenfiguren aus Zinkguss, ein steinerner Brunnen, ein Springbrunnen sowie ein Gedenkstein.

Seit 2012 wird der Garten des Anwesens jährlich als Frommannscher Skulpturengarten zum Ausstellungsort zeitgenössischer Kunst. Die Ausstellungsreihe wird durch den Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Kooperation mit dem Jenaer Kunstverein veranstaltet.
Das Frommannsche Anwesen besteht in seiner heutigen Form aus einem vielgliedrigen, zusammengewachsenen Ensemble. Die zentralen Bauelemente datieren laut Bauuntersuchungen im Wesentlichen in das 17. Jahrhundert, wobei die Grundmauern bereits aus dem 16. Jahrhundert stammen und die Kellergewölbe auf spätgotische Vorratsräume zurückgehen. Erhalten ist auch eine Bohlenstube aus dem 17. Jahrhundert.
Die genauen Anfänge und Besitzverhältnisse des Frommannschen Anwesens im 16. Jahrhundert sind nicht überliefert. Der erste namentlich bekannte Bewohner des Anwesens war der Theologieprofessor Johannes Major (1564–1654). Ab 1798 mietete der Verleger Carl Friedrich Ernst Frommann (1765–1835) Teile des Anwesens. Zu dieser Zeit wurden die heterogenen Bestandteile des Anwesens baulich und gestalterisch vereinheitlicht, wodurch das Gelände seine heutige, geschlossene Form erhielt. Auch die Errichtung des Torflügels dürfte auf seine Initiative zurückzuführen sein. In den Jahren 1798 bis 1830, in denen es Sitz des Frommannschen Verlages war, wurde das Anwesen zu einem Treffpunkt führender Repräsentanten der deutschen Klassik und Romantik.
Nachdem die Familie Frommann das Anwesen 1830 verlassen hatte, erwarb der Pädagoge Gustav Zenker 1844 das Anwesen und richtete dort eine Knabenschule ein. Nach Zenkers Tod im Jahr 1875 erbte der Theologe Adolf Hilgenfeld (1823–1907) die Liegenschaft. Dessen Nachfahren verkauften das Frommannsche Anwesen 1994 an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Kurz zuvor wurde das Anwesen als Kulturdenkmal gemäß Thüringer Denkmalschutzgesetz anerkannt. Das Anwesen wurde aus Mitteln der Wüstenrot-Stiftung aufwendig saniert und wird heute für die geisteswissenschaftliche Forschung und Lehre genutzt.
Friedrich Frommann und seine Frau Johanna Frommann (geb. Wesselhöft) führten in ihrer „guten Stube“ einen „Theetisch“, der zu einem geselligen Mittelpunkt Jenas und weit darüber hinaus wurde. Wie der Sohn Friedrich Johann Frommann berichtet, fand täglich um 17 Uhr eine Teestunde statt, die den Gebildeten der Stadt offenstand und bis etwa 20 Uhr dauerte. Zum Tee wurde ein frugales Mahl aus Butterbrot und Zwieback gereicht, was ermöglichte, dass die Hausherrin an den Zusammenkünften teilnehmen konnte, deren ausgeprägte kommunikative Begabung maßgeblich zur Qualität der Gespräche beitrug. Die Treffen dienten der Unterhaltung, aber es wurden auch literarische Texte gelesen und Gespräche über Philosophie und Zeitgeschehen geführt. Für viele Literaten und Gelehrte im Umkreis der Universität Jena sowie in Weimar war der Frommannsche Teetisch ein wichtiger Bezugspunkt. Vielfach wurden auch auswärtige Gäste dorthin mitgebracht. Eine systematische Auswertung der Quellen ergab eine Anzahl von über 200 Personen, die zwischen 1798 und 1810 ein- oder mehrmals oder regelmäßig bei den Frommanns zu Gast gewesen sind.
Der Frommannsche Teetisch war ein bedeutendes Beispiel der bürgerlichen Geselligkeitskultur um 1800. Aufgrund der entspannten Atmosphäre und liberalen Haltung der Gastgeber kamen hier Repräsentanten der Weimarer Klassik, Frühromantiker, Aufklärer und Naturwissenschaftler miteinander ins Gespräch. Zu den häufigen Gästen zählten unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der Kunsttheoretiker Carl Ludwig Fernow, der Mediziner Christoph Wilhelm Hufeland, der Physiker Johann Wilhelm Ritter, die Brüder Friedrich und August Wilhelm Schlegel, die Malerin Louise Seidler, die Schriftsteller Ludwig Tieck und Achim von Arnim, das gelehrte Brüderpaar Jacob und Wilhelm Grimm, Friedrich Schelling sowie die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer. Goethes Äußerung zu Eckermann am 19. Juni 1823 „Ich habe dort schöne Abende verlebt“ steht heute als Inschrift auf dem hölzernen Eingangstor zum Frommannschen Anwesen.
Friedrich Johann Frommann, Das Frommannsche Haus und seine Freunde 1792–1837, Jena 1870
Koordinaten: 50° 55′ 49″ N, 11° 35′ 18,9″ O