Gerhart Hass

Gerhart Hass (* 29. März 1931 in Berlin; † 3. Mai 2008) war ein deutscher Historiker. Er war in der DDR am Institut für Geschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR tätig und arbeitete vor allem zu Faschismus und Zweitem Weltkrieg in Europa.

Leben und Wirken

Nach dem 1949 abgelegten Abitur war Hass zunächst als FDJ-Kreissekretär hauptamtlich tätig. Er begann 1950 ein Studium der Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin und wurde 1951 zum Auslandsstudium delegiert, das er bis 1956 an der Shdanov-Universität in Leningrad absolvierte. 1956 schloss er sein Studium als Diplom-Historiker ab.

Von 1956 bis 1957 war Hass als Referent im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR tätig. Ab 1957 arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später als wissenschaftlicher Arbeitsleiter in der Abteilung „1917–1945“ am Institut für Geschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Bis 1962 hatte er zugleich eine außerplanmäßige wissenschaftliche Aspirantur inne und promovierte im April 1962 bei Leo Stern und Werner Basler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über „Die Entwicklung der Gegensätze zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Imperialismus am Vorabend des zweiten Weltkrieges (1938–1939)“.

Ab 1965 leitete Hass die Forschungsgruppe „Faschismus und Zweiter Weltkrieg“. 1970 erfolgte seine Promotion B über „Der zweite Weltkrieg in der Auseinandersetzung zwischen beiden gesellschaftlichen Systemen“. Von September 1974 bis 1991 hatte Hass eine Professur an der Akademie der Wissenschaften der DDR inne. Er wirkte an dem Großprojekt „Deutschland im zweiten Weltkrieg“ mit, das über die militärischen Handlungen hinaus auch deutsche Innenpolitik, Kriegswirtschaft, Widerstand, Außenpolitik und Okkupationspolitik behandelte und die deutsche Politik orientiert an der Leninschen Imperialismustheorie und der Dimitroff-These interpretierte. Begleitend wurden Dokumentenbände ediert.

Hass war Sekretär der Deutschen Sektion der Kommission der Historiker der DDR und der UdSSR. Von 1991 bis Mai 1995 wurde er im Rahmen des Wissenschaftlerintegrations-Programms der Koordinierungs- und Aufbauinitiative in Berlin beschäftigt.

1965 verpflichtete sich Hass dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR als Inoffizieller Mitarbeiter. Nach seiner Verpflichtung unterzeichnete er mit dem Decknamen „Rolf“. Laut Martin Sabrow verkörperte Hass „den Typus eines Fachwissenschaftlers, der an der administrativen Führung des Instituts nur peripher teilhatte und sich nach dem Scheitern mehrerer Aufstiegsversuche […] vorwiegend der Forschung widmete. […] Ausschlaggebend für den raschen Erfolg des MfS war hier offenbar, daß der im Akademie-Institut mit dem Ruf eines intriganten Karrieristen behaftete und von vielen gemiedene Kandidat über die Zusammenarbeit mit dem MfS einen persönlichen Einflußzuwachs erreichen und seine Reisemöglichkeiten in die Bundesrepublik ausbauen wollte.“

1985 wurde Hass wegen hinterzogener Parteibeiträge aus der SED ausgeschlossen. Das MfS kappte die Verbindung im August 1985. Hass lebte zuletzt in Rangsdorf.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Martin Sabrow: Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56559-1, S. 172.
  2. ↑ Martin Sabrow: Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56559-1, S. 173.
Personendaten
NAME Hass, Gerhart
KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker
GEBURTSDATUM 29. März 1931
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 3. Mai 2008