Gerresheimer

Gerresheimer AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A0LD6E6
Gründung 1864
Sitz Düsseldorf, Deutschland
Leitung CEO: vakant
  • Wolf Uwe Lehmann, CFO
  • Achim Schalk, Mitglied des Vorstands
Mitarbeiterzahl 13.600 (11/2025)
Umsatz 2.320,9 Mio. Euro (11/2025)
Branche Verpackungsmittelhersteller
Website www.gerresheimer.com
Stand: 2. Juli 2026

Die Gerresheimer AG (vormals: Gerresheimer Glas AG) mit Sitz in Düsseldorf ist ein börsennotierter deutscher Hersteller von Verpackungen aus Glas, Spezialglas und Kunststoffen für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie.

Geschichte

Die Gerresheimer Glas AG wurde 1864 von Ferdinand Heye, Sohn des Kaufmannes Caspar Hermann Heye (1792–1864), in Gerresheim bei Düsseldorf gegründet. Er führte das Unternehmen in Eigenverantwortung bis 1888. In diesem Jahr erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Der Unternehmensname wurde von „Ferd. Heye, Glas-Fabrik, Gerresheim bei Düsseldorf“ in „Actien Gesellschaft der Gerresheimer Glashütte, vorm. Ferd. Heye, Gerresheim bei Düsseldorf“ umbenannt.

Als Heye 1889 starb, trat sein Sohn Hermann im Alter von 23 Jahren in den Vorstand des Unternehmens ein und übernahm 1891 die Geschäftsführung. 1907 gründete Hermann Heye den Europäischen Verband der Flaschenfabriken GmbH. Er kaufte die Patentrechte an der von Michael Joseph Owens entwickelten ersten Flaschenblasmaschine für Europa auf. Sie kam ab 1908 in der Gerresheimer Glashütte zum Einsatz. Hermann leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod 1941. Von da an übernahm sein Schwiegersohn Niels von Bülow die Geschäftsleitung des Glashüttenwerkes, da er nun das älteste Mitglied des Vorstandes war. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Gerresheimer Glashüttenwerke als kriegswichtig eingestuft. In der Folge mussten insgesamt etwa 2100 Frauen und Männer aus Ost- und Westeuropa Zwangsarbeit in der Produktion verrichten. 1959 übernahm die US-amerikanische Owens-Illinois mit Sitz in Toledo (Ohio) 50,1 % der Aktien und im Jahr 1971 die qualifizierte Mehrheit an der Gerresheimer Glas AG. Ein Jahr später, im Jahre 1972, wurde die Firma umbenannt in „Gerresheimer Glas AG.“ Ein Zweigwerk in Heilbronn, die 1967 von der Salzwerk Heilbronn AG übernommene und 1972 in den Gerresheimer-Konzern integrierte Glashütte Heilbronn, wurde am 24. März 1978 geschlossen.

Ab November 1985 wurde die Gerresheimer Glas AG wieder ein konzernfreies Unternehmen. Neuer Mehrheitseigner wurde die Westdeutsche Landesbank (WestLB), die der Owens-Illinois rund 58 % der Aktien der Gerresheimer Glas AG abkaufte. Ab 1990 erwarb die VIAG eine Mehrheit am Kapital der WestLB. Im April 2000 verkaufte die VIAG im Zuge ihrer Fusion mit VEBA zur Gründung von E.ON ihre Mehrheitsbeteiligung an der Gerresheimer Glas AG an ein von dem Private-Equity-Investor Investcorp geführtes Konsortium. Diese nahm die Gerresheimer Glas 2003 von der Börse und verkaufte ihre Beteiligung Ende 2004 an die US-Investorengruppe Blackstone.

Ab den 1990er Jahren wurde Gerresheimer schrittweise strategisch neu ausgerichtet. Zuvor war Gerresheimer einer der größten europäischen Hersteller von Bier- und Wasserflaschen. Dieser Geschäftsbereich wurde aufgegeben und das Unternehmen fokussierte sich auf Spezialverpackungen für die Pharma-, Healthcare und Kosmetikindustrie.

1999 verkaufte die Gerresheimer Glas AG die Glashütte Gerresheim zusammen mit fünf anderen Produktionsstandorten an das französische Unternehmen BSN glasspack, eine Tochter des französischen Danone-Konzerns. Im Dezember 2004 erwarb Owens-Illinois die BSN glasspack und damit auch die Glashütte Düsseldorf erneut. Im August 2005 schloss das US-Unternehmen Owens-Illinois (O-I) die Gerresheimer Glashütte, die vormals der weltgrößte Flaschenproduzent war, nach 141 Jahren. Im Jahre 2012 erwarb die Patrizia Immobilien das Gelände der ehemaligen Glashütte. Die Stadt Düsseldorf und die Patrizia Immobilien setzen auf Wohnungsbau im Glasmacherviertel Düsseldorf.

