Gerhard „Gerd“ Zahner (* 1957 in Singen) ist ein deutscherRechtsanwalt, Autor und Theaterkritiker. Seine für den Friedrich-Glauser-Preis nominierte NovelleGoster wurde vom Hessischen Rundfunk unter demselben Titel verfilmt und 2018 für den 54.Grimme-Preis nominiert. Er ist Mitglied im PEN Zentrum Deutschland und Gründungsmitglied des Vereins Gesellschaft für Denk- und Theaterkultur e.V., dessen gemeinnütziger Zweck die Förderung von Kunst und Kultur ist, der insbesondere durch die Durchführung von Theaterprojekten und sonstigen Literaturprojekten in Deutschland verwirklicht wird.
Leben
Gerhard Zahner wuchs in der Harsenstraße der „Arbeiterstadt“ Singen auf und machte dort Abitur. Sein Vater war Angestellter, seine Mutter blieb Zuhause und kümmert sich um die Kinder. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau absolvierte er sein Referendariat in Berlin. Er ist seit 1989 als Anwalt, insbesondere als Strafverteidiger und im Familienrecht tätig. Er ist verheiratet und lebt in Singen.
Odysseus unterm Tisch. Ein Goster Krimi. Transit Buchverlag GmbH, Berlin 2022, ISBN 978-3-88747-396-9.
Buchbeitrag
Nix geht in die Stadt. In: Paragrafen Pantomimen Partisanen. Festschrift für Christoph Nix. Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-6158-6.
Theater
‘‘Ich bin James Joyce, mein Name ist George…‘‘ wurde 2007 im Rahmen der Baden-Württembergische Theatertage im Konstanzer Stadttheater aufgeführt.
Orte: Gütterli ist ein Stück über die Qualen der Zwangsarbeiter in der NS-Zeit beruhend auf einer Vorlage des Buches Schatten am Hohentwiel von Wilhelm J. Waibel, Singen 2008
Flüsterstadt verhalf der Stadt Radolfzell sich neu zu erinnern und wurde im April 2010 uraufgeführt.
Garni ist eine wahre Geschichte über den Exorzismus an der Grenze zum 21. Jahrhundert, die 2011 in Singen aufgeführt wurde.
Boger – am 24., ist eine Szenische Lesung über Wilhelm Boger. Die Uraufführung fand am 24. Dezember 2011 in der St.-Michaels-Kapelle auf dem Alten Friedhof in Singen statt.
Abgefahren. Romer. erinnert an die Geschichte von Kapitän Romer, der als erster Mensch mit einem Faltboot den Atlantiküberquerte. Die Uraufführung fand 2016 in der Zimmerbühne in Konstanz statt. Trailer
Duft der Steine ist eine Geschichte über Alice Fleischl, deren Familie Verleger von Fontane war. Die Uraufführung war 2017 in Radolfzell unter Regie von Waltraut Rasch zu sehen.
‘‘John forget me‘‘ wurde 2017 in verschiedenen Gaststätten in Singen, Rottweil und Radolfzell gespielt. Das Stück erzählt mit musikalischer Untermalung die tragische Geschichte des Sängers John Fogerty. Regie führte Susanne Breyer.
Mosers Schweigen – Uraufführung im stratozero Theater die Färbe in Singen 2023, Theaterstück gemeinsam mit Dr. Johannes Stürner, gespielt von Ralf Beckord, Elmar Kühling und Fionn Stacey unter der Regie von Klaus Hemmerle. Das Stück erzählt die fesselnde Geschichte, die sich im 18. Jahrhundert auf dem Hohentwiel abspielt. Herzog Carl Eugen von Württemberg hat einen missliebigen Dissidenten namens Johann Jakob Moser ohne Gerichtsverfahren in der militärisch bedeutungslos gewordenen Festung gefangen genommen. Moser verbringt Jahre in Schweigehaft, und das Stück erkundet die Geheimnisse, die hinter seinem Schweigen stecken. Weitere Aufführungen fanden im Juni 2024 im Forum Theater Stuttgart im Rahmen des Festivals „mittendrin 2024 – Baden-Württemberger Theater zu Gast“ sowie am 24. Juli 2024 auf der Festung Hohentwiel, dem historischen Originalschauplatz statt.
