
Eine Geradengleichung ist in der analytischen Geometrie eine Gleichung, die eine Gerade eindeutig beschreibt. Geraden lassen sich auf vielfältige Weise durch Gleichungen beschreiben: Bei einer Koordinatengleichung besteht eine Gerade aus allen Punkten, deren Koordinaten die Gleichung erfüllen. Auf diese Art lassen sich nur Geraden in einer Ebene beschreiben. Bei einer Vektorgleichung wird die Gerade mithilfe von Vektoren ausgedrückt, häufig kombiniert mit einem Parameter, der die reellen Zahlen durchläuft. Zu jedem Parameterwert gehört dann eindeutig ein Punkt auf der Geraden, und man spricht von einer Parametergleichung. Eine Normalengleichung beschreibt eine Gerade mithilfe eines Vektors, der senkrecht auf der Geraden steht (Normalenvektor). Parametergleichungen eignen sich zur Beschreibung sowohl von Geraden in der Ebene als auch von Geraden im Raum. Sie erlauben es auch, Geraden in höherdimensionalen Räumen zu definieren.
In einem kartesischen Koordinatensystem werden jedem Punkt der Ebene zwei Zahlen und als Koordinaten zugeordnet. Man schreibt oder . Eine Gleichung mit den Variablen und beschreibt dann eine Menge von Punkten in der Ebene, und zwar die Menge aller Punkte, deren - und -Koordinate die Gleichung erfüllen. Die Schreibweise
bedeutet beispielsweise, dass die Gerade aus allen Punkten besteht, für die erfüllt ist. Die entsprechende Mengenschreibweise lautet
Für Geradengleichungen gibt es eine Reihe unterschiedlicher Darstellungsformen.

Jede Gerade, die nicht parallel zur -Achse verläuft, ist der Graph einer linearen Funktion
wobei und reelle Zahlen sind. Die zugehörige Geradengleichung lautet dann
Diese Darstellung einer Geradengleichung heißt Normalform oder Hauptform der Geradengleichung. Die Parameter und der Normalform haben eine geometrische Bedeutung: Die Zahl ist die Steigung/der Anstieg der Geraden und die Zahl ist der Schnittpunkt mit der -Achse (y-Achsenabschnitt). Ist , so verläuft die Gerade als Ursprungsgerade durch den Koordinatenursprung und die zugehörige Funktion ist eine Proportionalität. Ist der Anstieg , so verläuft die Gerade parallel zur -Achse. Geraden, die parallel zur -Achse verlaufen, sind keine Funktionsgraphen und können folglich nicht in Normalform dargestellt werden.
Die allgemeine Form der Geradengleichung in der Ebene lautet
wobei und nicht beide 0 sein dürfen.
Es handelt sich um eine implizite Gestalt der Geradengleichung. Durch Auflösen der Gleichung nach (falls ) erhält man hieraus die explizite Normalform
Die allgemeine Form hat den Vorteil, dass sie symmetrisch in und ist und somit keine Richtung der Geraden bevorzugt wird. Dadurch unterliegt sie keinen Einschränkungen, d. h. jede Gerade lässt sich mithilfe der allgemeinen Form beschreiben. Insbesondere können auch Geraden, die parallel zur -Achse verlaufen, dargestellt werden als
wobei die Stelle ist, an der die Gerade die -Achse schneidet. Sie hat den Nachteil, dass man aus ihr im Allgemeinen keine geometrischen Eigenschaften der beschriebenen Geraden direkt ablesen kann.

Verläuft die Gerade durch die beiden Punkte und , wobei , dann kann die Steigung der Geraden mit Hilfe des Differenzenquotienten berechnet werden:
Nach dem Strahlensatz kann statt des Punktes auch ein beliebiger anderer Punkt der Geraden gewählt werden, ohne dass die Steigung sich ändert. Damit ergibt sich die Zweipunkteform
oder äquivalent dazu, indem die Gleichung nach aufgelöst wird,

Eine Gerade durch den Punkt mit der Steigung wird beschrieben durch die Gleichung
Diese Formel kann auch benutzt werden, wenn zwei Punkte bekannt sind, aber man den Schnittpunkt mit der -Achse (oben genannt) nicht explizit bestimmen will.

