Gerrit Zitterbart erhielt im Alter von sieben Jahren ersten Klavierunterricht. Von 1971 bis 1979 folgten Studien an der Hochschule für Musik und Theater bei Erika Haase, Karl Engel und Lajos Rovátkay sowie in Salzburg (an der Sommerakademie Mozarteum), Freiburg und Bonn bei Hans Leygraf, Carl Seemann und Stefan Askenase. Zu Beginn der pianistischen Laufbahn standen Wettbewerbserfolge in der Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien und Deutschland.
Im Jahr 1976 gründete er gemeinsam mit Ulrich Beetz (Violine) und Birgit Erichson (Violoncello) das Abegg Trio, das über 40 Jahre in dieser Besetzung zusammenarbeitete und bis 2017 ca. 1.250 Konzerte gab. 1979 bestand er das Konzertexamen. Er nahm Schallplatten auf und ging auch international der Konzerttätigkeit nach. Zitterbart spielte im Duo mit unter anderem Gunhild Hoelscher, Matthias Metzger, Elisabeth Kufferath, Friederike Starkloff (Violine), Jan Diesselhorst, Leonid Gorokhov, Christian Poltéra und Christoph Henkel (Violoncello), Denise Wambsganß (Mandoline), Felix Klieser, Stefan Katte (Horn) sowie mit Streichquartetten (Klenke, Malion, Mandelring, Tokio-Berlin, Gauss). Außerdem erfolgte eine Zusammenarbeit mit zahlreichen Sängern, darunter Heidrun Blase, Hans-Peter Blochwitz, Henryk Böhm, Tomasz Raff, Maya Boog und Susanna Pütters. Zitterbart war Mitglied des Arte Ensembles Hannover und trat im Klavier-Quartett mit dem Kandinsky Trio auf.
Gerrit Zitterbart hatte Ilsemarie Habermann geheiratet. Aus der Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor.
Clavier-Salon
Clavier-Salon Göttingen
Von 2012 bis Ende 2024 leitete Zitterbart in der Göttinger Altstadt einen Clavier-Salon, in dem pro Monat vor jeweils maximal 60 Zuhörern sieben bis zehn Konzerte stattfanden. Es standen dort ständig neun historische Tasteninstrumente bereit: Clavichord, Spinett, englische Squarepianos, Hammerflügel aus Wien, Paris und Berlin. Ebenfalls wurden Konzerte junger internationaler Preisträger mit Programmen für Klavier solo und Klavier-Kammermusik veranstaltet. Konzerte für Kinder hatten das Ziel, diesen die klassische Musik näherzubringen. Zitterbart produzierte auch spezielle Kinder-CDs (Die Familie Bach, Musik, die Geschichten erzählt, Robert & Peter).
Lehrtätigkeit
Von 1981 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2022 lehrte Zitterbart an der Staatliche Hochschule für Musik und Theater Hannover, zunächst als Lehrbeauftragter; 1983 wurde er zum Professor ernannt. 2007 bis 2010 war er Vizepräsident der Hochschule und war über viele Jahre Sprecher der Fachgruppe Klavier und Studiengangssprecher der Bachelor- und Master-Studiengänge Tasteninstrumente. Um jungen Musikern den Zugang zu historischen Spielweisen zu vermitteln, gründete Zitterbart an der Hochschule den Verein Clavier e. V., der die Finanzierung einer Instrumentensammlung als Überblick über die wichtigsten Stationen des Klavierbaus ermöglicht.
Auszeichnungen
Zitterbart war 1977 und 1978 Preisträger bei Konzerte Junger Künstler in Hannover. Er erhielt in Frankreich den Choc für seine Einspielung mit frühen Mozart-Klavierkonzerten, mit dem Abegg Trio wurde er fünfmal beim Preis der deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste) ausgezeichnet, in Colmar, Genf (1977), Florenz (1980), Bonn (1979) und Bordeaux (1981).