Firnis – Uraufführung 2023 im Rationaltheater in München. Das Theaterstück gemeinsam mit Tim Dziarnowski geschrieben, ist benannt nach dem dickflüssigen Schutzaufstrich, der ein Gemälde vor seinem Verfall schützt. Gespielt von Lena Halve, Alexander Felder und Adrian Moszkowicz unter der Regie von Jurij Diez. Das Stück behandelt Themen wie Unsterblichkeit, Tod, Schönheit und das Leben. Es stellt die Frage, ob künstliche Intelligenz ein unendliches Leben ermöglichen könnte und was mit uns passiert, wenn wir über den Tod hinaus anwesend sind. Es hinterfragt, ob wir das überhaupt aushalten könnten und ob wir für unsere Sterblichkeit kämpfen sollten.
Sigmaringen Triptychon – ein Stück über die Vichy-Zeit in Sigmaringen, das Zahner zusammen mit Dr. Johannes Stürner verfasst hat. Es behandelt in drei Teilen (daher „Triptychon“) die historischen Ereignisse vom September 1944, als das Vichy-Regime unter Marschall Pétain im Schloss Sigmaringen einmarschierte. Damit thematisiert dieses Werk ein bisher kaum aufgearbeitetes Kapitel der Stadtgeschichte Sigmaringens. Die ausverkaufte Uraufführung fand am 8. September 2024 auf ausdrücklichen Wunsch von Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern in der Portugiesischen Galerie des Schlosses Sigmaringen unter der Regie von Christoph Diem statt. Weitere Aufführungen folgten im September 2024 in der Kaserne Sigmaringen jeweils mit den Darstellern Urs F. Winiger und Viola Neumann. Das Projekt wurde von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert und von der Gesellschaft für Denk und Theaterkultur e.V. getragen.
Bücher (Auswahl)
Schuld ist etwas für Anfänger: Goster 2.
‘‘Schuld ist etwas für Anfänger‘‘ ist die Fortsetzung von Zahners über den melancholischen Kommissar Goster. Dank seiner Sensibilität erkennt er die Zufälle des Lebens und löst auf diese Weise seine Fälle. In seinem zweiten Fall wird Goster mit dem Phänomen konfrontiert, dass Ereignisse mit ihrem Geschehen über die sozialen Medien sofort viral werden. Der Roman thematisiert nicht nur die Ermittlungsarbeit des Protagonisten und die Spannung eines Kriminalfalls, sondern auch die psychologischen Abgründe der Charaktere sowie gesellschaftliche und moralische Fragen.
Goster: Roman.
Die Novelle ‘‘Goster‘‘ diente ursprünglich nur als Vorlage für das Drehbuchs des gleichnamigen Films des Hessischen Rundfunks. Aufgrund der überwältigenden Resonanz und Nachfrage wurde die Geschichte als Roman veröffentlicht. Zahner stellt in seinem Werk eindrucksvolle Charaktere dar, deren Intensität die der filmische Darstellung noch übertreffen. Der Roman beleuchtet die Automatisierung von Waffen und die Praxis des Break-in-Sex, wobei Zahner diese Themen mit Tiefe und Komplexität behandelt.
Keiner verliert allein. Ein GOSTER Krimi
Der dritte Band der packenden Krimireihe um den Ermittler GOSTER, der im August 2019 veröffentlicht wurde. Der Roman wirft ein grelles Licht auf die dunklen Seiten unserer Gesellschaft. Er beleuchtet die Rückkehr der gefährlichen DrogePervitin und ihre alarmierende Verbreitung in alle sozialen Schichten. Darüber hinaus nimmt der Krimi die drängende Wohnungsnot ins Visier und kritisiert die wachsende Profitgier der Immobilienbranche.
Die Maske des Netzes. Ein GOSTER Krimi
Der vierte Goster Krimi der Goster-Reihe wurde am 22. Februar 2021 veröffentlicht. Der Roman wirft einen kritischen Blick auf die zunehmende Macht sogenannter Sozialer Netzwerke im Internet. Im Zentrum der Handlung steht eine neue Plattform im Netz, auf der Morde bewertet und entsprechend ihrem Ranking mit Tausenden von Posts und Likes belohnt werden. Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden eines Politikers aus Neukölln, der auch ein kleiner Medienstar ist. Ein Kriminalkommissar wird im Supermarkt beim Einkauf einer Cola erschossen; der Mörder trägt eine Eselsmaske, bleibt aber für die Überwachungskameras unsichtbar. Ein ehemaliger Bundesrichter, Meister der Revisionskunst, ist plötzlich um 40.000 € reicher. Der philosophische Ermittler Goster ist besonders beunruhigt durch die neue Plattform im Netz. Sie bietet ihrer schnell wachsenden Zahl von anonymen Nutzern Platz für Gewaltphantasien, Mordaufrufe, Steckbriefe mit Bitcoins als Kopfgeld für potenzielle Vollstrecker. Die Suche nach den Verantwortlichen führt in eine dubiose, verlotterte Spielhölle und eine digitale Parallelwelt, in der alle bisherigen Regeln außer Kraft gesetzt sind.