Im Februar 2005 wurde die Gerresheimer Glas Aktiengesellschaft formwechselnd in die Gerresheimer Glass GmbH umgewandelt.

Im Juni 2007 erfolgte die (Wieder-)Einführung an die Börse unter dem gekürzten Namen „Gerresheimer AG“. Seit Dezember 2008 war das Unternehmen im MDAX vertreten. Sitz des Unternehmens ist unverändert Düsseldorf.

2007 erwarb das Unternehmen die Wilden-Gruppe, die heute unter dem Namen Gerresheimer Regensburg GmbH und als Medical Plastic Systems zum Geschäftsbereich Plastic & Devices gehört. 2011 erwarb Gerresheimer in Brasilien das Unternehmen Tampas Herméticas Védat, das heute den Namen Gerresheimer Plásticos São Paulo Ltda. trägt. Im April 2012 übernahm Gerresheimer das indische Unternehmen Neutral Glass & Allied Industries Pvt. Ltd. mehrheitlich und im Dezember folgte Triveni Polymers Ltd. Pvt., ein Hersteller von Kunststoffverpackungen für den regulierten indischen Markt. Mit fünf Werken in Südamerika, sechs in China und sieben in Indien ist Gerresheimer in den schnell wachsenden Schwellenländern vertreten.

Im September 2015 kaufte Gerresheimer Centor.

Im November 2015 verkaufte Gerresheimer sein Röhrenglasgeschäft an das amerikanische Unternehmen Corning Inc. Zusätzlich haben Gerresheimer und Corning ein Joint Venture gegründet. Zum 1. November 2016 verkaufte Gerresheimer seine Laborglassparte Kimble Chase (Joint Venture zwischen Gerresheimer und Chase Scientific Inc) mit Verwaltungssitz in Rockwood, Tennessee/USA an die Duran Gruppe, eine Beteiligungsgruppe von One Equity Partners.

Im Juli 2018 kaufte Gerresheimer das Schweizer Medizintechnikunternehmen Sensile Medical, einen Hersteller von Mikropumpen und gründete den Geschäftsbereich Advanced Technologies.

Seit Ende Februar 2019 gehören 60 % von respimetrix der Gerresheimer AG. Respimetrix ist in dem Geschäftsbereich Advanced Technologies angesiedelt und im Bereich der Inhalations-Messung tätig.

In der ersten Hälfte 2021 wurde das Werk in der Republik Nordmazedonien fertiggestellt. Im Mai 2024 kaufte Gerresheimer für 800 Mio. Euro die Bormioli Pharma S.p.A. von der deutsch-schwedischen Private-Equity-Gesellschaft Triton Partners.

Im Jahr 2025 unterbreitete ein Konsortium, zu dem unter anderem KKR und Warburg Pincus gehörten, ein unverbindliches Angebot für die Gerresheimer AG. Im Herbst 2025 wurde bekannt, dass die Finanzaufsicht Bafin die Buchführung des Unternehmens bemängelte. Der Aktienkurs des Unternehmens brach daraufhin ein. Im Dezember 2025 wurde Gerresheimer aus dem MDAX ausgeschlossen und stieg in den SDAX ab. Da Gerresheimer den testierten Jahres- und Konzernabschluss nicht fristgerecht bis zum 31. März 2026 vorlegte, wurde die Aktie mit Wirkung zum 10. April auch aus dem SDAX ausgeschlossen und durch die Shelly Group ersetzt. Da der von Gerresheimer neu beauftragte Wirtschaftsprüfer KPMG den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt testiert hatte, leitete die Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG ein. Am 29. Juni 2026 veröffentlichte die Gerresheimer AG schließlich ihren testierten Jahres- und Konzernabschluss 2025.

Im Juli 2026 kündigte Gerresheimer den Verkauf der 2015 erworbenen Centor sowie des Geschäftsbereichs Primary Packaging Plastics an Fonds von Apax an. Der Gesamtkaufpreis für die beiden Business Units basiert auf einem kombinierten Unternehmenswert (Enterprise Value) von rund 1,5 Mrd. EUR. Im Oktober 2026 schloss Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor an eine Tochtergesellschaft von Fonds ab, die von Apax Partners LLP beraten wurden.

Unternehmen

Gerresheimer fertigt Produkte aus Glas und Kunststoff für Pharma-, Healthcare-, Kosmetik- und Lebensmittelhersteller.