Diskografie (Auswahl)
Wolfgang Amadé Mozart: Tre Sonate. Klaviersonaten a-Moll KV 310, C-Dur KV 330, B-Dur KV 333 (Tacet; 1989)
Johann Christian Bach: Klaviersonaten op. 5,2-4 / Wolfgang Amadé Mozart: 3 Klavierkonzerte nach Sonaten von J. Chr. Bach KV 107, 1-3. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Frey (Hänssler Classic; 1996)
Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte F-Dur KV 37, B-Dur KV 39, D-Dur KV 40, G-Dur KV 41. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Fey (Hänssler Classic; 1997)
Franz Schubert: Sonaten A-Dur D 959, B-Dur D 960 (gutingi; 1997)
Facetten.Ludwig van Beethoven: Sonate Es-Dur op.81a, Wolfgang Amadé Mozart: Sonate C-Dur KV 545, Franz Schubert: Sonate B-Dur D 960 (gutingi; 1998)
Joseph Haydn: Klavierkonzerte F-Dur, G-Dur, D-Dur. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Fey (Hänssler Classic; 1999)
Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte C-Dur KV 246, B-Dur KV 238, Es-Dur KV 271. Mit dem Schlierbacher Kammerorchester, Dirigent: Thomas Fey (Hänssler Classic; 2000)
Johannes Brahms: Deutsche Volkslieder / Benjamin Britten: European Folksongs. Mit Maya Boog, Sopran; Hans Peter Blochwitz, Tenor (gutingi; 2000)
Robert Schumann: Abegg-Variationen op.1, Carnaval op.9 / Johannes Brahms: Fantasien op.116, Intermezzi op.117 (gutingi; 2003)
Ludwig van Beethoven: Violinsonaten op.12, 1-3, Variationen WoO 40, Rondo WoO 41. Mit Matthias Metzger, Violine (Hänssler Classic; 2004)
Ludwig van Beethoven: Violinsonaten Nr. 4 a-Moll op.23, Nr. 5 (Frühlingssonate) F-Dur op.24, Nr. 9 (Kreutzersonate) A-Dur op.47. Mit Matthias Metzger, Violine (Coviello; 2009)
Joseph Haydn: Arianna a Naxos, Lieder für das Clavier. Mit Heidrun Blase, Sopran (Clavier; 2011)
Kurt Weill: Zaubernacht. Mit dem Arte-Ensemble (CPO; 2012)
Schlummerklassik für die Kleinsten. Schlaf- und Wiegenlieder großer Komponisten. Werke von u. a. Schubert, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Brahms, Wagner, Liszt, Grieg, Wolf, Strauss. Mit Heidrun Blase, Sopran (gutingi; 2012)
Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze op.49 (Fassung für Klavier solo). (Clavier; 2014)
1829.Franz Schubert: Impromptus op.90, Sonate A-Dur op.120 / Felix Mendelssohn Bartholdy: Fantasie op.15, Lieder ohne Worte op.19, Rondo capriccioso op.14 Flügel von Nannette & Baptist Streicher 1829 (Clavier; 2014)
Wolfgang Amadé Mozart: Klavierkonzerte C-Dur KV 467, A-Dur KV 488, Arie KV 505, Rondo KV 511, Lieder. Mit Heidrun Blase, Sopran; Norddeutsche Kammerakademie, Dirigent: Thomas Dorsch (gutingi; 2014)
König Georg V. und sein musikalischer Kreis. Werke von Georg V., Marschner, Berlioz, Schumann, Brahms, Fauré: Lieder, Klavierwerke und Melodramen. Mit Heidrun Blase, Sopran; Rudolf Krieger, Rezitation (Clavier; 2016)
Franz Liszt / Antonín Dvořák: Lieder, Klavierwerke und Melodramen. Mit Heidrun Blase, Sopran; Rudolf Krieger, Rezitation (Clavier; 2017)
Was machst du mit dem Knie, lieber Brahms, Parodien großer Meister von Ochs, Pillney, Priegnitz und Volkmann (Edition Ohrwurm; 2004)
Musik, die Geschichten erzählt, Kinder-CD mit Werken von Rameau bis Bartók, gespielt auf Hammerflügel und modernem Flügel (Edition Ohrwurm; 2004)
Die Familie Bach, Kinder-CD mit Werken von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen, gespielt auf Clavichord, Cembalo, Hammerflügel und modernem Flügel (Edition Ohrwurm; 2004)
Nachhall einer Liebe, George Sand und Frédéric Chopin (Edition Ohrwurm; 2006)
Robert & Peter, Kinder-CD mit Werken von Schumann (op.68) und Tschaikowsky (op.39) (Edition Ohrwurm; 2007)
Literatur
Ingo Harden, Gregor Willmes:PianistenProfile. 600 Pianisten: Ihre Biografie, ihr Stil, ihre Aufnahmen. Gerrit Zitterbart. 1. Auflage. Bärenreiter, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-1616-5, S.796–798.
↑Zitterbart, Gerrit. In: Wer ist Wer? Das deutsche Who’s Who 2000/2001. 39. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Verlagsgruppe Beleke, Lübeck 2000, ISBN 978-3-7950-2029-3, S. 1581.