Gattersburg

Gattersburg (2020)

Gattersburg ist der Name einer Villa in der sächsischen Stadt Grimma, die als Hotel genutzt wird. Sie steht unter Denkmalschutz.

Lage und Gestalt

Straßenansicht (2020)
Ruine, 2020
Treppenanlage (1930)

Die Gattersburg mit der Adresse Colditzer Straße 3 liegt in einem parkähnlichen Gelände etwa 60 Meter von der Straße entfernt. Hinter dem Gebäude fällt das Gelände circa 20 Meter steil zur Mulde ab, über die eine Hängebrücke führt. Der sich vom Gebäude nach Süden am Hang erstreckende, auch Alinepark genannte Teil enthält eine Grotte, eine künstliche Ruine aus Bruchsteinen (Bärenburg) und eine doppelläufige Treppenanlage.

Das Gebäude der Gattersburg erhebt sich als zweigeschossiger Bau im Stil der Neorenaissance auf einer Grundfläche von 30 × 20 m. Volutengiebel richten sich nach drei Seiten des Hauses, hinter denen das Dachgeschoss teilweise ausgebaut ist. An der Ecke zur Mulde steht ein schmaler Rundturm mit einer Spitzhaube. Hinter dem Turm befindet sich eine Dachterrasse mit Aussicht auf Fluss und Stadt.

Geschichte

1785 kaufte der Grimmaer Landrichter Johann Christian Gattert das Gelände am Steilhang und ließ hier 1791/92 ein Landhaus errichten. Aus seinem Namen entstand die Gatter(t)sburg. Schon Gattert hatte Bier ausgeschenkt, und auch die folgenden Besitzer betrieben das Haus als Restaurant. 1866 kaufte der Pächter der Leipziger Bahnhofsrestauration Knauth die Gaststätte. Er baute an ihrer Stelle ein Wohnhaus, kaufte ein nördlich angrenzendes Grundstück und erbaute hier eine neue Gaststätte, die er Neue Gattersburg nannte. Diese Gaststätte hielt sich in verschiedener Form, zuletzt als HO-Gaststätte bis 1990. Nach einem Jugendclub hat seit 2003 die Evangelische Elim-Gemeinde hier ihr Gemeindehaus.

Das Knauthsche Wohnhaus kaufte 1882 der Teilhaber der Leipziger Papiergroßhandlung Sieler & Vogel und Chef von deren Golzener Papierfabrik Max Schroeder (1853–1901) und ließ sich 1887/88 an dessen Stelle nach Plänen der Leipziger Architekten Pfeifer & Händel für seine Familie die Neorenaissancevilla erbauen, die sich bis 1990 den Namen Gattersburg mit der benachbarten Gaststätte teilen musste. 1888 wurde auch der Park eingerichtet.

1945 wurde die Schroedersche Gattersburg enteignet und zunächst durch eine amerikanische und danach eine russische Kommandantur genutzt. Ab Ende der 1940er Jahre bis 1997 waren dann in der Gattersburg Schule, Kindergarten, Freizeittreff und Wohnungen untergebracht. Danach wurde das Gebäude privatisiert, unter Denkmalschutzauflagen gründlich saniert und 1998 als Gaststätte und Hotel eröffnet. Nach einer Schließzeit von 2013 bis 2017 nahm das Haus den Hotelbetrieb aber ohne Restaurant wieder auf. Es ist insbesondere für private Feiern in größerer Gesellschaft mit externem Catering oder für Tagungen vorgesehen.

Der während der DDR-Zeit verwilderte, im Eigentum der Stadt befindliche Park, in dem Schafe und Ziegen weideten sowie in einem kleinen Gitter drei Bären gehalten wurden, ist saniert. Dabei tat sich besonders Frau Aline Hanschmann hervor, weshalb der Park heute auch Alinepark genannt wird.

Commons: Gattersburg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag in der Denkmaldatenbank des Landes Sachsen zur Denkmal-ID 08966675 (PDF, inklusive Kartenausschnitt). Abgerufen am 17. August 2026.
  2. ↑ Gattersburg bei Grimma öffnet wieder – aber Restaurant bleibt weiter geschlossen. In: LVZ. Abgerufen am 20. August 2026.
  3. ↑ Alinepark Grimma / Hanggarten an der Gattersburg. Abgerufen am 20. August 2026.
  4. ↑ Aus Liebe zur Natur: Grimmaerin pflegt Park an der Gattersburg. In: LVZ. Abgerufen am 20. August 2026.

Koordinaten: 51° 13′ 42,9″ N, 12° 43′ 29,9″ O