| Gebiidea | ||||||||||||
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Upogebia deltaura | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Gebiidea | ||||||||||||
| de Saint Laurent, 1979 |
Die Gebiidea sind eine Teilordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda). Sie umfassen überwiegend grabend lebende marine Krebse, darunter die Schlammhummer (Thalassinidae) und die Upogebiidae. Sie wurden früher gemeinsam mit den Axiidea als „Maulwurfskrebse“ (Thalassinidea) zusammengefasst; diese Gruppe erwies sich jedoch als nicht monophyletisch und wurde aufgelöst. Die Gebiidea umfassen rund 250 rezente Arten in etwa 20 Gattungen.

Wie alle Zehnfußkrebse besitzen auch die Vertreter der Gebiidea fünf Schreitbeinpaare. Das erste Schreitbeinpaar ist als vollständiges oder unvollständiges Scherenbein ausgebildet, während das zweite Paar unterscherenförmig oder einfach ist. Darin unterscheiden sich die Gebiidea von den Axiidea, bei denen sowohl das erste als auch das zweite Schreitbeinpaar vollständige Scheren trägt.
Der Körper ist langgestreckt und an die grabende Lebensweise angepasst, wobei die Gestalt innerhalb der Gruppe deutlich variiert. Die Schlammhummer besitzen einen vergleichsweise kräftigen und stark kalzifizierten Körper und erreichen mit mehr als 30 Zentimetern Körperlänge die größten Ausmaße innerhalb der Gruppe. Das Pleon ist bei den meisten Gattungen länger als der Cephalothorax. Auch das Rostrum ist unterschiedlich ausgebildet: Bei den Laomediidae ist es meist kurz und annähernd dreieckig, während es bei vielen Upogebiidae zusammen mit seitlichen Leisten des vorderen Carapax einen breiteren Vorsprung bildet.
Ein charakteristisches Merkmal vieler Gebiidea ist die linea thalassinica, eine längs verlaufende, wenig kalzifizierte Linie an den Seiten des Carapax, entlang derer der seitliche Carapaxbereich beweglich ist. Sie ist bei den Thalassinidae und Laomediidae vollständig ausgebildet, bei den Upogebiidae dagegen unterschiedlich stark entwickelt und kann bei einzelnen Gattungen teilweise oder vollständig fehlen.
Die Gebiidea leben überwiegend endobenthisch in selbst gegrabenen Wohnröhren. Sie besiedeln vor allem marine Lebensräume in der Gezeitenbereich und im flachen Sublitoral; die meisten Arten kommen in Wassertiefen von weniger als 200 Metern vor, einzelne Vertreter leben jedoch auch in größeren Tiefen. Als Untergrund dienen meist schlammige oder sandige Sedimente. Einige Upogebiidae besiedeln daneben Kies, Korallenschutt oder legen ihre Gänge in Schwämmen und Korallen an.
Die Form der Wohnbauten variiert zwischen den Arten. Bei den Upogebiidae sind U- oder Y-förmige Gangsysteme mit zwei Öffnungen an der Sedimentoberfläche verbreitet. Die Tiere erzeugen durch Bewegungen ihrer Anhänge einen Wasserstrom durch diese Röhren. Viele Upogebiidae ernähren sich überwiegend als Suspensionsfresser, indem sie aus dem durch die Wohnröhre strömenden Wasser Schwebstoffe herausfiltern; daneben können organische Partikel von den Wänden der Wohnröhre oder von der Sedimentoberfläche aufgenommen werden.
Durch das Anlegen und Belüften ihrer Gangsysteme wirken die Tiere als Bioturbatoren und verändern die physikalischen und chemischen Eigenschaften des umgebenden Sediments. Für Austinogebia edulis aus den Wattgebieten Taiwans wurden mehr als einen Meter tief reichende Gangsysteme untersucht. Durch die Grabtätigkeit und den Transport von Sediment unterschieden sich die Wände und Auswürfe der Wohnröhren unter anderem in Korngrößenverteilung und Gehalt an organischem Material vom umgebenden Sediment.
Die Gebiidea wurden 1979 von der französischen Karzinologin Michèle de Saint Laurent als eigenständige Gruppe eingeführt. Sie teilte die zuvor gemeinsam als Thalassinacea beziehungsweise Thalassinidea zusammengefassten grabenden Zehnfußkrebse in die beiden Gruppen Axiidea und Gebiidea. Molekulargenetische Untersuchungen bestätigten später, dass die traditionellen Thalassinidea keine monophyletische Gruppe bilden. Robles et al. unterschieden 2009 zwei deutlich getrennte Linien, die den Axiidea und Gebiidea entsprechen. Eine umfangreiche phylogenomische Untersuchung der Zehnfußkrebse bestätigte 2019 die Monophylie der Gebiidea.
Die Abgrenzung der Familien innerhalb der Gebiidea hat sich mehrfach geändert. Eine globale Bestandsaufnahme mit dem Stand Ende 2022 unterschied noch vier rezente Familien: Axianassidae, Laomediidae, Thalassinidae und Upogebiidae. Die Stellung der Axianassidae war jedoch umstritten. Molekulare Untersuchungen hatten zunächst für ihre Anerkennung als eigenständige Familie gesprochen, während eine Revision der Gattung Axianassa diese 2016 wieder den Laomediidae zuordnete. Die taxonomische Datenbank DecaNet folgt dieser Auffassung und behandelt die Axianassidae als jüngeres Synonym der Laomediidae. Nach diesem aktuellen Stand werden entsprechend drei rezente Familien unterschieden:
Einzelne Gebiidea werden als Fischköder genutzt. In südafrikanischen Ästuaren wird insbesondere Upogebia africana für die Freizeit- und Subsistenzfischerei gesammelt. Für das Knysna-Ästuar wurde die Art als wichtigste der dort gewonnenen Köderarten beschrieben; die jährliche Entnahme wurde in einer Untersuchung auf etwa drei Prozent des vorhandenen Bestandes geschätzt.
Auch Schlammhummer werden regional genutzt. Thalassina anomala wird in Teilen Malaysias und Thailands verzehrt und traditionell als Mittel gegen Asthma verwendet. Eine medizinische Wirksamkeit dieser traditionellen Anwendung ist bislang nicht belegt; Laboruntersuchungen an Extrakten der Tiere ergaben Hinweise auf entzündungshemmende Wirkungen, erlauben jedoch keine Aussage über eine therapeutische Wirkung beim Menschen.