Gertraud Kaltenecker

Gertraud Anna Maria Kaltenecker (* 20. Mai 1915 in Regensburg; † 16. August 2004 in Landshut) war eine deutsche Komponistin und Sängerin.

Leben

Gertraud Kaltenecker kam am 20. Mai 1915 in Regensburg zur Welt. Sie wuchs in einem religiösen Elternhaus auf und erhielt Musikunterricht im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung am Institut der Englischen Fräulein. Nach dem Abschluss des Lyzeums 1932 besuchte sie die Höhere Handelsschule. Nach ihrem Abschluss übte sie zunächst eine Beschäftigung zum „Broterwerb ohne seelische Belastung“ – so ihre eigenen Worte – als Verwaltungsangestellte beim Arbeitsamt und ab 1949 beim Versorgungsamt in Regensburg aus. Der Musik blieb sie jedoch auch in diesem Lebensabschnitt stets treu. Von 1935 bis 1940 wurde sie vom Komponisten Max Jobst in Kompositions- und Harmonielehre unterwiesen. Im Jahre 1943 begann sie eine Hospitanz an der Regensburger Kirchenmusikschule und bekam erste Engagements als Gesangssolistin. Von 1946 bis 1948 studierte Kaltenecker an der Akademie der Tonkunst in München Komposition bei Joseph Haas, Gesang, Klavier, Dirigieren und Musikgeschichte. Trotz ihres erfolgreich abgeschlossenen Musikstudiums war sie auch nach 1948 nur nebenberuflich als Komponistin und Sängerin tätig. Die musikalische Nebentätigkeit prägte jedoch ihr gesamtes Leben.

Bedeutung

Gertraud Kalteneckers musikalisches Lebenswerk umfasst über 90 Kompositionen. Darunter Kirchen- und Kammermusik, Kompositionen für Klavier, Orchester, Orgel und Gesänge für Chöre (sowohl liturgischer als auch weltlicher Art). Ihre Schöpfungen mit ihrer gebundenen Harmonik lehnten sich stilistisch meist an das Vorbild ihres einflussreichen Lehrers Joseph Haas an. Die oftmals im Auftrag der Regensburger Kirchgemeinden entstandenen Orgelwerke nehmen dabei eine besondere Rolle in ihrem musikalischen Schaffen ein. In ihrem Liederzyklus Spirale aus dem Jahre 1975 vertonte sie auch einige Gedichte der Regensburger Schriftstellergruppe International. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts feierte sie auch als Sängerin große Erfolge. Die Musikkritik nannte die Erstaufführung von Paul Hindemiths Marienleben im Jahre 1958 eine „eminente Leistung in jeder Hinsicht, physisch, stimmtechnisch, musikalisch, künstlerisch“.

Auszeichnungen

Ehrung

Gertraud Kaltenecker zu Ehren wurde eine Straße im Dörnberg-Viertel in Regensburg benannt.

