Georg Klemperer war der zweite Sohn des ReformrabbinersWilhelm Klemperer und hatte acht Geschwister, vier Schwestern und vier Brüder. Sein älterer Bruder, erstes Kind seiner Eltern, Berthold (1864–1868), starb im Alter von 4 Jahren an „Scharlachfieber“. Seine jüngeren Brüder waren der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, der Mediziner Felix Klemperer und der Rechtsanwalt und Notar Emanuel Berthold Klemperer (1871–1931). Der Dirigent Otto Klemperer (1885–1973) war sein Cousin ersten Grades. Der Mediziner David Klemperer (* 1953) ist sein Großneffe, der Beachvolleyballer David Klemperer (* 1980) ein Urgroßneffe. Zur entfernten Verwandtschaft zählten der Pathologe Paul Klemperer (1887–1964, Cousin dritten Grades) sowie der Historiker Klemens von Klemperer (1916–2012, Cousin siebenten Grades).
Bereits mit 17 Jahren, 1882, begann Georg Klemperer in Breslau mit dem Medizinstudium, das er in Halle bis zum Physikum und ab 1884 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute:Humboldt-Universität) fortsetzte. Von 1887 bis 1896 war er Assistent bei Ernst von Leyden, er habilitierte sich 1889 an der I. Medizinischen Klinik der Charité und wurde 1906 Chefarzt im Krankenhaus Moabit. Er war maßgeblich am überregionalen Ruf dieses Krankenhauses beteiligt. 1922 und 1923 wurde er von der sowjetischen Regierung mehrfach nach Moskau gerufen, um Lenin zu behandeln. Er wies auf die große Bedeutung einer adäquaten Ernährung bei der Behandlung von Krankheiten hin und beschäftigte sich auch mit Hypnose und Naturheilkunde. Sein Lehrbuch Grundriss der Klinischen Diagnostik erschien bis 1931 in 26 Auflagen. Zusammen mit seinem Bruder Felix gab er das mehrbändige Werk Neue deutsche Klinik: Handwörterbuch der praktischen Medizin mit besonderer Berücksichtigung der inneren Medizin, der Kinderheilkunde und ihrer Grenzgebiete heraus. Über Jahrzehnte prägte er die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, der er zum 50. Gründungstag eine umfangreiche geschichtliche Abhandlung widmete. Klemperer gehörte zu den ersten Mitgliedern der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.
Im März 1895 schlossen Georg Klemperer und Maria Umber, Schwester des Mediziners Friedrich Umber, in Wiesbaden die Ehe. Das Paar hatte fünf Söhne und eine Tochter, darunter den späteren Physiker Otto Klemperer. Der erstgeborene Sohn und die einzige Tochter verstarben im Kindesalter.
Am 4. Mai 1933 wurde Georg Klemperer aufgrund seiner jüdischen Abstammung entlassen. Von 1934 bis 1936 lebten er und seine Frau in Freiburg/Breisgau. 1936 floh das Paar zu den Söhnen in die USA. Im Herbst 1937 verstarb Maria Klemperer mit 63 Jahren während eines Aufenthalts in Meran.
Würdigung
Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie der Charité führte zu Ehren des Mediziners 2007 eine Georg Klemperer-Ehrenvorlesung ein, die seitdem im Allgemeinen zweijährlich stattfindet, seit 2016 organisiert durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin.
Die Ärztekammer Berlin vergibt seit 2007 die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille an Persönlichkeiten, die sich um die Patientenversorgung in Berlin und das Ansehen der Ärzteschaft verdient gemacht haben.
Schriften (Auswahl)
Grundriss der Klinischen Diagnostik. August Hirschwald, Berlin 1890
Nathan E. Brill und Samuel M. Brickner (Übersetzer). The elements of clinical diagnosis. New York 1898 (1. amerikanische nach der 7. deutschen Ausgabe) (Digitalisat), 1899 (2. amerikanische nach der 7. deutschen Ausgabe) (Digitalisat)
Über den Stoffwechsel und das Coma der Krebskranken. Mit Bemerkungen über das Coma diabeticum. Berliner klinische Wochenschrift, 1889, No 40 (Digitalisat)
Justus von Liebig und die Medicin. Vortrag gehalten am 22. September 1899. Verlag August Hirschwald, Berlin 1900.
Lehrbuch der Inneren Medizin für Ärzte und Studierende. Band I. August Hirschwald, Berlin 1905 (Digitalisat)
Der jetzige Stand der Krebsforschung. August Hirschwald, Berlin 1912 (Digitalisat)
Grundriss der klinischen Therapie innerer Krankheiten. Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922
Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, Berlin 2018, S. 199–202.
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Verwandtschaftsbeziehungen der Familie Klemperer
Markus Gumpel Klemperer um 1750–1803 oo Belle Schak
Feiwel Nechemia Markus Gumpel Klemperer 1775–1847 oo Sara Barbara Popper * 1790
Abraham Klemperer 1809–1887 Rabbiner oo Rachel Leipen 1814–1882
↑Victor Klemperer: „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Band 1: Tagebücher 1933–1945. Aufbau-Verlag Berlin 1995, ISBN 3-351-02340-5. S. 733, Anm. zu S. 266.
↑Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, Berlin 2018, S. 199–202.
↑Universitätsbibliothek Freiburg:Adressbücher der Stadt Freiburg.In:Freiburger historische Bestände – digital.Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,abgerufen am 6.Juli 2023.
↑Klemperer Online, edited by Walter Nowojski and Christian Löser. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2019:27 Januar.Abgerufen am 23.Juli 2024.
↑Klemperer Online, edited by Walter Nowojski and Christian Löser. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg:10. Oktober 36, Sonnabend.Abgerufen am 23.Juli 2024.
↑United States of America, District of Massachusetts, Boston, Declaration of Intention Nr. 276298 vom 28. Mai 1938