George Schneider

George Schneider

George Schneider (* als Georg Schneider am 13. Dezember 1823 in Pirmasens; † 16. September 1905 in Colorado Springs) war ein Revolutionär des Pfälzischen Aufstands 1849. In den Vereinigten Staaten wurde er Publizist und Bankier und gehörte laut Albert E. Zucker neben Karl Schurz zu den bedeutendsten der „Forty-Eighters“, die sich dort politisch betätigten.

Leben

Georg Schneider war der Sohn des Verifikators Ludwig Gottfried Schneider und der Josephina geborene Schlick. Er wurde Journalist und Herausgeber einer Gartenzeitschrift. Mit dem Notar Conrad Ludwig Diehl und dessen Verwandtem Ludwig Conrad Lippack gehörte Schneider zu den Führern des Volksvereins in Pirmasens, der im Winter 1848/1849 gegründet wurde.

Am 17. Mai 1849 wählten 28 Volksvertreter der pfälzischen Kantone, unter ihnen der Notar Conrad Ludwig Diehl für den Kanton Pirmasens, eine Provisorische Regierung der Rheinpfalz. Diese ernannte bis Ende des Monats Civilkommissäre, die die bayerischen Landkommissäre ersetzten. Diehl war als solcher im Landkommissariat Pirmasens tätig und betrieb die Organisation und Bewaffnung der Volkswehr.

Schneider diente als Sekretär des „Ausschußes des Volkswehrbataillons“ Pirmasens. Am 28. Mai ließ Diehl dort einen zweiten Kantonalausschuss zur Verteidigung der Reichsverfassung wählen, dessen Mitglieder, unter ihnen Schneider, radikale Demokraten waren und fast geschlossen unter Hochverratsverdacht kamen. Schneider war ebenfalls Sekretär des Ausschusses. Die Anklag-Akte führte ihn als „Schreiber“ unter der Nummer „72“ mit seinem Steckbrief auf: 23 Jahre alt, 5 Schuh, 10 Zoll groß, von dunkelbraunen Haaren, freier Stirne, braunen Augenbraunen, braunen Augen, langer Nase, großem Munde, ohne Bart, ovalem Kinn, länglichem Angesicht, gesunder Gesichtsfarbe, einäugig und gewöhnlich eine Brille tragend. Vorgeworfen wurden ihm: die Beraubung öffentlicher Kassen, Erpressung von Pferden und Waffen, ein Exekutionszug nach Schönau mit 60 Bewaffneten sowie die Mitwirkung in der Rekrutierungskommission. Mitte Juni flohen die Pirmasenser Revolutionäre beim Einrücken der preußischen Truppen nach Frankreich. Die pfälzische Justiz verurteilte Schneider 1851 in Abwesenheit, das Urteil war bis zur Generalamnestie 1865 rechtskräftig.

Schneider emigrierte nach Nordamerika und gründete 1849 die deutschsprachige Zeitung Neue Zeit in St. Louis. Zwei Jahre später wurde er Herausgeber der Illinois Staats-Zeitung in Chicago. Ein Amt, das Schneider 1861 an Lorenz Brentano übergab, als er für zwei Jahre als amerikanischer Konsul nach Helsingör ging. Als Publizist war Schneider ein Gegner des Kansas-Nebraska Acts und wurde ein Führer der Republikanischen Partei von Illinois sowie Freund von Abraham Lincoln. Er war Delegierter bei den nationalen Parteitagen der Republikaner in den Jahren 1856 und 1860. Im Jahr 1877 wurde Schneider als Chargé d’affaires in der Schweiz vorgeschlagen, lehnte aber ab. Drei Jahre später gehörte er dem Wahlmännergremium bei der Kandidatur James A. Garfields an.

Für eine Amtszeit übernahm Schneider die Leitung der Steuerbehörde (Collector of Internal Revenue) für den Distrikt Chicago, danach war er Präsident der State Savings Institution. Zum Präsidenten der Illinois National Bank wurde er 1871 gewählt, er hatte diese einige Jahre zuvor mitbegründet. Drei Jahre später beteiligte sich Schneider auch am Bankunternehmen eines Vetters in Pirmasens. Im Dezember 1896 kam es zum Zusammenbruch der Bank. Zwei Schwiegersöhnen hatte Schneider Kredite über 500.000 Dollar zugesagt.

Schneider starb am 16. September 1905 während eines Urlaubs in Colorado Springs. Er wurde neben seiner Ehefrau auf dem Rosehill Cemetery in Chicago beigesetzt.

Familie

Grab des Ehepaars Schneider auf dem Rosehill Cemetery in Chicago

Schneider heiratete im Juni 1853 Mathilde Schlötzer (1826–1900), Tochter eines Arztes aus der Pfalz. Sie wurden Eltern von zehn Kindern, von denen sieben Töchter das Erwachsenenalter erreichten. Schneiders Urgroßvater Heinrich war Küfer und Wirt sowie von 1769 bis 1788 erster Stadtschultheiß von Pirmasens, Nachfolger wurde mit dem Glaser Samuel Kull (Kuhl, † 1814) bis 1793 ein weiterer Urgroßvater Schneiders.

Literatur

Belege

  1. 1 2 3 Rudolf H. Böttcher: Conrad Ludwig Diehl – Der „Pascha“ und der zweite Kantonalausschuß. In: Die Familienbande der pfälzischen Revolution 1848/1849. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte einer bürgerlichen Revolution. Sonderheft des Vereins für Pfälzisch-Rheinische Familienkunde. Band 14. Heft 6. Ludwigshafen am Rhein 1999. S. 297–298.
  2. 1 2 3 4 5 Rudolf H. Böttcher: Georg Schneider. In: Die Familienbande der pfälzischen Revolution 1848/1849. S. 298.
  3. ↑ Ludwig Schmitt: Anklag-Akte, errichtet durch die K. General-Staatsprokuratur der Pfalz, nebst Urtheil der Anklagekammer des K. Appellationsgerichtes der Pfalz in Zweibrücken vom 29. Juni 1850, in der Untersuchung gegen Martin Reichard, entlassener Notär in Speyer, und 332 Consorten, wegen bewaffneter Rebellion gegen die bewaffnete Macht, Hoch- und Staatsverraths etc. Ritter, Zweibrücken 1850. S. 136.
  4. ↑ Anklag-Akte. S. 137.
  5. ↑ 72. Georg Schneider. In: Anklag-Akte. S. 109.
  6. ↑ § 53. Kanton Pirmasens. In: Anklag-Akte. S. 136–146.
  7. ↑ Elliott Shore, Ken Fones-Wolf, James Philip Danky: The German-American Radical Press. The Shaping of a Left Political Culture, 1850–1940. University of Illinois Press, Urbana 1992. S. 87.
  8. ↑ George H. Douglas: The Golden Age of the Newspaper. Greenwood Press, Westport 1999. S. 213.
  9. ↑ J. G. Wilson, J. Fiske (Hrsg.): Schneider, George. In: Appletons’ Cyclopædia of American Biography. Band 5. New York 1900. S. 423.
  10. 1 2 Nachruf: Georg Schneider is dead. In: Chicago Sunday Tribune vom 17. September 1905 (englisch). S. 298.
  11. ↑ Siehe Grabstein des Ehepaars Schneider.