Gatersleben

Gatersleben
Stadt Seeland
Wappen von Gatersleben
Koordinaten: 51° 49′ N, 11° 17′ OKoordinaten: 51° 49′ 23″ N, 11° 17′ 13″ O
Höhe: 112 m ü. NN
Fläche: 16,9 km²
Einwohner: ca. 2211 (2011)
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 2010
Postleitzahl: 06466
Vorwahl: 039482
KarteFriedrichsaueFroseGaterslebenHoymNachterstedtSchadelebenSalzlandkreis
Karte
Lage von Gatersleben in Seeland

Gatersleben ist ein Ortsteil der Stadt Seeland im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Seit der Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Seeland am 15. Juli 2009 wurde der eigenständige Ort von der Stadt Seeland mitverwaltet und ihr zum 1. September 2010 zwangszugeordnet.

Geografie

Gatersleben liegt im nördlichen Harzvorland. Durch den Ort fließt die Selke.

Geschichte

Bereits in der Steinzeit wurde der Raum um Gatersleben bewohnt. Der Ort ist namensgebend für die neolithische Gaterslebener Kultur, die in Mitteldeutschland verbreitet ist und zu den Epi-Rössener Gruppen gezählt wird. Die Keramik dieser Epoche wurde hier erstmals gefunden.

Erwähnt wird der Ort Gatersleben erstmals im Jahre 964 in einer Urkunde (siehe auch Burg Gatersleben), in der geschrieben steht, dass Markgraf Gero dem von ihm gegründeten Kloster Gernrode unter anderen Gütern drei Hufen in „antiquo Gatersleve“ schenkte.

Des Weiteren bestand am Ort für mehrere Generationen ein Gut der Familie von Oppen. In der Frühzeit war auch der Halberstädter Dekan Matthias von Oppen Teilhaber dieser Begüterung. Die Oppen, sie gründeten einen Familienfideikommiss für Gut (Alt)-Gatersleben, waren bis weit in das 18. Jahrhundert hier ansässig. Um 1800 war Herr von Oppen-Gatersleben Deputierter der regionale Ritterschaft und somit Vorsteher der kreisliche Feuer-Societäts-Direktion. Der Besitz Gatersleben hatte bis um 1862 den Status eines Rittergutes. Carl August Rudolf von Oppen, seit 1833 durch Heirat von Oppen-Schilden, und Major Rudolph von Oppen-Schilden waren nach aktueller Quellenlage die letzte Oppen in Gatersleben, sein Hauptwohnsitz war zu Clausholm im Jütland. Die staatliche Domäne und der private Gutsbesitz bestanden nachweislich bis mindestens im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts parallel. Vor Ort wirkte neben den genannten Gutsbesitzern die bürgerliche Familie Eggeling als mehrfache Pächter und Betreiber einer Zuckerfabrik. Ein in der Oberlausitz lebender Zweig der Eggelings aus Gatersleben wurde später geadelt.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Selke umgeleitet. Dadurch entstand der "Große Gaterslebisch-Ascherslebische See", der von 1450 bis 1700 existierte.

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Domäne Gatersleben mit der Landgemeinde Gatersleben vereinigt.

Politik

Wappen

Blasonierung: „Geteilt durch einen silbernen Streifen oben in Grün sieben goldene Ähren nebeneinander, unten in Blau über drei silbernen Wellenlinien ein linksgewendeter silberner Hecht mit schwarzen Flossen.“
Wappenbegründung: In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Selke umgeleitet und es entstand der Große Gaterslebensche-Ascherslebensche See (genauer handelte es sich dabei um die Wiederherstellung eines natürlich entstandenen, aber verlandeten Sees). Im Wappen von Gatersleben findet man daher einen Hecht, der an diesen See erinnert. Die sieben Ähren sollen die für Gatersleben so bedeutende Landwirtschaft darstellen. Durch den Einfluss der preußischen Könige wurde der See ab 1703 wieder trockengelegt, um für die Landwirtschaft noch mehr Acker- und Weideland zu gewinnen.

Das Wappen wurde am 20. März 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Historisches Wappen
Blasonierung: „Geteilt; oben in Gold zehn grüne Rohrhalme mit schwarzen Kolben nebeneinander; unten in Blau ein silberner Hecht mit goldenen Flossen.“
Wappenbegründung: Das Wappen stützt sich auf das älteste bekannte Siegel aus dem 16. Jahrhundert, dass in späteren Siegeln nicht richtig wiedergegeben war. Das älteste Siegel zeigt im oberen Feld zehn Rohrkolben nebeneinander und im unteren Feld einen Hecht. Der Hecht und die Rohrkolben sind eine Anspielung an den ungeheuren Reichtum an Fischen und besonders Hechten im früheren Gaterslebener See.

Das Wappen wurde von dem Staatsarchivrat Otto Korn aus Magdeburg gestaltet und am 10. Oktober 1938 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Partnerschaft

Seit 1990 unterhält Gatersleben eine Partnerschaft mit dem Flecken Delligsen im Landkreis Holzminden in Niedersachsen.

