Gertraud Cerha

Gertraud Cerha (* 25. Juli 1928 in Markgrafneusiedl als Gertraud Möslinger) ist eine österreichische Cembalistin, Musikpädagogin, Musikvermittlerin, Autorin und Expertin für Neue Musik.

Leben

Gertraud Cerha (geborene Möslinger) wuchs in Gmunden auf und studierte ab 1946 Geschichte an der Universität Wien sowie Klavier, Gitarre, Musikerziehung und Cembalo (bei Eta Harich-Schneider und Gustav Leonhardt) an der Musikakademie Wien. An der damaligen Bundeserziehungsanstalt (heute BRG Wien III) unterrichtete sie von 1950 bis 1980 Musik und war maßgeblich am Aufbau des musikalischen Schwerpunkts beteiligt. Von 1961 bis 1987 lehrte sie an der heutigen mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Generalbass.

Gemeinsam mit ihrem Mann Friedrich Cerha und Kurt Schwertsik gründete sie 1958 das für die Entwicklung der Neuen Musik in Österreich lange Zeit maßgebliche Ensemble „die reihe“ und im Jahre 1960 die „Camerata frescobaldiana“, die sich der Alten Musik widmete. Über ihre aktive Tätigkeit als Musikerin hinaus war Gertraud Cerha ihrer Zeit voraus intensiv als Musikvermittlerin tätig. So war sie unter anderem für die Konzeption des Konzertzyklus „Wege in unsere Zeit“ (1978–1983) mitverantwortlich und konzipierte für das Rahmenprogramm des ersten Wien Modern Festivals 1988 ein wegweisendes Begleitsymposium. Für ihre Verdienste wurde ihr 2009 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Gertraud Cerha arbeitete an Lehrbüchern im Bereich der Musikpädagogik (Hören und Gestalten, 1977) mit und publizierte grundlegende Arbeiten zur Wiener Schule-Forschung – insbesondere in Hinblick auf frühe Beiträge zur Musik Anton Weberns in den 1980er-Jahren. Forschungen zur Entwicklung der Neuen Musik in Österreich nach 1945 spielten eine große Rolle in der wissenschaftlichen Arbeit von Gertraud Cerha, zum Beispiel ihre zentralen Überblicksdarstellungen über „Neue Musik aus Wien 1945–1990“, in denen wesentliche Entwicklungen gebündelt werden und die sowohl eine wichtige Pionierleistung als auch mittlerweile eine wichtige Quelle für die wissenschaftliche Erforschung dieser musikkulturell bedeutsamen Phase darstellen. Darüber hinaus verfasste sie zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zum Werk von Friedrich Cerha.

Im Bereich der Musikvermittlung hat sich Gertraud Cerha zu einer Zeit, als diese – nunmehr auch an der mdw im Sinne eines universitären Fachbereiches akademisierte – Praxis noch nicht als solche bezeichnet wurde, vor allem um die Vermittlung zeitgenössischer Musik besonders verdient gemacht. Sie kann in dieser Hinsicht als Pionierin bezeichnet werden.

Gemeinsam mit ihrem Mann Friedrich Cerha hat sie zwei Töchter: Irina Cerha (* 1956) und Ruth Cerha (* 1963).

Im Oktober 2025 verlieh ihr die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ein Ehrendoktorat.

Einzelnachweise

  1. ↑ Ehrendoktorat der mdw für Gertraud Cerha. Abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. ↑ Gertraud Cerha - Pionierin für Neue Musik. (donau-uni.ac.at [abgerufen am 26. Juli 2026]).
Personendaten
NAME Cerha, Gertraud
ALTERNATIVNAMEN Möslinger, Gertraud (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG österreichische Cembalistin, Musikpädagogin, Musikvermittlerin, Autorin und Expertin für Neue Musik
GEBURTSDATUM 25. Juli 1928
GEBURTSORT Markgrafneusiedl