Germania III

Germania III p1
Schiffsdaten
Flagge Deutschland Deutschland
andere Schiffsnamen * Jamo
Schiffstyp Yacht
Klasse 8mR
Eigner Alfried Krupp von Bohlen und Halbach
Bauwerft Abeking & Rasmussen, Lemwerder
Baunummer 2974
Baukosten 29.000 Mark
Stapellauf 1935
Verbleib in Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 14,98 m (Lüa)
9,34 m (KWL)
Breite 2,53 m
Tiefgang (max.) 1,99 m
Verdrängung 8,56
 
Besatzung 6 Mann
Takelung und Rigg
Takelung Slup
Anzahl Masten 1
Anzahl Segel 3
Segelfläche 76,66 m²

Die Germania III ist die dritte von sechs Segelyachten, die für die Familie Krupp gebaut wurden.

Geschichte der Germania III

Die Yacht wurde 1935 nach einer Konstruktion von Henry Rasmussen auf der Bootswerft Abeking & Rasmussen in Lemwerder an der Weser bei Bremen als 8mR-Rennyacht erbaut (Baunummer 2974). Die Bezeichnung „8mR“ bedeutet 8 Meter und sagt nichts über die Länge des Bootes aus, sondern bezeichnet die 8-Meter-Klasse (auch als Klassenzeichen im Großsegel). 8-Meter-Klasse-Yachten sind eine Konstruktionsklasse. Um vergleichbar zu bleiben, werden die Boote in eine bestimmte, einzuhaltende Meter-Klasse gebaut, innerhalb derer – anders als bei den Einheitsklassen – die unterschiedlichsten Konstruktionen möglich sind.

Olympische Spiele 1936

Informationstafel mit den Ergebnissen der olympischen Segelwettbewerbe 1936 am Sportboothafen Düsternbrook in Kiel, dem damaligen „Olympiahafen“
Segelriss 8mR-Yacht 1936

Die Qualifikationswettkämpfe der deutsche Segler für die Olympischen Sommerspiele 1936 in Kiel fanden im Mai des Jahres 1936 vor Kiel statt. Als Ergebnis wurde die Germania III nominiert und ersegelte mit ihrer Mannschaft, bestehend aus Hans Howaldt (Steuermann), Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Felix Scheder-Bieschin, Eduard Mohr, Otto Wachs und Fritz Bischoff die Bronzemedaille.

Die Yacht wurde 1935 in nur zwei Monaten gebaut und kostete 29.000 Reichsmark, heute etwa 140.000 Euro. Mitte September 1935 zeigte sie erstmals ihr Potenzial, als sie in ihren ersten beiden Regatten die glücklose Vorgängerin Germania II und eine weitere 8mR-Yacht besiegte. Im Frühjahr 1936 gewann sie dann im Rahmen der ersten Saisonregatten der Klasse an der Riviera in der Nähe von Genua den prestigeträchtigen Preis des Herzogs von Aosta.

Die Konkurrenz während der Olympischen Segelwettbewerbe in der 8mR-Klasse war hart und steigerte sich bis zur Erbitterung. Die Wettfahrten waren gekennzeichnet von vielen Protesten der Mannschaften gegeneinander und von Schiedsrichtern, die mehr auf Formalien bei der Einreichung von Protesten achteten als auf Gerechtigkeit im Sachverhalt zu bestehen. Das Vertrauen der Segler in die Unparteilichkeit der Schiedsrichter wurde schwer erschüttert.

Punkte in den olympischen Wettfahrten 1936 der 8mR-Klasse
Nation Yachtname Baujahr 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Gesamt
 Königreich ItalienItalia19359651088855
 NorwegenSilja19318109567853
 Deutsches ReichGermania III193559771010553
 SchwedenIlderim1936108108501051
 FinnlandCheerio1929658470737
 Vereinigtes KönigreichSaskia1931776626236
 ArgentinienMatrero II1935344235425
 DänemarkAnitra1930211990022
 FrankreichEa II1936122049321
 Vereinigte StaatenAngelita1930433310620

Germania III und die norwegische Silja, konstruiert von Johan Anker, lagen nach sieben Wettfahrten punktgleich an zweiter Stelle und mussten zum Stechen antreten. Silja gewann das Stechen und die Silbermedaille.

