George Pozer (andere Schreibweisen sind: Jean Georges Pfotzer, Johann Georg Pozer, Georges Pfotzer, Georg Pozer), anglisierter, bzw. ins Französische übertragener Name aus dem Deutschen von Johann Georg Pfotzer, (geboren am 21. November 1752 in Willstätt in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gestorben am 16. Juni 1848 in der Stadt Québec) war ein Kaufmann, Großgrundbesitzer, Friedensrichter sowie ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann und Unternehmer, der aus Deutschland nach Kanada eingewandert war. Pozer ist zudem historisch verbrieft der allererste Multi-Millionär der Stadt Québec. Seine Karriere begann dort ab 1785, als Pozer 33 Jahre alt war.
Am 11. Januar 1776 heiratete er in Schoharie im Bundesstaat New York die Deutsche Magdalena Schneider, deren Name zu Magdalen Sneider anglisiert wurde. Sie hatten zusammen sieben Kinder: Jakob, geboren 1777 in Shoharie; Georges, geboren 1780 in New York City und Élisabeth, geboren 1782 in London, England. Alle anderen Kinder wurden in Kanada in der Stadt Quebec geboren: William, geboren am 29. Juni 1787, der die Pozer-Linie fortsetzte; John, geboren 1789; Hannah, geboren 1791, und David, geboren 1793, der jedoch im Alter von 10 Monaten starb.
Johann Georg Pfotzer kam am 21. November 1752 in Willstätt in bescheidenen Verhältnissen als Sohn von Georg Pfotzer und Birgitt Walter zur Welt und genoss als Kind nur eine geringe Ausbildung. Sein Geburtsort ist Willstätt in Baden, nördlich von Offenburg, direkt gegenüber von Straßburg in Frankreich und nicht Wilstedt in Niedersachsen, wie in manchen Aufzeichnungen irrtümlich vermerkt ist. Sein ursprünglicher Familienname ist Johann Georg Pfotzer, den er erst in England, als er dorthin erstmals auswanderte ab 1773 anglisierte sowie später in Kanada auf George Pozer ins Französische adaptierte. Er selbst unterzeichnete als Georg Pfozer.
Als er 21 Jahre alt war, wurde er, wie viele junge Arbeit suchende Deutsche im damaligen Heiligen Römischen Reich, von Großbritannien für den Dienst in den nordamerikanischen Kolonien rekrutiert. Deshalb zog er 1773, kurz vor dem Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, nach Schoharie in der Nähe von Albany im damaligen Bundesstaat New York, wo er eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft betrieb und damit auch die Garnisonen der britischen Armee versorgte. Zusätzlich handelte mit allem, was Kolonisten und Siedler benötigten: Geschirr, Gerätschaften, Stoffe, Werkzeuge usw. Er belieferte aber auch die britischen Soldaten, insbesondere die Offiziere mit den besten Weinen und anderen Luxusartikeln. Am 11. Januar 1777 ehelichte er in der Kolonie New York die deutsche Magdalen Sneider, mit der er sieben Kinder hatte und die ursprünglich Magdalena Schneider hieß. In manchen Quellen werden sechs Kinder erwähnt, jedoch starb das jüngste Kind David, geboren 1793, bereits im Alter von 10 Monaten.
Im Jahr 1783 wurde die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten offiziell verkündet und die Amerikaner vertrieben die Briten sowie all jene, die diese unterstützt hatten. Bereits im Herbst 1783 verließ Pozer mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Neuengland, zusammen mit den Truppen und anderen loyalen Untertanen der britischen Krone, da sie gezwungen waren, New York zu verlassen.
In seinem hohen Alter erinnerte sich Pozer oft an diese zehn Jahre seines Lebens, an die zahllosen Risiken, die er eingegangen war, auch an die Brutalität der amerikanischen Soldaten. Nicht zu vergessen seine Begegnung mit einem Landsmann, dem Geschäftsmann Jakob Astor, der für ihn das Symbol für Erfolg bleiben sollte. Johann Jakob Astor aus Walldorf war erst ab Frühling 1784 New Yorker geworden. Er hielt sich ab 1787 jedes Jahr im Sommer in Montreal auf, da er aktiv im Pelzhandel tätig wurde. Aus diesem Jahrzehnt nahm Pozer nicht nur 838,– Pfund Ersparnisse mit in die Neue Welt, sondern auch ein Zeugnis über seinen guten Charakter und seine treuen Dienste.
