Ginsterkatzenfell

Kleinfleck- und Großfleck-Ginsterkatzen-Felle
Porträt mit Ginsterkatzenkragen (1620)

Ginsterkatzenfelle wurden als Genetten (Genotten) gehandelt (nicht zu verwechseln mit Genottekatze, eine Bezeichnung für das Fell der Schwärzlingsform der Hauskatze, siehe unter Katzenfell). Zoologisch gehört die Ginsterkatze in die Familie der Zibetkatzen. Im Rauchwarenhandel wurde nicht immer zwischen den einzelnen Zibetfellarten unterschieden, auch andere Arten wurden Anfang des 20. Jahrhunderts als Genetten gehandelt.

Die Ginsterkatze kommt in Europa noch in einigen Gebieten des Mittelmeerraums vor, unter anderem im südlichen Frankreich, auf der Pyrenäen-Halbinsel und in Syrien, zudem in Afrika von Senegambien und Abessinien bis nach Kapland.

Der Körper ist sehr langgestreckt, der Kopf ist klein und spitz zulaufend. Die Ohren sind muschelförmig; die Beine sind für eine Katze recht kurz. Die Kopfrumpflänge beträgt etwa 50 bis 60 Zentimeter, der Schwanz ist 40 bis 50 Zentimeter lang. Die Behaarung ist mittellang, dicht und glatt, aber meist spröde und etwas flach. Die Färbung ist gelblichgrau oder bräunlichgrau mit zumeist vier bis fünf Reihen dunkler, kastanienbrauner oder rotgelber Flecken (Rosetten) längs der Seiten. Auch der Kopf und der Hals sind durch Flecken und Streifen ähnlich gezeichnet. Manche Arten haben eine aufrichtbare Rückenmähne. Der Schweif ist abwechselnd hell und dunkel (weiß bis schwarz) geringelt. In einzelnen Merkmalen weichen manche Unterarten von dieser allgemeinen Beschreibung ab. Einzelheiten über den Haarwechsel scheinen nicht bekannt zu sein.

Der Haltbarkeitskoeffizient für Bekleidung aus Ginsterkatzenfell wird mit 20 bis 30 Prozent angegeben. Bei einer Einteilung der Pelzarten in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Ginsterkatzenhaar als mittelfein eingestuft.

Die immer schon, verglichen mit anderen Fellarten, nur in geringer Menge angefallenen Felle wurden vor der Inschutzstellung der Art in der Regel zu Besätzen und Accessoires, bei ausreichend zusammenpassend vorhandenen Fellen zu Jacken, Mänteln und Besätzen sowie zu Decken verarbeitet.

Die Kleinfleck-Ginsterkatze ist inzwischen als europäische Art nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

Unterarten

Zoologisch werden unterschieden:

Ginsterkatzenfell-Umhang im Iziko South African Museum
Ginsterkatzen Liberias, 1907 (von links nach rechts):
   1 und 2: Liberia-Genette
   3: Westafrikanischer Linsang
   4: Königsgenette (eventuell ausgestorben)

Geschichte, Handel

Grabkammer des Heje, Ägypten. Tributbringende Afrikaner, der Dritte von rechts mit einem Ginsterkatzenfell

In einer Darstellung aus der Zeit etwa 1358–1350 v. Chr. sind auf einer Wandmalerei in der Grabkammer des Heje Afrikaner dargestellt, die verschiedenartige Tributgaben überbringen. Zwei davon haben ein Fell über dem Arm, von denen eines als Ginsterkatzenfell zu erkennen ist (siehe Abbildung).

Auch für das 6. Jahrhundert n. Chr. ist der Gebrauch von Ginsterkatzenfellen bekannt. Isidor von Sevilla (* um 560; † 636), Albertus Magnus (* um 1200; † 1280) und Vinzenz von Beauvais (* zwischen 1184 und 1194; † um 1264) erwähnten den zu ihrer Zeit recht geschätzten Pelz. Die Nutzung im Mittelalter bis zum Beginn der heutigen Pelzmode um 1900 erfolgte für Innenfutter und für Besätze, wohl fast ausschließlich für Männerkleidung. Im Jahr 732 erbeutete man bei dem Sieg von Karl Martell über die Sarazenen bei Tours etliche mit diesem Fell gefütterte Kleidungsstücke. Wahrscheinlich unter Verteilung dieser Bekleidungen wurde unter Karl dem Großen der Orden der Ginsterkatze gestiftet, dessen Mitglieder die ersten Fürsten waren. Noch 1891 wird außer der Verwendung zu Innenfuttern nur die Verarbeitung zu Decken genannt.

In manchen Ursprungsgebieten wurden die Felle früher auch als Bekleidungsbestandteil (Schurze) verwendet, anderenorts wurden die Tiere jedoch als Haustiere zur Mäuse- und Rattenabwehr gehalten und der Fang zu Pelzzwecken wurde nicht gern gesehen.

Ginsterkatzenfelle kosteten Anfang des 19. Jahrhunderts nur ein Drittel der Felle von Zibetkatzen. Der Londoner Fellhandel vermischte deshalb europäische Ginsterkatzenfelle mit afrikanischen und asiatischen Zibetfellen. Gerupfte Genetten (auch als Civetten bezeichnet), bei denen das Oberhaar entfernt worden war, ergaben „hübsche Garnituren für allerlei Bedarf“.

Die Rohfelle werden meist rund abgezogen angeliefert, meist mit dem Leder nach außen.

Verarbeitung

Im Jahr 1965 wurde der Fellverbrauch für eine für einen Mantel aus Ginsterkatzenfell (Genette) ausreichende Felltafel mit 20 bis 30 Fellen angegeben (sogenanntes Mantel-„Body“). Zugrunde gelegt wurde eine Tafel mit einer Länge von 112 Zentimetern und einer durchschnittlichen Breite von 150 Zentimetern und einem zusätzlichen Ärmelteil. Das entspricht etwa einem Fellmaterial für einen leicht ausgestellten Mantel der Konfektionsgröße 46 des Jahres 2014. Die Höchst- und Mindest-Fellzahlen können sich durch die unterschiedlichen Größen der Geschlechter der Tiere, die Altersstufen sowie deren Herkunft ergeben. Je nach Pelzart wirken sich die drei Faktoren unterschiedlich stark aus.

Die Fellverarbeitung entspricht der Verarbeitung der Wildkatzenfelle.

Zahlen, Fakten

Ginsterkatzenfell, Haar- und Lederseite

Siehe auch

Commons: Ginsterkatzenfelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kleidung aus Ginsterkatzenfell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkung

  1. ↑ Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.
  2. ↑ Die Angabe für ein Body erfolgte nur, um die Fellsorten besser vergleichbar zu machen. Tatsächlich wurden nur für kleine (bis etwa Bisamgröße) sowie für jeweils gängige Fellarten Bodys hergestellt, außerdem für Fellstücken. Folgende Maße für ein Mantelbody wurden zugrunde gelegt: Körper = Höhe 112 cm, Breite unten 160 cm, Breite oben 140 cm, Ärmel = 60 × 140 cm.

Belege

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  2. 1 2 3 H. Werner: Die Kürschnerkunst. Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Leipzig 1914, S. 110, 159.
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  4. ↑ Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58.
  5. ↑ Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).
  6. 1 2 Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 143–144.
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