Gerhard Weiduschat (* 25. September1952 in Berlin) ist ein deutscher Historiker, der vor allem auf dem Gebiet der deutsch-polnischen Kulturvermittlung tätig ist.
Leben
Weiduschat wurde als ältester von drei Söhnen des Bankkaufmanns Erich Weiduschat und dessen Frau, der Bankkauffrau Ruth, geb. Pohl, in West-Berlin geboren. Er absolvierte ein Studium der Geschichte und Germanistik am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin (FU), das er 1985 mit einer von seinem wichtigsten akademischen Lehrer Klaus Zernack betreuten Magisterarbeit über den Vergleich des friderizianischen Landesausbaus an Oder, Warthe und Netze abschloss. Als studentischer Mitarbeiter befasste er sich in der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Germania Slavica der FU unter der Leitung von Wolfgang H. Fritze mit mittelalterlicher Siedlungsgeschichte der Mark Brandenburg. Seine Polnischkenntnisse erwarb er in einem Aufbaustudium am Mainzer Polonicum der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seitdem arbeitet er als freier Historiker in Berlin mit dem Schwerpunkt Geschichte Polens, der Neumark und der weiteren ehemaligen deutschen Ostgebiete und heutigen polnischen Westgebiete sowie insgesamt der deutsch-polnischen Kontaktzone an Oder und Neiße. Im Bereich der deutsch-polnischen Kulturvermittlung betätigt er sich als Ausstellungskurator (u.a. für das Museum Europäischer Kulturen), Exkursionsleiter sowie als Vortragender, Veranstaltungsmoderator und -organisator, Dolmetscher und Übersetzer bei entsprechenden Projekten (u.a. in Zusammenarbeit mit seinem polnischen Freund Zbigniew Czarnuch). Der Berliner Historiker Felix Escher sagte 2009 in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Fontane-Plakette: „Ein Hauptanliegen Gerhard Weiduschats ist es, durch Vermitteln der Kultur und durch Kennenlernen der Menschen das Verständnis für unsere Nachbarn im Osten zu wecken und zu entwickeln.“
Gerhard Weiduschat hat immer wieder entsprechende ehrenamtliche Funktionen übernommen, in denen er für die deutsch-polnische Begegnung von Berlin und Brandenburg aus wirken konnte. So war er bis 2026 viele Jahre Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin (Beisitzer und ab 2012 mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender). Im Vorstand der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg, der er seit 1992 angehört und in der er auch als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit wirkt, war er 1998–2006 Beisitzer, 2006–2014 Mitglied des Exkursionsausschusses und 2014–2024 stellvertretender Vorsitzender; seit 2024 ist er erneut Beisitzer. 2002–2006 war er zugleich Schriftleiter des Mitteilungsblattes dieser Vereinigung. Mehrere Jahre organisierte er auch für den Freundeskreis des Hauses Brandenburg in Fürstenwalde die Veranstaltungen.
Seine jüngeren Brüder sind der als Assistant editor an mehreren Filmproduktionen der Jahre 1984–1992 beteiligte Andreas Weiduschat (geb. 1958) und der als Fachbuchhändler für Theater und Film in der Berliner Buchhandlung Bücherbogen am Savignyplatz tätige Joachim Weiduschat (geb. 1964).
Ehrungen
2009 verlieh ihm die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg „in dankbarer Würdigung seiner langjährigen aktiven Mitgliedschaft, seiner Verdienste um die Erkundung der Neumark sowie überhaupt Polens und besonders um die brandenburgisch-polnische Begegnung die Fontane-Plakette“.
2015 wurde ihm in Witnica (Vietz) in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in der „Euroregion Pro Europa Viadrina“ die Medaille „Persona der Euroregion Pro Europa Viadrina“ verliehen.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Wolfgang H. Fritze, Wolfram Manthey, Gerhard Weiduschat (Bearb.): Vorkoloniale und hochmittelalterliche Besiedlung der Ostprignitz. Kartenbeilage zu: Wolfgang H. Fritze (Hrsg.): Germania Slavica 2. Berlin 1981 (Berliner Historische Studien, Bd. 4).
Die Kolonisierung der östlichen Mark Brandenburg unter Friedrich dem Großen. Magisterarbeit FU Berlin. Berlin 1985.
[Mitarbeit an:] Solidarność 1830. Niemcy i Polacy po Powstaniu Listopadowym. Zamek Królewski w Warszawie, 29.XI.2005 – 31.I.2006, Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin, 2.III. – 30.IV.2006 = Polenbegeisterung. Deutsche und Polen nach dem Novemberaufstand 1830. [Ausstellungskatalog in polnischer und deutscher Sprache]. Berlin/Warszawa 2005. ISBN 83-7022-153-X.
Wolfgang Michalka, Erardo C. Rautenberg und Konrad Vanja unter Mitarbeit von Gerhard Weiduschat (Hrsg.): Polenbegeisterung. Ein Beitrag im "Deutsch-Polnischen Jahr 2005/2006" zur Wanderausstellung "Frühling im Herbst. Vom polnischen November zum Deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830–1832". Berlin/Warszawa 2005, ISBN 978-3-89181-075-0.