Du Port Bou 2
Ebenfalls im Jahr 2021 veröffentlichte Zahner seinen Roman ‘‘Du Port Bou 2‘‘. Darin geht es um die letzten Tage des Philosophen Walter Benjamin in dem spanischen Grenzort Port Bou. Der Autor verwebt historische Fakten mit fiktiven Elementen und erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Benjamins Begleitern, die ihn auf seiner Flucht vor den Nazis begleiteten. Das Buch ist eine Hommage an den Denker, der sich am 26. September 1940 das Leben nahm, als er befürchtete, an die Gestapo ausgeliefert zu werden.
Odysseus unterm Tisch. Ein GOSTER Krimi
Der neuste ‘‘Goster‘‘ Krimi der Goster-Reihe wurde am 29. August 2022 veröffentlicht. Dieser packende Roman taucht tief in das Trauma des melancholischen Hauptcharakters ein, der mit dem tödlichen Verlust eines Kollegen und dem Verschwinden wichtiger Beweisstücke konfrontiert wird. Während Goster mit seinem persönlichen Schicksal ringt, ist er gleichzeitig in die Aufklärung zweier mysteriöser Morde verwickelt.
Im Oktober 2019 stiftete Zahner die Premiere seines Stückes Der Wahrsager und der Unwahrsager für die Benefizaufführung in der Remise der Hohentwiel-Domäne, um Gelder für die Folgen eines Brandschadens zu sammeln. Er wollte mit seiner Kultur des Theaters das Kulturgut der Schäferei unterstützen.
Im Radioday am 29. Mai 2023 von Radioeins des rbb appelliert Zahner in einem Beitrag über Nachbarschaftsstreitigkeiten an die Fähigkeit der Menschen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, bevor sie sich vor Gericht zerren.
Für den Südkurier schreibt er regelmäßig im True-Crime-Format „Der wahre Fall“, einer regelmäßig erscheinenden Reihe, in der Zahner neben anderen Praktikern über interessante und oft kuriose Fälle aus seinem Rechtsalltag schreibt.
In einem Fragebogen des Südkurier vom März 2024, basierend auf den bekannten Fragen von Max Frisch, äußerte sich Zahner zu verschiedenen persönlichen Themen. Dabei zeigte sich sein charakteristischer Humor, etwa in der Aussage „Ich würde die Mehrheit abschaffen, es gäbe nur Minderheiten. So mache ich es allen recht.“
Der frühere Konstanzer Theaterintendant und ehemalige Kollege Christoph Nix schreibt über die schriftstellerische Arbeitsweise von Gerhard Zahner:
„Er sucht nach Geschichten in den Dörfern, über gescheiterte Fussballspieler und lebende Despoten, Sägewerkbesitzer, betrunkene Bürgermeister oder andere Herren der Macht.“
2008 Kulturförderpreis des Singener City-Rings für Orte-Gütterli
2014 Kulturförderpreis des Singener City-Rings für In den Wiesen der Aach
2019 Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis 2019 in der Kategorie bestes Krimidebüt des Jahres
2019 Verdienstorden des Jenischen Volkes als Dank und Anerkennung für die Verdienste um das Jenische Volk der Zahner im Rahmen der Gründung des Zentralsrates überreicht wurde
2022 Erster Preis des Autorenwettbewerbes der Tiroler Volksschauspiele und der Marktgemeinde Telfs für sein Stück Das Fräulein Marzipan
↑Lebenslänglich an Weihnachten.In:Singener Wochenblatt.28.Dezember 2011,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am25.Oktober 2018;abgerufen am 24.Oktober 2018.
↑Jenische Archäologie.In:Theater heute.Dezember 2018,abgerufen am 3.Dezember 2018.Rezension der Uraufführung unter dem Titel ‘Jenische Archäologie‘ von Michael Laages. In Theater heute, Dezember 2018.