Burg Gatersleben.
Ev. St.-Stephani-Kirche in Gatersleben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Gedenkstätte

Die Grabstätte auf dem Friedhof für einen namentlich bekannten Polen, der während des Zweiten Weltkrieges ein Opfer von Zwangsarbeit wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur

Am 31. Dezember 2008 betrug die Anzahl der Firmen in der Gemeinde Gatersleben fast 130 mit über 1600 Beschäftigten. Dabei handelt es sich überwiegend um kleine und mittelständische Unternehmen sowie die zwei größten Firmen – Novelis Deutschland GmbH und Joseph Cyril Bamford (kurz: JCB) Vibromax GmbH.
Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung hat etwa 500 Mitarbeiter. Es hat seinen Ursprung in dem noch in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges in Wien von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründeten Institut für Kulturpflanzenforschung. Nach dem Krieg wurde es am nordöstlichen Harzrand in Gatersleben errichtet und zu einem großen Forschungszentrum für Genetik und Kulturpflanzenforschung ausgebaut. Im Jahr 1969 wurde es in Zentralinstitut für Genetik und Kulturpflanzenforschung umbenannt.
Unter dem Dach der im Jahre 2006 gegründeten BGI Biopark Gatersleben Infrastrukturgesellschaft mbH siedelten sich im Umfeld des Forschungsinstitutes mehrere Unternehmen an, darunter die 1984 aus Mitgliedern der Saaten-Union gegründete Saaten-Union Biotec. Die BGI löste sich nach dem Auslaufen einer Zweckbindung durch gewährte EU-Fördermittel wieder auf.

Die Joseph Cyril Bamford (kurz: JCB) Vibromax GmbH hat ihren Ursprung in der im Jahr 1907 gegründeten A. Heucke Dampfpflug-Lokomotiv-Fabrik Gatersleben und ihrem Nachfolger VEB Baumaschinen Gatersleben, der zum Kombinat Baukema in Leipzig gehörte. Im Jahr 2014 schloss Vibromax das Werk in Gatersleben, dessen Gebäude teilweise von anderen Firmen weiter genutzt werden.

Verkehrsanbindung

Gatersleben wird von den Regionalexpress-Zügen Halle–Halberstadt(–Goslar) der DB Regio Südost im Stundentakt angefahren. Zusätzlich hält alle zwei Stunden die Regionalbahn Aschersleben–Halberstadt.

Ebenfalls ist Gatersleben durch Buslinien der Harzer Verkehrsbetriebe von und nach Quedlinburg und durch die Kreisverkehrsgesellschaft Salzland von und nach Aschersleben erreichbar.

Die Verkehrsanbindungen über das Straßennetz sind durch die vierspurig ausgebaute Bundesautobahn 36 ideal. Diese verläuft von der Bundesautobahn 39 in Niedersachsen bis zur Autobahn 14 in Sachsen-Anhalt.

Durch den Ort verläuft die internationale Hauptstadt-Route (EV2) des EuroVelo-Radfernnetzes. Sie ist in Deutschland verlaufsgleich mit dem Europaradweg R1 und entspricht im nationalen Radnetz Deutschland der Europaroute (D3). Ebenfalls routengleich in dem Abschnitt verläuft die D-Route Radweg Deutsche Einheit.

Der ehemalige Flughafen Magdeburg-Cochstedt befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe.

Matthias von Oppen. Gutsbesitzer in Gatersleben.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Personen mit Bezug zum Ort

  • Matthias von Oppen († 1621), Gutsherr in (Alt-)Gatersleben
  • Heinrich von Bünau (* 1789 in Guttentag; † 1864 in Berlin), Generalmajor, heiratete 1833 in Gatersleben Karoline Eggeling (* 3. März 1813 in Alt-Gatersleben; † 21. Januar 1898 Berlin)
  • Käthe Schulken (* 1891 in Vegesack; † 1974 in Gatersleben), Pädagogin und Heimatschriftstellerin.
  • Erika Müller-Pöhl (* 1939), Gebrauchsgrafikerin und Buchillustratorin, lebte von 1964 bis 1989 in Gatersleben

Literatur

Commons: Gatersleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Gemarkung Gatersleben, Stadt Seeland. In: GEOindex. Abgerufen im September 2025.
  2. ↑ StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010.
  3. ↑ Siehe: Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1962. Band VI, Band 29 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1962, ISSN 0435-2408, S. 271–276.
  4. ↑ Moritz Maria von Weittenhiller: Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter 1879. 4. Jg., Buschak & Irrgang, Brünn/Wien 1878, S. 403.
  5. ↑ George Adalbert von Mülverstedt: Urkundenbuch zur Geschichte des altadeligen Geschlechts von Oppen. Band 2/u. Nachtrag, E. Baensch jun., Magdeburg 1896, S. 186.
  6. ↑ Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1803. Johann Friedrich Unger, Berlin 1803, S. 392.
  7. ↑ Statistische Darstellung des landräthlichen Kreises Aschersleben (Provinz Sachsen, Regierungs-Bezirk Magdeburg) von den Jahren 1859 bis 1861. Nach amtlichen Quellen bearbeitet. Verlag G. Basse, Quedlinburg 1864, S. 134.
  8. ↑ M. F. A. Gritzner, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Neuauflage; Band 3/8: Der blühende Adel der Herzogthümer Schleswig-Holstein-Lauenburg. Bauer und Raspe/Emil Küster, Nürnberg 1877, S. 30.
  9. ↑ Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 161.
  10. ↑ Carl von Seydlitz: Der Regierungs-Bezirk Magdeburg. Geographisches, statistisches und topographisches Handbuch. Ferdinand Rubach, Magdeburg 1820, S. 260.
  11. ↑ Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1937. Jahrgang 29. Justus Perthes, Gotha 1936.
  12. ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1959. Band II, Band 20 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsche Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, ISSN 0435-2408, S. 137–138.
  13. ↑ Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 214.
  14. ↑ Marion Pocklitz und Marko Jeschor: JBC Vibromax in Gatersleben: Nach Schließung sind Mitarbeiter gefragt. In: Mitteldeutsche Zeitung. 31. März 2015, abgerufen am 28. Juni 2021.
  15. ↑ Vgl. Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels, Band 2, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 456.
  16. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1903. Jahrgang 4, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 240.