Erika Haase

Erika Haase (* 23. März 1935 in Darmstadt; † 1. Mai 2013 in Darmstadt) war eine deutsche Pianistin.

Leben

Erika Haase, geboren in Darmstadt, studierte von 1950 bis 1958 an der Städtischen Akademie für Tonkunst Darmstadt Klavier, zunächst bei Werner Hoppstock und ab 1954 bei Hans Leygraf. 1957, noch während ihres Studiums bei Leygraf wurde sie dessen Assistentin an der Akademie für Tonkunst. Wichtige Anregungen erhielt Erika Haase durch den Kammermusikunterricht bei Rudolf Kolisch von 1954 bis 1958 während dessen Aufenthalten in Deutschland. Außerdem nahm sie an Meisterkursen bei Edwin Fischer (Luzern 1957) und David Tudor (Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt 1959) teil.

1959 wurde Erika Haase mit dem Kranichsteiner Musikpreis (Klavier) ausgezeichnet, Pflichtstück im Wettbewerb war die 1. Klaviersonate von Pierre Boulez. Ab 1960 besuchte sie die Sommerkurse von Eduard Steuermann im Rahmen der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, am Salzburger Mozarteum und 1963 an der Musikhochschule Hannover. Steuermann übte einen künstlerisch und stilistisch prägenden Einfluss auf sie aus.

1962 war Erika Haase Preisträgerin im Concours International d’interprétation piantistique Magda Tagliaferro in Paris. Zwischen 1963 und 1966 erhielt sie Auslandsstipendien und setzte ihre Studien in Paris und London fort, unter anderem bei Magda Tagliaferro. In dieser Zeit konzertierte sie für die BBC und zusammen mit Martha Argerich und Nelson Freire in Aufführungen von Strawinskys Les Noces unter der Leitung von Pierre Boulez. Von 1958 bis 1963 war Erika Haase Dozentin für Klavier an der Musikakademie von Sveriges Radio Stockholm. In dieser Zeit traf sie viel mit György Ligeti zusammen, der eine Gastprofessur in Stockholm hatte und mit dem sie eine enge Freundschaft verband.

Von 1967 bis 2000 unterrichtete Erika Haase an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, ab 1974 als Professorin. Bemerkenswerterweise war sie anfangs die einzige Frau, die eine Professur für Klavier bekleidete. Zu ihren Schülern gehörten Gerrit Zitterbart, Andreas Staier, Ingo Metzmacher und Thomas Hell. In diesen Jahren kam sie auch in engen Kontakt mit dem Pianisten Conrad Hansen, von dem sie wichtige Anregungen erhielt.

Von 1997 an entstand für das Label Tacet eine fünfteilige Einspielungsserie der großen Etüdenwerke der Klavierliteratur, die international auf sehr positive Aufnahme stieß. Hervorzuheben sind insbesondere die über mehrere Jahre entstandene Einspielung der Etüden György Ligetis, die in enger Abstimmung mit dem Komponisten entstand, sowie die Gesamtaufnahme des Klavierschaffens Ligetis.

Die auf Initiative Erika Haases zustande gekommene 2-CD-Edition „Hommage á Steuermann“ machte 2009 die Gesamtaufnahme der Klavierwerke Arnold Schönbergs durch Eduard Steuermann aus dem Jahr 1957 erstmals wieder zugänglich und enthält verschiedene Welterstaufnahmen von Werken Steuermanns. Die Edition wurde 2010 mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Zu ihrem bevorzugten Musizierpartnern gehörten die Pianistin Carmen Piazzini und die Geigerin Jutta Rübenacker.

Diskografie (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Hauptquelle: Handgeschriebener Lebenslauf Erika Haases vom 10. Juni 1974 in der Personalakte der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Kopie im Besitz von Claudia Mayer Haase.
  2. ↑ Gregor Willmes: Erika Haase. In: Ingo Harden, Gregor Willmes: Pianistenprofile: 600 Interpreten: ihre Biografie, ihr Stil, ihre Aufnahmen. Bärenreiter, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-1616-5, S. 285.
  3. ↑ Gerrit Zitterbart: Trauer um Prof. Erika Haase, Meldung der HMTM Hannover vom 2. Mai 2013, abgerufen am 30. Januar 2018.
  4. ↑ TACET Musikproduktion - deutsch (zu Vol. II). Abgerufen am 21. März 2022.
Personendaten
NAME Haase, Erika
KURZBESCHREIBUNG deutsche Pianistin
GEBURTSDATUM 23. März 1935
GEBURTSORT Darmstadt
STERBEDATUM 1. Mai 2013
STERBEORT Darmstadt