Ein europäischer Freiheitskämpfer. Ludwik Mierosłwaski 1814–1878. [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Alten Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, 16. März 2006 – 7. Mai 2006]. Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin. Hrsg. von Julia Franke. Mit einem Vorw. von Erardo C. Rautenberg und Mieczysław Tabor und Beiträgen von Daniela Fuchs und Gerhard Weiduschat. Berlin 2006, ISBN 978-3-88609-525-4.
Ein Staatsstreich? Die Reichsexekution gegen Preußen. Darstellungen und Dokumente. ["Preußenschlag" vom 20. Juli 1932 und die Folgen. Ausstellung des Bundesrates. Ausstellungskatalog]. Red.: Gerhard Weiduschat. Berlin 2007, ISBN 978-3-923706-29-7.
Vor einem halben Jahrhundert. Das Land Lebus im Objektiv, in: Wolfgang Michalka und Reinhard Schmook (Hrsg.): Schwierige Nachbarn? 300 Jahre deutsch-polnische Nachbarschaft. Berlin 2007, S. 74–79.
Franz Balthasar Schönberg von Brenckenhoff. Szkic biograficzny. Franz Balthasar Schönberg von Brenckenhoff. Eine biographische Skizze, in: Edward Jaworski, Grażyna Kostkiewicz-Górska, Błażej Skaziński (Hrsg.): Franz Balthasar Schönberg von Brenckenhoff i jego dokonania w odbudowie Nowej Marchii po wojnie siedmioletniej i w zagospodarowaniu doliny Warty i Noteci. Rola Drezdenka w stosunkach polsko-brandenburskich w 2 połowie XVIII wieku. Franz Balthasar Schönberg von Brenckenhoff und seine Errungenschaften beim Wiederaufbau der Neumark nach dem Siebenjährigen Krieg und bei der Bewirtschaftung des Warthe- und Netzetals. Beiträge zur Tagung am 18. November 2006 in der Prof. J. Tischner-Bibliothek in Drezdenko. Drezdenko 2010, S. 9–16.
Konrad Vanja/Gerhard Weiduschat: Vom Sieg der guten Sache. Über die deutsche Polenbegeisterung, in: Małgorzata Omilanowska (Hrsg.): Tür an Tür. Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte. Köln 2011, ISBN 978-3-8321-9399-7, S. 444–449.
Klaus Zernack zum Gedenken, in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 119 (2018), S. 53–54.
Traueransprache für Zbigniew Czarnuch, in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 125 (2024), S. 118–119.
Zbigniew Czarnuch (1930–2024), in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 75 (2024), S. 279–280.
Literatur
Peter Bahl: Weiduschat aus Szeskehmen im Kreis Stallupönen in Ostpreußen. Berliner Zweig, in: Archiv ostdeutscher Familienforscher, S. 91–116.
Ehrung für Gerhard Weiduschat, in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 110 (2009), S. 152–156.
Einzelnachweise
↑Peter Bahl: Weiduschat aus Szeskehmen im Kreis Stallupönen in Ostpreußen. Berliner Zweig, in: Archiv ostdeutscher Familienforscher, S. 91–116 hier, S. 116.
↑Angaben zum Lebensweg überwiegend nach: Ehrung für Gerhard Weiduschat; in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 110 (2009), S. 152–156.
↑Ehrung für Gerhard Weiduschat; in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 110 (2009), S. 152–156, hier S. 153.
↑Ehrung für Gerhard Weiduschat; in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 110 (2009), S. 152–156, hier S. 154.
↑Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 114 (2013), S. 53.
↑Peter Bahl (Hrsg.): Die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg in Vergangenheit und Gegenwart; Berlin 2009, S. 380.
↑Peter Bahl (Hrsg.): Die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg in Vergangenheit und Gegenwart; Berlin 2009, S. 339.
↑Peter Bahl (Hrsg.): Die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg in Vergangenheit und Gegenwart; Berlin 2009, S. 339.
↑Peter Bahl: Weiduschat aus Szeskehmen im Kreis Stallupönen in Ostpreußen. Berliner Zweig; in: Archiv ostdeutscher Familienforscher, S. 91–116 hier, S. 116. – Peter Delin: Bibliotheken für Alle! (aufgerufen am 17. Juli 2026).
↑Peter Bahl: Weiduschat aus Szeskehmen im Kreis Stallupönen in Ostpreußen. Berliner Zweig; in: Archiv ostdeutscher Familienforscher, S. 91–116 hier, S. 116. – IMDb (aufgerufen am 17. Juli 2026). – Shot in Berlin (aufgerufen am 17. Juli 2026).
↑Ehrung für Gerhard Weiduschat; in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 110 (2009), S. 152–156, hier S. 152.
↑Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg. Mitteilungsblatt 116 (2015), S. 126.