So kam es, dass die Familie nach einem kurzen Aufenthalt in Europa 1785 nach Quebec in Kanada übersiedelte. Da George Pozer bereits über ein beachtliches Vermögen verfügte, das er im Verlauf von 10 Jahren mit der Versorgung der britischen Armee erworben hatte, übernahm er in der Stadt Quebec ein Geschäft für feines Porzellan als Vertreter der Herculaneum Pottery aus Liverpool. Dieses war sehr zentral, gleich am Stadtportal „Porte Saint-Jean“, Ecke Rue St-Angele in Quebec gelegen.
Der wahre Grund jedoch für das spätere, unglaubliche Vermögen George Pozers war, dass er dort begann, an seine Mitbürger und vor allem Geschäftspartner aus dem mittleren und niederen, sozialen Milieu Geld zu verleihen, wie es diverse notarielle Einträge beweisen. Er initiierte die Einführung eines Systems für persönliche Darlehen an örtliche Kaufleute. Dies fand zu einer Zeit statt, in der das Netz an Banken in Quebec noch nicht ausgebaut war. Somit kam Pozer zu einem Reichtum, der ihm erlaubte, allmählich mehrere Immobilien in Quebec ebenso wie Herrschaftssitze außerhalb der Provinz zu erwerben wie in Maryland/USA das Anwesen Saint-Étienne im Dorchester County. Im Jahre 1817, im Alter von 65 Jahren, war George Pozer zu einem der reichsten Geschäftsmänner der Stadt und der Provinz Quebec avanciert. Er verfügte über mehrere Betriebe in der Hauptstadt der Provinz, Ackerflächen auf dem Land und Sägewerken in den Waldgebieten.
Aufgrund seines niedrigen Bildungsniveaus wies George Pozer alle Verhaltensweisen eines Neureichen seiner Zeit auf. Mit den Konventionen der Männer seines Status brechend, umgab er sich mit einem weiten Kreis aus Fabrikarbeitern und kleinen Kaufleuten. In seinem Haus und seinen Geschäften verkehrten stets Leute aus bescheidenen Verhältnissen, unter die er sich mischte. Aus diesem Grund blieb George Pozer am Rande der britischen und lokalen anglikanischen Elite. Um seine Andersartigkeit zu betonen, kleidet er sich in der altmodischen Art des 18. Jahrhunderts, mit hohen Schuhen oder Schnallenschuhen, einem Gehrock und einem Hut, dem Filzdreispitz.

Diese altmodische Kleidung trug zu der Zeit, in der sich der viktorianische Modestil entwickelte, dazu bei, ihn in den Augen der Aristokratie zu einer exzentrischen und marginalen Figur zu machen. George Pozer starb am 16. Juni 1848 für die damalige Zeit im hohen Alter von 96 Jahren in Quebec Stadt. Er vermachte den größten Teil seines Vermögens seiner Tochter Hannah. Dies zog eine zwölfjährige Erbauseinandersetzung nach sich, welche beträchtliche Summen von Anwaltskosten verschlang. Schließlich einigte man sich doch noch gütlich. Sein stattliches Grab liegt auf dem Friedhof „Mount Hermon“ im Stadtteil Sillery, im Süd-Westen der Stadt Quebec.
Unter den Gebäuden, die George Pozer besaß, ist das „Maison Historique Chevalier“ sicherlich eines der symbolträchtigsten. Dieses Gebäude, 1752 für den Werfteigentümer Jean-Baptiste Chevalier erbaut, wurde 1807 von Pozer gekauft, der daraus ein Hotel mit einem kleinen Gasthof, dem „London Coffee House“, machte. Diesen Titel behielt das Gebäude während des 19. Jahrhunderts und sogar bis nach Pozers Tod. Heute ist es ein der Öffentlichkeit zugängliches historisches Haus. Aktuell sind nur noch die herrlichen Gewölbekeller des Gebäudes der Öffentlichkeit bei speziellen, kulturellen Veranstaltungen zugänglich.
Als Eigentümer zahlreicher Immobilien in der Stadt Quebec und von Mieteinnahmen aus 165 Grundstücken im Vorort Saint-Roch sowie als Kreditgeber taucht George Pozer Jahr für Jahr in einer Vielzahl von notariellen Urkunden auf, die im Nationalarchiv von Quebec aufbewahrt werden.
Im Jahr 1785 besaß Pozer ein Vermögen von 838,– £ (nach heutigem Wert ca. 114.024,– Pfund Sterling oder 131.387,57 EUR, Stand: 2025).
Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1848 in Quebec war sein Vermögen auf 87.558,– £ angewachsen (nach heutigem Wert 9.029.418,26 Pfund Sterling oder 10.406.765,72 EUR, Stand: 2025). Im Einzelnen: Möbel und Bargeld, 529 £; Wertgegenstände, 12.000 £; Forderungen, 15.029 £; innerstädtische Immobilien im Wert von etwa 60.000 £, basierend auf dem Mietwert; drei Grundherrschaften mit dem Herrensitz Aubert-Gallion mit 9.667 Hektar Fläche sowie zusätzlich 6.800 Hektar in freiem und gemeinschaftlichem Besitz.
George Pozer gilt als regelrechter Stadtgründer der Gemeinde Saint-Georges-de-Beauce. Am 17. März 1808 erwarb Pozer die Grundherrschaft Aubert-Gallion in der Region Beauce entlang des Flusses Chaudière für lediglich 550,– Pfund. Der reiche Kaufmann wurde damit Eigentümer eines 9.667 Hektar großen Grundstücks, also von knapp 100 Quadratkilometern, das damals kaum über Straßen erreichbar und fast unbewohnt war. Seine Idee war die Entwicklung eines neuen Agrarprojektes: Pozer verfügte über relevante Informationen zur staatlichen Subventionierung des Anbaus einer in Kanada neuen Kulturpflanze, dem Hanf. Diese Pflanzenfaser sollte zur Herstellung von Textilien dienen.
Pozer wusste genau, dass seine Landsleute die Kultur dieser Pflanze bestens kannten und dass ihm die Grundherrschaft Aubert-Gallion mit darauf spezialisierten Arbeitskräften weiteren Wohlstand sichern würde. Dies war damit nicht nur ein landwirtschaftliches Vorhaben, sondern auch ein Kolonisierungsprojekt. Somit ließ er auf eigene Kosten 189 Einwanderer nach Kanada verschiffen, die größtenteils aus seiner alten Heimat Baden stammten. Am 4. Oktober 1817 legte das Schiff Zephyr im Hafen von Québec an. Sie sollten in der Grundherrschaft Aubert-Gallion in Beauce, die heute unter dem Namen Saint-Georges-de-Beauce bekannt ist, in der Landwirtschaft arbeiten. Zu den Neuankömmlingen zählten Namen wie Jakob Bieber, Johannes Hilsinger, Johann Georg Kehle, Johannes Kleinlogel, David Wiederrecht und dem ersten Arzt der Grundherrschaft Aubert-Gallion Dr. Johann Heinrich Ernst Münkel. Bereits im ersten Jahr ist Pozer stolz darauf, eine bedeutende Menge Hanf nach England zu exportieren, der nach bester, rheinischer Technik verarbeitet wurde. Aber das Produkt verkauft sich schlecht, die versprochene Exportprämie bleibt aus, und das Agrarprojekt endet mit einem Misserfolg. Hinzu kommt, dass die Deutschen weglaufen, ohne die Vorschüsse zurückzuzahlen, völlig unerfahren in der Rodung von Wald und zu verschreckt von der Abgeschiedenheit des Landes und Härte des Winters.

Zu erwähnen ist, dass sich in der Gemeinde Saint-Georges-de-Beauce in der ganz an deutsche Moränenlandschaft erinnernde Region „La Beauce“, circa 100 Kilometer südlich von Quebec, noch heute ein Baudenkmal befindet, das in Verbindung mit dieser historischen Persönlichkeit Pozer steht. Dabei handelt es sich um das herrschaftliche Manoir William-Milburn-Pozer, ein Anwesen, das die Familie Pozer auf einem der Herrensitze 1879 erbauen ließ.
Zu Ehren des Stadtgründers ist heute ein öffentlicher Stadtpark von Saint-Georges-de-Beauce nach ihm benannt (Parc de l'île Pozer), eine zentrale Hauptstraße (118e rue Pozer) sowie die staatliche Bildungsanstalt, das Berufsbildungszentrum Pozer (Centre de formation professionnelle Pozer). Hinzu kommt ein Fluss innerhalb des Gemeindegebietes von Saint-Georges (Rivière Pozer) und ein Friedhof (Cimetière Pozer), der seinen Namen trägt. Insbesondere wurde der Namen der Stadt 1856, erst wenige Jahre nach seinem Tod, offiziell als Saint-Georges eingetragen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pozer, George |
| ALTERNATIVNAMEN | Pfotzer, Johann Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | Kaufmann, Großgrundbesitzer, Friedensrichter und Geschäftsmann |
| GEBURTSDATUM | 21. November 1752 |
| GEBURTSORT | Willstätt / Baden |
| STERBEDATUM | 16. Juni 1848 |
| STERBEORT | Stadt Québec |