| Garutiit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2008-055 |
| IMA-Symbol |
Gar |
| Chemische Formel | (Ni,Fe,Ir) |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Elemente |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) |
I/A.13-018 1.AF.05 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | hexagonal |
| Kristallklasse; Symbol | dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m |
| Raumgruppe | P63/mmc (Nr. 194) |
| Gitterparameter | a = 2,6939 Å; c = 4,2732 Å |
| Formeleinheiten | Z = 2 |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 (nicht definiert) |
| Dichte (g/cm3) | berechnet: 11,33(1) |
| Spaltbarkeit | fehlt |
| Farbe | stahlgrau bis grauschwarz |
| Strichfarbe | schwarz |
| Transparenz | undurchsichtig (opak) |
| Glanz | Metallglanz |
Garutiit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Elemente (einschließlich natürliche Legierungen bzw. intermetallische Verbindungen, Carbide, Nitride, Phosphide und Silicide)“ mit der chemischen Zusammensetzung (Ni,Fe,Ir) und ist damit chemisch gesehen eine natürliche Legierung, genauer eine Intermetallische Verbindung aus Nickel, Eisen und Iridium.
Garutiit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form von unregelmäßigen bis traubenförmigen, porösen Körnern (Kristalliten) bis etwa 110 μm entdeckt werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und weist auf den Oberflächen der stahlgrauen bis grauschwarzen Körner einen metallischen Glanz auf. In planpolarisiertem Licht erscheint Grautiit weiß. Seine Strichfarbe ist jedoch immer schwarz.
Erstmals entdeckt wurde Garutiit 2008 bei einer Schwermineral-Analyse aus dem Nickelerz-Tagebau Loma Peguera (18° 59′ 24″ N, 70° 19′ 23″ W) etwa 11 km nordöstlich von Bonao in der Dominikanischen Republik. Die Erstbeschreibung erfolgte 2010 durch ein Forscherteam, bestehend aus Andrew M. McDonald, Joaquin A. Proenza, Federica Zaccarini, Nikolay S. Rudashevsky, Louis J. Cabri, Chris J. Stanley, Vladimir N. Rudashevsky, Joan C. Melgarejo, John F. Lewis, Francisco Longo und Ronald J. Bakker.
Der Name wurde zu Ehren des österreichischen Professors Giorgio Garuti (* 1945) gewählt, um dessen Beiträge zum Verständnis der Mineralogie von Platingruppenelementen zu würdigen. Die vollständige Mineralbeschreibung und der gewählte Name wurde bei der International Mineralogical Association (IMA) zur Prüfung eingereicht (Eingangsnummer der IMA: 2008-055) und im Folgejahr der Entdeckung anerkannt.
Typmaterial, das heißt Mineralproben aus dessen Typlokalität Loma Peguera, werden im Mineralogischen Museum der Montanuniversität Leoben in Österreich unter der Katalog-Nr. 8241 aufbewahrt.
Da Garutiit erst 2008 von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht aufgeführt. Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche und zuletzt 1997 herausgegebene Systematik der Minerale nach Dana kennt den Garutiit ebenfalls noch nicht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.13-018. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Garutiit zusammen mit Hexaferrum, Hexamolybdän, Osmium, Rhenium, Rutheniridosmin und Ruthenium eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.13 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Garutiit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Platin-Gruppen-Elemente (PGE)“ zu finden, wo es zusammen mit Hexaferrum, Osmium, Rutheniridosmin und Ruthenium die „Rutheniumgruppe“ mit der Systemnummer 1.AF.05 bildet.
Bei insgesamt 42 Analysen an 27 Körnern mithilfe der Elektronenmikrosonde (siehe auch Elektronenmikroskop) wurde als chemische Zusammensetzung 27,91 % Nickel (Ni), 19,94 % Eisen (Fe), 43,78 % Iridium (Ir), 6,98 % Platin (Pt), 0,55 % Cobalt (Co), 0,43 % Kupfer (Cu), 0,50 % Ruthenium (Ru), 0,74 % Rhodium (Rh) und 0,67 % Osmium (Os) ermittelt (alle Angaben in Gewichts-%). Dies entspricht der empirischen Formel (Ni0.421Fe0.316Ir0.202Pt0.032Co0.008Cu0.006Rh0.006Ru0.004Os0.003)Σ1 oder vereinfacht (Ni,Fe,Ir).
Garutiit kristallisiert hexagonal in der Raumgruppe P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194) mit den Gitterparametern a = 2,6939 Å und c = 4,2732 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Garutiit bildet sich wahrscheinlich sekundär bei niedrigen Temperaturen während postmagmatischer Prozesse, wie beispielsweise bei der Serpentinisierung und/oder Lateritisierung.
An seiner Typlokalität Loma Peguera und bisher einzigem bekannten Fundort in der Dominikanischen Republik wurde Garutiit in den Schwermineralkonzentraten podiformer Chromitit-Lagerstätten in ophiolitischen Gesteinen entdeckt, wo er in Paragenese mit Awaruit, eisenhaltigem Chromit, verschiedenen Mineralen der Chlorit- und Serpentingruppe, Hexaferrum, Irarsit, Laurit sowie gediegen Ruthenium vorkommt.
Bisher gehört Garutiit zu den sehr seltenen Mineralen, das nur in wenigen Proben an weltweit rund 10 Fundstätten entdeckt werden konnte (Stand 2026). Namentlich sind dies der Tagebau Sungabali auf der zur Provinz Kalimantan Selatan gehörenden Insel Sebuku in Indonesien, der Fluss Ainusawa und die Küste von Tomamae im gleichnamigen Landkreis auf der japanischen Insel Hokkaidō, die Chrom-Lagerstätte „Kempirsai“ im Kreis Qarghaly (englisch Kargaly) im Gebiet Aqtöbe (englisch Aktobe) in Kasachstan sowie eine Prospektion im Rajon Burzyansky in der Republik Baschkortostan, Seifenlagerstätten an den Flüssen Aunik (Kreis Baunt) und Kitoy (Kreis Okinsky) in der Republik Burjatien, eine Seifenlagerstätte am Fluss Bolshoy Khailyk in der Region Krasnojarsk und der Il’chir-Ophiolithgürtel im Sajangebirge in der Russischen Föderation.