Gerhard Vossel

Gerhard Vossel (* 20. Juli 1950 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Psychologe und emeritierter Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Leben

Er promovierte 1980 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Arbeit über Aufmerksamkeit und Habituation zum Dr. rer. nat. Danach war er Professor am Institut für Psychologie (Arbeitsgruppe Forensische Psychophysiologie) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Werk

In seinen frühen akademischen Arbeiten setzte er sich mit der Stress- und Belastungsforschung auseinander, etwa den Auswirkungen von Stress auf die Herzrate, der Transaktionalen Stresstheorie sowie den Einflüssen von Alltagsbelastungen auf die Stressreaktion. Er untersuchte auch die menschliche Aufmerksamkeit und Orientierungsreaktionen, beispielsweise mittels elektrodermaler Aktivität oder hirnelektrischer Potenziale.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Forensische Psychophysiologie. Durch seine Studien mit dem Lügendetektor gilt er als Experte für die psychophysiologische Aussagebeurteilung. Hierbei erforschte er intensiv die Methodik und Anwendung des sogenannten „Tatwissentests“ (auch als „Concealed Information Test“ (CIT) oder als „Guilty Knowledge Test“ (GKT) bekannt). Seine Forschungsbeiträge konzentrierten sich auf die Validierung und Verfeinerung psychophysiologischer Messverfahren zur Aufdeckung verborgenen Wissens. In einer Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte er den Tatwissentest und stellte fest, dass elektrodermale, respiratorische und kardiovaskuläre Messgrößen eine erfolgreiche Unterscheidung zwischen schuldig und unschuldig befundenen Probanden ermöglichten; dabei erzielte ein logistisches Regressionsmodell Trefferraten von über 90 %. Seine fMRT-Studie aus dem Jahr 2007 übertrug ein Tatwissentest-Paradigma auf die funktionelle Magnetresonanztomografie, wobei zusätzlich Reaktionszeiten und Reaktionen der Hautleitfähigkeit quantifiziert wurden, um neuronale Korrelate von Verhaltens- und elektrodermalen Reaktionsmustern zu identifizieren. Er zeigte, dass emotionale Erregung die Enkodierung tatbezogener Details sowie die entsprechenden physiologischen Reaktionen im Tatwissentests moduliert.

Über die Polygrafieforschung hinaus erstreckte sich Vossels Expertise auf allgemeinere psychophysiologische Prozesse, darunter die elektrodermale Aktivität, die Differenzierung von Paradigmen zur Lügenerkennung sowie die Verknüpfung von Neuroimaging und Messungen des autonomen Nervensystems. Seine Arbeit schlug eine Brücke zwischen Laborstudien und theoretischen Modellen der Kognitionspsychologie sowie der Neurowissenschaften und er trug zum wissenschaftlichen Verständnis der Detektion von Gedächtnisinhalten sowie der physiologischen Marker bei, die in forensischen Kontexten zwischen wahrheitsgemäßen und täuschenden Antworten unterscheiden.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerhard Vossel aus Research Gate, abgerufen am 14. August 2026.
  2. ↑ Gerhard Vossel auf Lie detector Test, abgerufen am 15. August 2026.
Personendaten
NAME Vossel, Gerhard
KURZBESCHREIBUNG deutscher Physiologischer Psychologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 20. Juli 1950
GEBURTSORT Neustadt an der Weinstraße