Verbleib nach 1936

Der Stahl-Industrielle Gustav Krupp von Bohlen und Halbach bestellte 1939 nach den Olympischen Spielen 1936 eine neue Germania IV als 8mR-Yacht bei Abeking & Rasmussen. Er wollte mit ihr bei den Olympischen Spielen 1940 in Helsinki die Goldmedaille gewinnen. Beide Yachten nahmen an der Kieler Woche 1939 teil. Danach wurden sie nach Berlin transportiert und an einen Segelclub am Wannsee ausgeliehen. Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und in der Folge wurden die Olympischen Spiele 1940 abgesagt. Die Klasse der 8mR-Yachten wurde aus Kostengründen nach dem Krieg nie wieder olympisch.

Die Germania III wurde 1940 für 15.000 Mark von Krupp an den Berliner Segler Miethe verkauft, der die Yacht nach einem Jahr nach Hamburg verkaufte. Hier segelte sie unter dem Namen Jamo im Besitz der Segelmacher Janssen und Mordhorst und überstand die Bombenangriffe auf Hamburg während des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg erwarb Jonny Wegener, Seniorchef der Wegener-Werft in Altenwerder die Yacht im Jahr 1948 und gab ihr wieder den alten Namen Germania III. Er hatte die Yacht zufällig entdeckt und tauschte sie trotz des schlechten Zustands gegen sein eigenes, zum Segelschiff umgebautes Rettungsboot ein.

Diese Namensgebung war Krupp nicht recht, konnte von ihm aber auch nicht verhindert werden. In den Jahren 1949 und 1951 gewann Jonny Wegener mit der Yacht das „Blaue Band der Niederelbe“. Wenn Wegener nicht an Regatten teilnahm, segelte er die 15 Meter lange, motorlose Germania III in der Regel allein.

Nächster Eigner wurde der Hamburger Segler Kurt Wagner, der den Namenskult mit dem Schiff so weit trieb, dass man an Bord nur Bier der Marke Germania trank. Den ersten Motor erhielt sie 1952. Danach kam sie in die Hände des Frankfurter Rechtsanwalts Heinz Wagener. Nach seinem Tode 1965 lag sie auf dem Bodensee. Im Jahr 1973 wurde sie von Prosper du Bois-Reymond gekauft, der sie 1976 komplett überholte und viele Jahre lang als Cruiser-Racer auf dem Bodensee nutzte.

Auf dem Bodensee entdeckte sie im Jahr 1989 der Duisburger Unternehmer und passionierte Oldtimer-Segler und heutige Eigner Bernhard Kolbe. Er kaufte die Germania III, sie war zu einem Fahrtenyacht umgebaut befand sich damals in einem bemitleidenswerten Zustand. Er brachte die Yacht zunächst in seine Heimatstadt und kontaktierte Gerd Wegener, Chef der Wegener-Werft in Wedel, einem Enkel von Jonny Wegener, der sie ab 1948 als Eigner gesegelt hatte. Wegeners Diagnose war, dass sie mit ihrem alten Motor, ihren schweren Tanks im Heck und ihrem Innenausbau zu schwer geworden war, untauglich als wettbewerbsfähige Regattayacht. Im Jahr 1990 übernahm Gerd Wegener das Restaurierungsprojekt und Germania III wurde dann auf der Wegener-Werft wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Kolbe und Wegener wurden Freunde und Regattapartner, mit Gerd Wegener als Skipper.

Rückkehr auf die Regattabahn

Bei dem Refit durch die Wegener-Werft wurden der Achtersteven, das Ruder und sämtliche Mahagoniplanken unterhalb der Wasserlinie ersetzt. Man ersetzte den alten Motor durch einen 30 PS starker Nanni-Viertakt-Dieselmotor, der 100 Kilogramm leichter als sein Vorgänger war. Da die Germania III für ihre Zeit sehr leicht gebaut war, ersetzte man die Bodenwrangen und die baute zusätzlichen Stahlblech-Bodenwrangen ein, um die Steifigkeit des Rumpfes zu erhöhen. Im Rahmen des Refits mit dem Ziel der Gewichtsoptimierung wurde der gesamten Innenausbau entfernt und danach lediglich den Salon wieder aufgebaut. In einem zweiten Schritt wurde dann ein neuer, 19,3 Meter hoher Holzmast installiert, um das 3/4-Fraktional-Rigg wieder herzustellen.

Bernhard Kolbe wollte ursprünglich die Germania III für Segeltörns mit Freunden und Familie nutzen. Jedoch begann er mit Gerd Wegeners Unterstützung mit dem Regattasegeln. Die Yacht konnte erneut Trophäen bei der Elbe-Regatta, dem „Blauen Band der Niederelbe“ gewinnen. Kolbe feilte an weiteren Optimierungen und ließ 1996 ein neues Teakdeck verlegen, baute die große Fahrtenyachtkajüte um und installierte eine Plicht mit Sitzen.

Gegen Ende der 1990er-Jahre wurden die 8mR-Yachten für Regatta-Segler immer interessanter. Die Internationale Weltmeisterschaft im Jahr 1998 in Genf war das größte Treffen dieser Bootsklasse seit den Olympischen Spielen 1936. Man veranstaltete sechs Wettfahrten und lobte vier Pokale aus. Germania III trat in der Vintage-Klasse an, gewann den Weltmeisterschaftspokal Cartier Cup, der durch den französischen Schauspieler Alain Delon überreicht wurde.

Nach mehreren internationalen Meisterschaften und einem größer gewordenen Teilnehmerkreis mit dadurch erhöhtem Konkurrenzdruck merkten Kolbe und Wegener schnell, dass ein erneuter Refit notwendig wurde zum konkurrenzfähig zu bleiben. Germania III wurde zu einer reinen Rennyacht umgebaut. Der Salon und die Reling wurden 2011 entfernt. Im Jahr 2018 suchte Kolbe die Unterstützung des Yachtdesigners Martin Menzner, der als Konstrukteur und Inhaber von Berckemeyer Yacht Design Erfahrungen mit Yachten der Meter-Klasse, wie der modernen 8mR-Yacht Spazzo und der klassischen 6mR-Yacht Mellum gesammelt hatte.

Optimierung der Bootsgeschwindigkeit

Die Germania III startete mit neuer Crew ohne Trainingsvorbereitung zur Weltmeisterschaft 2018 auf dem Bodensee. Sie erreichte überraschend den 3. Platz in der Neptun-Klasse für im Originalzustand restaurierte Boote, die vor 1960 konstruiert wurden. Die Differenz zur siegreichen Caron II war offensichtlich, denn Germania III verlor bei jeder Wende gut 150 Meter. Die Gründe lagen in der zu kleinen Genua und das zu hohe Bootsgewicht durch den eingebauten Motor und der gesamten Decksausrüstung. Die Lösung fand Menzner in dem J-Maß des Bootes, dem Abstand vom Vorstag zum Schiffsmast, der deutlich kleiner als bei den Yachten der Konkurrenten war. Zur Optimierung entschied man, den Schiffsmast nach achtern und das Vorstag weiter nach vorne zu versetzen, um mit einer größeren Genua die Geschwindigkeit am Wind (beim Kreuzen) zu verbessern und gleichzeitig auch einen größeren Spinnaker fahren zu können.