Das Unternehmen produziert auch Produkte zur Verabreichung von Medikamenten: Insulin-Pens, Inhalatoren, Mikropumpen, vorfüllbare Spritzen, Injektionsfläschchen, Ampullen, Flaschen und Behältnisse für flüssige und feste Medikamente mit Verschluss- und Sicherheitssystemen sowie Verpackungen für die Kosmetikindustrie, wie Parfüm-Flakons, Cremetiegel und Spirituosenfläschchen.

Standorte

Gerresheimer hat 39 Standorte in Europa, Asien und Amerika.

KVP = Kunststoff-Verpackungen – GVP = Glas-Verpackungen – MT= Medizintechnik

Literatur

Commons: Gerresheimer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gerresheimer Geschäftsbericht 2025. Gerresheimer AG, abgerufen am 2. Juli 2026.
  2. ↑ Gerresheimer AG Aktie. Deutsche Börse, abgerufen am 2. Juli 2026.
  3. ↑ Bruno Kammann: Gerresheimer Glas : Geschichte einer Weltfirma (1864-2000); ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Stadtgeschichte Düsseldorfs. 1. Auflage. Klartext-Verlag, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-782-6.
  4. ↑ Eintrag zu Glashütte Heilbronn AG in der Datenbank HEUSS des Stadtarchivs Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-925
  5. ↑ Anja Kühner: Als die Hötter in Gerresheim streikten. Düsseldorf entdecken. Abgerufen am 2. Juli 2026.
  6. ↑ Michael Brockerhoff: Ehemalige Glashütte – 1400 Wohnungen. Rheinische Post. 17. Januar 2014, abgerufen am 2. Juli 2026.
  7. ↑ Handelsregister. Amtsgericht Düsseldorf, HRB 827 + HRB 51238. Abgerufen am 28. Juli 2023.
  8. ↑ Gerresheimer bislang größtes IPO des Jahres. Manager Magazin, 10. Juni 2007, abgerufen am 28. Juli 2024.
  9. ↑ Gerresheimer steigt in den MDAX auf. Pressebox, 4. Dezember 2008, abgerufen am 27. Februar 2021.
  10. ↑ Gerresheimer kauft Wilden Gruppe (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive). neue-verpackung.de.
  11. ↑ Gerresheimer acquires Brazilian pharmaceutical plastic packaging company Védat (Memento vom 15. August 2014 im Internet Archive). gerresheimer.com.
  12. 1 2 Gerresheimer erwirbt den indischen Hersteller von pharmazeutischen Kunststoffverpackungen Triveni (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive). gerresheimer.com.
  13. ↑ Gerresheimer: Übernahme von Centor abgeschlossen. chemanager-online.com, 8. Oktober 2015, abgerufen am 2. Juli 2026.
  14. ↑ Gerresheimer AG übernimmt Schweizer Firma. 12. Juli 2018, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  15. ↑ Gerresheimer to acquire Blitz LuxCo Sarl, the holding company of the Bormioli Pharma Group. gerresheimer.com. 12. November 2024, abgerufen am 2. Juli 2026.
  16. ↑ Reuters: Medizintechnikhersteller: Warburg Pincus und KKR bieten offenbar für Gerresheimer. In: Handelsblatt. 17. März 2025, abgerufen am 10. August 2026.
  17. ↑ Bert Fröndhoff, Helena Smolak: Blitzskandal. Das steckt hinter dem Absturz von Gerresheimer. Handelsblatt, 2. Juli 2026, abgerufen am 11. März 2026.
  18. ↑ Andreas Sommer: Gerresheimer Aktie: Der Rauswurf! Börse Global. 4. Dezember 2025, abgerufen am 2. Juli 2026.
  19. ↑ INDEX-MONITOR: Gerresheimer fliegt aus SDax - Shelly übernimmt. Deutsche Börse. 8. April 2026, abgerufen am 2. Juli 2026.
  20. ↑ Dieter Jaworski: Gerresheimer Aktie: KPMG unter Beschuss. Börse Global. 1. April 2026, abgerufen am 2. Juli 2026.
  21. ↑ Gerresheimer legt Jahres- und Konzernabschluss 2025 vor: Stabiler Umsatz in einem herausfordernden Geschäftsjahr. EQS News, 29. Juni 2026, abgerufen am 2. Juli 2026.
  22. ↑ Gerresheimer veräußert Centor und das globale Primary Packaging Plastics Geschäft an Apax Fonds. 29. Juli 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026 (deutsch).
  23. ↑ Gerresheimer schließt Verkauf von Centor erfolgreich ab. 1. Oktober 2026, abgerufen am 13. Oktober 2026 (deutsch).
  24. ↑ Standorte. gerresheimer.com, abgerufen am 27. Februar 2021.