Fulvio Fontana (* Oktober 1649 in Modigliana; † 29. März 1723 in Fermo) war ein italienischer Prediger im Dienst der Jesuiten.
Fulvio Fontanas Vater Sebastiano war Jurist und seit 1652 Bürger in Florenz, seine Mutter Maria war eine geborene Zauli. Am 2. Februar 1669 trat er dem Jesuitenorden bei. Zuvor hatte er den Doktor der Rechte erworben. Zuerst war er Teil des Noviziats am Sant’Andrea al Quirinale, wo er zwischen 1671 und 1672 ein Jahr Rhetorik studierte und Theologie außen vor ließ. Bis 1676 in Terni und anschließend ein weiteres Jahr in Parma unterrichtete er selbst Grammatik. In Busseto absolvierte er sein letztes Noviziatsjahr bis 1678.
Anschließend wurde er wieder nach Terni geschickt, wo er 2 Jahre Ministrant und apostolischer Mitarbeiter war. Am 2. Februar 1680 in Loreto legte er sein Gelübde als Koadjutor ab.
Fortan wirkte er bis ins Jahr 1681 als Prediger in Sezze und Tivoli, weitere vier Jahre in Borgo San Sepolcro und anschließend bis 1687 in Recanati.
Auf Wunsch des Bischofs Gregorio Barbarigo unterhielt Fontana einen ein Jahr andauernden Kurs im Dom von Padua, und später hielt er in Fano Predigten über seliges Sterben. Abgesehen von zwei Aufenthalten in Florenz und Rom um die Jahrhundertwende, blieb Fontana bis ins Jahr 1712 in Fano. Er lernte früh Pater Segneri kennen und reiste zwischen 1689 und 1692 mit ihm und Pater Pinamonti zu Missionsreisen in die Marken, in die Toskana und nach Ligurien. Pater Segneri verließ das Trio im Jahr 1692, nachdem ihn Papst Innozenz XII. als apostolischen Prediger nach Rom berufen hatte.
Am 15. August 1695 in Arezzo legte Fontana die drei Ordensgelübde, die Evangelischen Räte, ab. Im Jahr 1701 starb sein Gefährte Pinamonti, woraufhin sich Fontana skeptisch gegenüber dessen angeblichen Wunder zeigte.
Papst Clemens XI., den Fontana während seines Studiums in Rom kennengelernt hatte, unterstützte und bemächtigte Fontana damit, die durch Segneri erlernte Missionsmethode in der Diözese Mailand, in Tirol und in der Schweiz ein, wo er seit 1705 predigte. Bereits Ende des Jahres 1703 hatte Papst Clemens XI. Fontana und Mariani für die katholischen Orte der Diözese Disentis empfohlen.
Im Jahr 1705 wurden Fontana und Giovanni Antonio Mariani von den „geistlichen und weltlichen Behörden der Cadi (Gerichtsgemeinde Disentis)“ mit der Volksmission von Disentis und dessen fünf Nachbargemeinden beauftragt. Diese Mission empfing „starken Zulauf des Volkes“. Der Kapuzinerpater Fioriano da Brescia sah sich in seinem lokalen Einfluss etwas bedroht („sah die Jesuitenprediger zwar nicht gerne“) und betitelte sie als in diesem Sinne nicht benötigte „wahrhafte und apostolische Missionäre“. Fiorianos Eifer gipfelte in der Anschaffung einer von Johann Ritz geschaffenen, kostbar eingekleideten Statue der Schmerzhaften Muttergottes.
Auch in Luzern predigte er in diesem Jahr demnach erfolgreich und weiter Reichweite. Da er der deutschen Sprache nicht mächtig war, kommunizierte er durch „leichtverständliche Geberden“, während sein Gefährte Mariani als Übersetzer zur Seite stand.
Dem Schweizer Historiker Hans Wicki zufolge wurde Fontana im September des Jahres 1705, inmitten der unter den verschiedenen Konfessionen aufgeheizten Stimmung bzw. der Toggenburger Wirren, von den führenden Luzerner Klerikern bzw. Behörden aus Küssnacht abgeholt. In Luzern wurde Fontana und Mariani in „einem wahren Triumphzug“ unter Kirchengeläut und Ehrensalve in Luzern empfangen. Fontana hielt elf Missionspredigten vor „schätzungsweise hunderttausend Menschen“.
1713 bis 1714 hielt er sich noch in Arezzo auf, bevor er seine Tätigkeit als Prediger aufgab. Am 30. November 1714 wurde er im Alter von 65 Jahren zum Beichtvater in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto berufen. Er starb am 29. März 1723.
Fontana genoss große Bekanntheit. Der Adel in Bologna sah Fontanas Schrift Lo specchio propone alle dame (1704; deutsch: Der Spiegel hält den Damen vor...) kritisch und versuchte sie angesichts seines eigenen Lebensstils sogar zu verbieten. Im Gegenteil wurde die Schrift jedoch sogar noch bekannter, wodurch täglich um die tausend Exemplare verkauft wurden. Im Jahr 1710 wurde er von der kaiserlichen Familie in Wien empfangen.
Weil Fontana seine Werke gelegentlich unter dem Pseudonym seines Neffen Aldigherio Fontana veröffentlichte und dieser wiederum auch den Namen seines Onkels verwendete, ist die Autorschaft einiger Werke nicht eindeutig zuzuordnen.
Fontanas Bildnis auf einem von Johann Heinrich Störchlin angefertigten Kupferstich (1704) war aufgrund seiner Bekanntheit, die sich auch auf den Kupferstecher Störchlin übertrug, der Einstieg in dessen Ausbildung zum Kupferstecher.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fontana, Fulvio |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Prediger |
| GEBURTSDATUM | Oktober 1649 |
| GEBURTSORT | Modigliana |
| STERBEDATUM | 29. März 1723 |
| STERBEORT | Fermo |