In den folgenden vier Jahren wurden Optimierungen der Germania III innerhalb der Limitationen der Faktoren der 8mR-Formel vorgenommen, hier die Länge der Wasserlinie, die Segelfläche und der Freibord. Menzner konzentrierte die Veränderungen auf den Freibord. Um das Bootsgewicht zu reduzieren, wurden der Bootsmotor mit Kraftstofftank, Rohren, Schläuche und Propellerwelle entfernt. Die vordere Kajüte wurde komplett ausgeräumt und nur eine Rohrkoje belassen. Durch diese Maßnahmen konnte die Yacht höher aufschwimmen. Das führte zu einer kürzeren Wasserlinienlänge und einem höheren Freibord. Man versetzte wie geplant den Schiffsmast 340 Millimeter nach achtern und das Vorstag 300 Millimeter nach vorne. Dadurch erhöhte sich das J-Maß von 3,86 Meter auf 4,50 Meter und gestattete so eine deutlich größere Genua. Durch die nun kürzere Wasserlinie konnte auch das E-Maß des Riggs, also die Länge des Großsegels am Baum, von 7,20 Meter auf 7,08 Meter verkürzt werden. Die Fläche des Vorsegeldreiecks wuchs von 20,9 m² auf 24,3 m², während das Großsegeldreieck nur um einen Quadratmeter auf 56 m² schrumpfte. Diese Modifikationen waren gemäß der 8mR-Formel regelkonform. Die vergrößerte Gesamtsegelfläche wurde ausgeglichen durch eine kürzere Wasserlinie und den erhöhten Freibord. Parallel nahm man auf dem Deck mehrere Verbesserungen zur Handhabung der Yacht vor. Die Backstagen verlagerte man nach vorne und platzierte die Spinnakerschotblöcke neu. Auch das Cockpit wurde von Jan Brügge von der Bootsbau Werft Königstein an der Schlei umgebaut. Man orientierte sich an den ursprünglichen Plänen, änderte aber die wannenförmige Konstruktion durch den Einbau eines flachen Bodens. Der Effekt war eine einfachere Entwässerung der Plicht und neuer Platz für Schotentaschen unter den Seitendecks. Da Jan Brügge den Boden mit Teakholz auf einem Kern aus Paulowniaholz furnierte, konnte 80 kg Gewicht gespart werden.

Ergebnisse der Optimierungen

Nach Abschuss der Optimierungen startet Bernhard Kolbe und Martin Menzner mit ihrer Crew bei der 8mR-Weltmeisterschaft 2022 in Genf und gewannen die Vorläufe der Neptun-Klasse und belegten insgesamt den dritten Platz. Man war sehr zufrieden mit den Leichtwindeigenschaften, es musste nur leicht der Trimm angepasst werden durch etwas Ballast im Bug. Germania III startete bei der 8mR-Weltmeisterschaften im August 2025 in Finnland und belegte in der Neptune Trophy den zweiten Platz und im International 8mR-World Cup den siebten Platz von 21 gestarteten Yachten.

Heute segelt die Germania III weiterhin auf dem Ostseerevier vor Kiel und liegt im alten Olympiahafen der Segelwettbewerbe von 1936, in dem auch die Germania VI ihren Liegeplatz hat.

Yachten mit dem Namen Germania

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Germania III. Yachtsportmuseum - Register Klassischer Yachten, abgerufen am 11. Juni 2026.
  2. ↑ yacht classic, Heft 1, 2007, S. 78
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Michael Sauter: Germania III, Wie eine Olympia-Yacht von 1936 wieder schnell wurde. Yacht.de, 6. August 2026, abgerufen am 11. August 2026.
  4. ↑ Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania – Die Yachten des Hauses Krupp. S. 188f
  5. ↑ ehemals die deutsche Yacht Vaterland
  6. ↑ Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania – Die Yachten des Hauses Krupp, S. 191
  7. ↑ Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania – Die Yachten des Hauses Krupp, S. 204ff
  8. ↑ Svante Domizlaff, Alexander Rost: Germania – Die Yachten des Hauses Krupp, S. 205
  9. 1 2 Marco Haase: Riggdaten für den Segelmacher: Die wichtigsten Maße im Überblick. Blauwasser.de, 1. Februar 2026, abgerufen am 4. September 2026.
  10. ↑ Was aus den „Germania“-Yachten wurde. In: Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2007