Schneidet die Gerade die -Achse an der Stelle und die -Achse an der Stelle , so lässt sich die Geradengleichung in der Form
schreiben. Diese Form heißt Achsenabschnittsform der Geradengleichung mit dem -Achsenabschnitt und dem -Achsenabschnitt . Wird die Gleichung nach aufgelöst, so ergibt sich die Normalform
wobei das Verhältnis der Steigung der Geraden entspricht.
Geraden in der Ebene lassen sich auch mit Hilfe von Vektoren beschreiben. Dabei betrachtet man statt der Punkte ihre Ortsvektoren. Der Ortsvektor eines Punktes wird üblicherweise mit bezeichnet.


Bei einer Parametergleichung wird keine Bedingung formuliert, die die Koordinaten der Punkte erfüllen müssen, damit sie auf der Geraden liegen, sondern die Punkte der Geraden werden in Abhängigkeit von einem Parameter dargestellt. Jedem Wert des Parameters entspricht dabei ein Punkt der Geraden. Durchläuft der Parameter alle reellen Zahlen, so erhält man alle Punkte der Geraden.
Eine spezielle Parametergleichung ist die Punktrichtungsform
beziehungsweise in Komponentendarstellung
Hierbei ist der Ortsvektor eines festen Punktes der Geraden (Stützvektor genannt), ein Richtungsvektor und der Parameter. Ist ein Einheitsvektor, dann gibt den Abstand eines Punkts auf der Geraden vom Aufpunkt an.
Geht eine Gerade durch die Punkte und , so lässt sie sich mit der Zweipunkteform
beschreiben. Der Ortsvektor dient dabei als Stützvektor der Gerade, während der Differenzvektor den Richtungsvektor der Gerade bildet. Mithilfe der Distributivgesetze der Vektorrechnung erhält man hieraus die Darstellung
Diese Darstellung wird auch als lineare Interpolation oder Affinkombination der Punkte und bezeichnet.

Mit einem Normalenvektor , der im rechten Winkel zur Geraden steht, lässt sich die Gerade in Normalenform schreiben:
Darin ist wieder der Stützvektor und das Skalarprodukt zweier Vektoren. Legt man ein ebenes rechtwinkliges Koordinatensystem zugrunde und stellt die Vektoren mithilfe ihrer Komponenten dar, so erhält man die Normalenform als Koordinatengleichung:
Eine spezielle Normalenform ist die hessesche Normalform
bei der Normalenvektor normiert und orientiert ist und den Abstand der Geraden vom Koordinatenursprung bezeichnet.
Geraden im Raum lassen sich nicht durch eine Koordinatengleichung beschreiben, sondern nur durch ein System von zwei linearen Gleichungen. Jede dieser Gleichungen beschreibt dabei eine Ebene und die Gerade ist die Schnittmenge der beiden Ebenen. Diese Beschreibung von Geraden im Raum ist unhandlich. Praktischer ist die oben vorgestellte Parametergleichung
wobei , und Vektoren im Raum sind. Legt man ein kartesisches Koordinatensystem zugrunde und stellt die Vektoren mithilfe ihrer Komponenten dar, so liest sich diese Gleichung als
Mit Hilfe des Vektorprodukts lässt sich noch eine andere, parameterfreie Geradenform konstruieren: Ein Punkt im Raum mit dem Ortsvektor liegt genau dann auf der Geraden, wenn der Verbindungsvektor kollinear zum Richtungsvektor ist (also in dieselbe oder in die entgegengesetzte Richtung zeigt). Zwei Vektoren sind aber genau dann kollinear, wenn ihr Kreuzprodukt den Nullvektor ergibt. Somit wird eine Gerade mit Stützvektor und Richtungsvektor beschrieben durch die Gleichung
bzw.
Ist ein Einheitsvektor, so entspricht genau dem Abstand der Geraden vom Ursprung.
Mithilfe der Parameterdarstellung lassen sich Geraden auch in höherdimensionalen Räumen definieren. Jedes -Tupel wird dann einfach als „Punkt“ oder „Ortsvektor“ im interpretiert; Insbesondere lassen sich zwei -Tupel und als Stützvektor und Richtungsvektor auffassen. Die Gleichung
definiert dann eine Gerade im . Sie besteht aus allen , für die ein existiert, so dass die Gleichung erfüllt ist. Diese Bedingung bedeutet, dass das folgende lineare n×1-Gleichungssystem eine Lösung hat: