Georg Britting

Georg Britting

Georg Josef Britting (* 17. Februar 1891 in Regensburg; † 27. April 1964 in München) war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Schaffen wurde vom literarischen Expressionismus beeinflusst; gelegentlich wird es dem Magischen Realismus zugeordnet: In scheinbar idyllischen Bildern entwickeln sich oft unwirklich anmutende, verstörende, bisweilen groteske und erschreckende Handlungen. Britting schrieb nicht in Mundart; seine künstlerisch komponierte Sprache spiegelt jedoch in Satzbau und Wortwahl Eigenheiten des süddeutschen Idioms wider. Als Dichter war Britting ein Meister konzentrierter, „dichter“ Aussagen, was auf seine Prosa abfärbte.

Leben

Gedenktafel am Geburtshaus in der Alten Manggasse in Regensburg
Das Grab von Georg Britting auf dem Nordfriedhof (München)

Georg Britting wurde in der Alten Manggasse in Regensburg geboren; aufgewachsen ist er in der Engelburgergasse nahe der Donau (daher die von ihm selbst genährte Legende, er sei „auf einer Donauinsel“ zur Welt gekommen). Ab 1911 publizierte er Gedichte, Feuilletons, Buch- und Schauspielrezensionen in den liberalen Regensburger Neuesten Nachrichten. 1913 wurde sein heute verschollener Einakter-Zyklus An der Schwelle im Stadttheater Regensburg uraufgeführt. Im selben Jahr begann Britting ein Studium an der Königlichen Akademie für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan. Ab 1914 nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Gedichte Brittings erschienen in Armeezeitungen. 1918 kehrte er als Leutnant nach zweimaliger Verwundung und mit Auszeichnungen dekoriert nach Regensburg zurück, schloss sich dem dortigen Arbeiter- und Soldatenrat an und wurde Theaterkritiker der sozialdemokratischen Neuen Donau-Post (ab 1920 Volkswacht für Oberpfalz und Niederbayern).

Zusammen mit dem Maler Josef Achmann (1885–1958) gab er Die Sichel heraus, eine Zeitschrift für Dichtung und Grafik. Hier erschien u. a. die erste Fassung von Brittings Erzählung Marion. 1921 wurde Die Sichel wegen der Inflation eingestellt; Britting folgte Josef Achmann nach München und arbeitete als freier Schriftsteller. Er schrieb für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Frankfurter Zeitung und die Kölnische Zeitung. Seine Stücke Das Storchennest (1922), Die Stubenfliege (UA München 1923) und Paula und Bianka (UA Dresden 1928) fanden dabei weniger Resonanz als seine Gedichte und Erzählungen, von denen einige mehrfach in Zeitungen und Zeitschriften nachgedruckt wurden und auch Eingang in Lese- und Schulbücher fanden. 1928 gewann Britting einen Hauptpreis im Novellen-Wettbewerb der Berliner Illustrirten Zeitung und erhielt ein Stipendium des Ullstein Verlages. 1932 veröffentlichte Britting mit dem Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß seinen einzigen Roman.

Während der Zeit des Nationalsozialismus publizierte Britting regelmäßig in der von Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow herausgegebenen Literaturzeitschrift Das Innere Reich. Sein Buch Die kleine Welt am Strom (1933), Erzählungen und Gedichte über Regensburg, erreichte eine Gesamtauflage von 50.000 Exemplaren. 1935 wurde er mit dem Münchner Dichterpreis ausgezeichnet. 1938 fungierte er als Preisrichter eines Lyrikwettbewerbs der Zeitschrift Die Dame. Seine Texte fanden Eingang in zahlreiche Schulbücher des „Dritten Reiches“.