Werke

Orchestermusik

Kammermusik

Orgelmusik

Klavier- und Cembalomusik

Geistliche Vokalmusik

Singstimmen und Orgel

  • „Regina coeli“ für hohen Sopran und Orgel op. 13 (1953). Hrsg. von Ralf-Thomas Lindner. Certosa Verlag, Körborn 2023, ISMN 979-0-50224-604-4 (Erstveröffentlichung).
  • „Gegrüßet seist du, Maria“ für Sopran und Orgel op. 14 (1954). Hrsg. von Ralf-Thomas Lindner. Certosa Verlag, Körborn 2023, ISMN 979-0-50224-604-4 (Erstveröffentlichung).
  • „Salve Regina“ für Sopran und Orgel op. 15 (1957). Hrsg. von Ralf-Thomas Lindner. Certosa Verlag, Körborn 2023, ISMN 979-0-50224-604-4 (Erstveröffentlichung).
  • Drei liturgische Gesänge für Sopran und Orgel op. 18 (1957)
  • Offertorium „Cum esset desponsata“ für dreistimmigen Frauenchor und Orgel op. 20 (1958)
  • „Virgo mitis“ für Solo-Sopran und Orgel op. 22a (1959)
  • „O Virgo pulcherrima“ für zwei Soprane (auch chorisch) und Orgel op. 22b (1959)
  • „Benedicta et venerabilis“ für zwei Soprane, Alt und Orgel op. 22c (1959)
  • „Tota pulchra es, Maria“ für sechsstimmigen Frauenchor und Orgel op. 22d (1959)
  • „Bereit ist mein Herz, o Gott“ (Psalm 44) für eine Singstimme (oder Wechselgesang) und Orgel op. 23 (1959)
  • „Ave maris stella“ für Sopran, Alt und Orgel op. 25 (1959)
  • „Gloria patri“ für Sopran und Orgel op. 26 (1962)
  • „Lauda, anima mea, Dominum“ für Sopran und Orgel op. 27 (1962)
  • „Improperium exspectavit cor meum“ für Sopran und Orgel op. 30 (1966)
  • Zwei geistliche Gesänge für zwei Soprane (Tenöre) und Orgel op. 35 (1968)
  • Deutsche Brautmesse für Sopran (Tenor) und Orgel op. 36 (1968)
  • „Preisen will ich den Herrn“, Offertorium zum 5. Sonntag nach Pfingsten für Sopran, Alt, Bariton und Orgel op. 40 (1971)
  • Psalmmeditationen für Bariton und Orgelsolo op. 48/2 und 4 (1981)
  • „Du heiliger und allerhöchster Gott“ nach einer Osternachtshymne für Bariton und Orgel op. 50 (1983)
  • „Ich suche dich, Herr“, Drei geistliche Gesänge (Hubert Neufeld) für Bariton und Orgel op. 66 (1988)
  • Drei Weihnachtslieder (Johannes R. Becher, Joachim Ringelnatz, Chiara Lubich) für Sopran, Alt und Orgel op. 67 (1988/89)
  • „Träume und Wandlungen“, Drei geistliche Lieder (Anna-Valeria Vogl-Hüger) für Bass und Orgel op. 71 (1990)
  • Kreuzweg-Gedanken nach eigenen Texten für Alt und Orgel op. 87 (1998)

Singstimmen und Instrumente

  • „Ich sehe dich in tausend Bildern“, Geistliches Lied (Novalis) für vierstimmigen gemischten Chor, Violine und Orgel op. 2 (1940)
  • Hymnus „Veni Creator Spiritus“ für vierstimmigen gemischten Chor, Streicher, Trompete, Oboe und Fagott op. 21 (1959)
  • Kantate „Mater Dei“ (anonyme Dichter, Johann Caspar Lavater, Dante Alighieri) für drei Solo-Soprane, Kinderchor, vierstimmigen gemischten Chor, Violine und Orgel op. 28 (1964)

Geistliche Chormusik a cappella

  • „Da Jesus in den Garten ging“, Geistliches Lied am Gründonnerstag oder Karfreitag für vierstimmigen gemischten Chor op. 1b (1937)
  • „Und unser lieben Frauen“ für Frauenchor op. 3 (1941)
  • „Popule meus“, Improperien am Karfreitag für sechsstimmigen gemischten Chor op. 6 (1947)
  • Missa „Virgo Mater“ für dreistimmigen gemischten Chor op. 8 (1949)
  • Marienlied (Robert Erbertseder) für dreistimmigen Frauenchor op. 24 (1959)
  • Gebet zu Maria (Franz Xaver Lehner) für vierstimmigen gemischten Chor op. 31 (1965)
  • Deutsches Proprium zum Passionssonntag für dreistimmigen gemischten Chor op. 34 (1968)
  • „Stetit Angelus“, Offertorium zum St. Michaelsfest für vierstimmigen gemischten Chor op. 37 (1968)
  • „Du trägst auf Mutterarmen“ (Luise Hensel) für dreistimmigen Frauenchor op. 56 (1986)
  • „Jubilate Deo“, Motette für achtstimmigen gemischten Chor op. 73 (1991)

Weltliche Chorwerke

Lieder

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gertraud Anna Maria Kaltenecker im Bayerischen Musiker-Lexikon Online (BMLO)
Personendaten
NAME Kaltenecker, Gertraud
ALTERNATIVNAMEN Kaltenecker, Gertraud Anna Maria (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Komponistin und Sängerin
GEBURTSDATUM 20. Mai 1915
GEBURTSORT Regensburg
STERBEDATUM 16. August 2004
STERBEORT Landshut