Zum Teil profitierte Britting dabei von seinem Münchner Verlag Langen-Müller, der sich bemühte, ihn als völkisch-nationalen Autor aufzubauen, ein Bemühen, das Britting unterstützte, indem er wiederholt auf sein „Fronterlebnis“ im Ersten Weltkrieg verwies. So präsentierte er sich in einem selbst verfassten Lebenslauf, den er 1934 in der Anthologie Rufe in das Reich. Die heldische Dichtung von Langemarck bis zur Gegenwart publizierte: „Wer vier Jahre Schützengrabengemeinschaft erfuhr und erlebte, der konnte hinfort nichts anderes mehr sein als national und sozial zugleich.“ Im Oktober 1936 gehörte er zu den Teilnehmern des Treffen der Dichter des Krieges in Berlin, die ein Telegramm an Hitler richteten, in dem sie „ihrem Führer und Reichskanzler im Gedenken der Kameradschaft der Front und Dankbarkeit für die Wiedergewinnung deutscher Wehrhaftigkeit das Gelöbnis unwandelbarer Treue“ bekundeten. Hans Sarkowicz und Alf Mentzer bewerten sowohl Brittings Haltung zum „Dritten Reich“ als auch die Reaktionen der NS-Literaturkritik auf sein Werk als fortdauernd ambivalent. Sie verweisen einerseits auf ein Gedicht, das Britting aus Begeisterung über den Anschluss Österreichs 1938 auf Hitler verfasste. Darin rühmte Britting die „Helden der Schlacht“, die geschafft hätten, was „nicht mehr zu hoffen gewagt“ worden sei. Andererseits nennen Sarkowicz und Mentzer das Gedicht Die freiwilligen Knaben, in dem sich Britting ein Jahr später kritisch mit den von den Nationalsozialisten heroisierten Gefallenen von Langemarck auseinandersetzte. Der Wiener NS-Studentenführer Robert Müller und der Leiter des Wiener Kulturamtes Gerhard Stenzel beschwerten sich daraufhin bei der Schriftleitung der Zeitschrift Das Innere Reich. Nach der deutschen Besetzung Polens erschienen weit über 50 Textbeiträge Brittings in der Krakauer Zeitung, dem NS-Organ für das besetzte polnische Generalgouvernement. Da er sich von Thomas Manns Kritik an den Schriftstellern der sogenannten Inneren Emigration getroffen fühlte (Ein Geruch von Blut und Schande haftet ihnen an), blieb er 1949 demonstrativ dem Empfang der Akademie der Schönen Künste in München zu Ehren Manns fern.

Im Jahr 1946 heirateten Georg Britting und die Schauspielerin Ingeborg Fröhlich (* 31. August 1918; † 18. Oktober 2011). Ab 1951 wohnte das Ehepaar am Sankt-Anna-Platz in München, wo er auch starb. Zu seinem Münchner Freundeskreis zählten u. a. die Kollegen Eugen Roth, Georg von der Vring, Georg Schneider und Curt Hohoff. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, in der er mit Clemens Podewils zusammenarbeitete und junge Autoren wie Cyrus Atabay, Heinz Piontek und Albert von Schirnding förderte. Er wurde 1958 in die Berliner Akademie der Künste gewählt und erhielt in den 1950er und 1960er Jahren weitere Preise und Auszeichnungen.

Ehrungen und Mitgliedschaften

Brittingweg im Münchener Stadtteil Neuperlach (1976), Brittingstraße im Stadtsüden von Regensburg (19??), Brittingstraße in Ingolstadt (Mailing-Feldkirchen; 19??), Georg-Britting-Straße in Lappersdorf (19??), Georg-Britting-Straße in Nittendorf (19??), Brittingweg in Mainburg (19??)

Werke

Erstausgaben

Gesamtausgaben

Sonstige Einzelausgaben

Vertonungen

1. Der irdische Tag („Wessen der andre auch ist…“) – 2. Altweibersommer („Die Blätter gilben sich…“; aus: Der unverstörte Kalender) – 3. Mondnacht im Gebirge („Nebel, zauberzart Gebild…“; aus: Rabe, Roß und Hahn) – 4. nänie auf den apfel (Enzensberger) („hier lag der apfel…“)
1. Die Sonnenblume („Über den Gartenzaun schob sie / Ihr gelbes Löwenhaupt…“) – 2. Fröhlicher Regen („Wie der Regen tropft…“) – 3. Der Strom („Der große Strom kam breit hergeflossen…“) – 4. Feuerwoge jeder Hügel
1. Solche, die in Schenken sitzen – 2. Vor dem Gewitter – 3. Nach dem Regen – 4. Hoch am Berg
1. Süddeutsche Nacht („Das Schilf brummt einen tiefen Ton…“; aus: Der irdische Tag) – 2. Schwarzer Regengesang („Ein schwarzer, singender Regen stürzt…“; aus: Der irdische Tag) – 3. Auf dem Fischmarkt („Silbern glänzen die Fische…“; aus: Der unverstörte Kalender) – 4. Die Stadt in allen Winden („Von allen Seiten gleiten die Winde in die Stadt…“; aus: Der irdische Tag) – 5. Auf dem Sankt Anna Platz („Regen fällt. Schon sind die Kinder fort…“; aus: Der unverstörte Kalender) – 6. Der Kürbis („Der fette Kürbis schwillt, erdkugelhaft…“; aus: Unter hohen Bäumen) – 7. Der Mond („Der Mond kommt jetzt sehr früh herauf…“)
1. Vorm Wirtshaus, an der Eisenstang („Das ist mein alter Kinderpfad…“) – 2. Allein beim Wein („Wie im Glas der gelbe Wein…“) – 3. Vor dem Gewitter („Der Nußbaum glänzt mit allen tausend Blättern…“) – 4. Der Forellenfischer („Der Donner hat geknallt…“) – 5. Das Windlicht („Im Garten / Zur schwarzen Mitternacht…“) – 6. Ernüchterung („Dein Herz ist klug genug, es zu wissen…“) – 7. Herbstgefühl („Tiefblaue Trauben hängt der Herbst vors Haus…“)
1. Auserwählt („Was meinen die Klugen vom Wein?“) – 2. Im Wein birgt sich viel – 3. Schenke in Palermo („Schwarze Purpurtraube…“) – 4. Lob des Weines („Weil ich allein bin…“) – 5. Der Semiramis Gärten („Wo der Wein hängt, / Trauben der Lust…“) – 6. Rausch („Rausch, mein riesiger, bartumwallter / Bruder…“) – 7. Herbstgefühl („Tiefblaue Trauben hängt der Herbst vors Haus…“)
1. Kurze Antwort („Warum ich von Liebe nicht singe?“) – 2. Feuerwoge jeder Hügel (aus: Der irdische Tag) – 3. Dunstiger Abend („Weißes schickt der Fluß herauf…“) – 4. Ich sehe nichts als nur dein helles Haar („Blüten taumeln auf dein helles Haar…“) – 5. Der irdische Tag („Wessen der andre auch ist…“) – 6. Süddeutsche Nacht („Das Schilf brummt einen tiefen Ton…“; aus: Der irdische Tag)
1. Einem Wirtshausgarten gegenüber („Einer Mandoline Zittern…“; aus: Der irdische Tag) – 2. Frühmorgens („Der Rauch der dämmernden Frühe…“; aus: Rabe, Roß und Hahn) – 3. Der Hahn („Zornkamm, Gockel, Körnerschlinger…“; aus: Rabe, Roß und Hahn)

Bearbeitung fürs Musiktheater

Literatur

Commons: Georg Britting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Georg Britting im Jahrbuch der deutschen Dichtung 1932, hrsg. vom Verein Raabe-Stiftung, S. 38.
  2. ↑ Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Europa-Verlag, Hamburg/Wien 2000, S. 115–118, hier S. 115.
  3. 1 2 3 Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Europa-Verlag, Hamburg/Wien 2000, S. 116.
  4. ↑ Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Europa-Verlag, Hamburg/Wien 2000, S. 116f.
  5. ↑ Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945 (= Die Zeit des Nationalsozialismus. Band 17153). Vollständig überarbeitete Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-17153-8, S. 72.
  6. ↑ kulturkreis.eu: 1953–1989 Förderpreise, Ehrengaben
  7. ↑ diese Novelle wieder in der Anthologie: Das Spielzeug der Komtess und andere Novellen. Verlag Otto Beyer, Leipzig 1940.
  8. ↑ Moritat (2022) - Moritz Laßmann. Abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
Personendaten
NAME Britting, Georg
ALTERNATIVNAMEN Britting, Georg Josef (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller und Dichter
GEBURTSDATUM 17. Februar 1891
GEBURTSORT Regensburg
STERBEDATUM 27. April 1964
STERBEORT München