Girolamo Graziani

Benedetto Gennari, Porträt des Girolamo Graziani

Girolamo Graziani (* 1. Oktober 1604 in Pergola; † 11. September 1675 in Pergola) war ein italienischer Dichter am Hof der Este, Erster Sekretär des Herzogs von Mantua und diente den Este als Diplomat. Er war außerdem Autor von Epen und Panegyriken.

Leben

Girolamo Graziani wurde als Sohn von Antonio Graziani, der in Ferrara als Auditor für die Rota Romana (nicht gleichzusetzen mit dem Uditore in der päpstlichen Diplomatie) tätig war, geboren. Im Mai 1619 erhielt Antonio Graziani eine Stelle als Stadtvogt in Modena, weshalb die Familie dorthin übersiedelte.

Girolamo erhielt schon als Kind Unterricht in Literaturwissenschaft und begann früh, selbst zu dichten. Mit sechzehn Jahren publizierte er in Parma seinen ersten Gedichtband, Rime, den er Fürst Federico Ubaldo della Rovere widmete. Der 1621 erschienene Band enthält 106 Sonette, von denen zwei der Schauspielerin Orsola Posmoni gewidmet sind, die für die Compagnia degli Accesi unter dem Namen Flaminia auftrat. Außerdem beinhaltet der Gedichtband ein Epithalamium für die Hochzeit von Federico Ubaldo della Rovere mit Claudia de’ Medici mit dem Titel Il bagno di Venere und zwei Panegyriken, von denen einer Giulia d'Este und der andere Alfonso III. d’Este gewidmet ist.

Philipp H. Külb und Charles Dudley Warner zufolge absolvierte Graziani sein Studium in Bologna und Padua, wobei Külb von einem Studium der Geschichtswissenschaft und der schönen Künste (belle arti) spricht. Dem stellt der Historiker Fabio Tarzia ein Studium der Rechtswissenschaft und Literatur in den Städten Parma und Bologna entgegen, zwischen denen Graziani in seiner Studienzeit gependelt sein soll. Auch der Lebenslauf Grazianis, der einer Ausgabe des Conquisto di Granata von 1835 beigefügt ist, nennt Parma und Bologna als Studienorte des Dichters.

Nach der Beendigung seiner Studien konnte er erfolgreich seine ersten kleineren Dichtungen publizieren. Mit seinem ersten Epos, „Cleopatra“, das er im Alter von 22 Jahren veröffentlichte, zog er die Aufmerksamkeit von Francesco I. d’Este, Herzog von Modena auf sich, der ihn an seinen Hof berief. 1637 ernannte er ihn zu seinem Sekretär und schenkte ihm die Grafschaft Sarzano, eine reiche Domaine im Herzogtum Reggio. Unter der Patronage seines Gönners konnte sich Graziani ganz der Dichtung widmen. Seine meisten Werke fallen in die Zeit in Modena.

Sein zweites Epos behandelt die Eroberung von Granada in 26 Gesängen (Il conquisto di Granada. Modena 1650. 4. Paris 1654. 12. 2 Voll. Bologna 1672. 4. Venetia 1789. 8. 2 Voll. auch in dem Parnasso italiano, Tom. 38 et 39). Zudem verfasste er neben der Tragödie Cromwell (Il Cromuele, tragedia. Bologna 1671. 4.) Lieder, Sonette, Madrigale und Gedichte, die in dem Buch Varie poesie 1662 in Modena gedruckt worden sind.

Im Jahr 1655 machte Graziani eine Reise nach Frankreich und schrieb während seines Aufenthaltes in ein panegyrisches Gedicht auf den Kardinal Jules Mazarin: Il Colosso (Paris 1656 fol.) Auch Ludwig XIV. war ein Adressat seiner Panegyrik. Er kehrte dann nach Italien zurück. Wegen einer Krankheit verließ er den Hof von Modena und zog sich in seine Heimat zurück, wo er am 10. September 1675 starb.

Graziani war Mitglied der Accademia dei Gelati in Bologna, der Accademia degli Incogniti in Venedig und der Accademia della Crusca in Florenz.

Veröffentlichungen (Auswahl)

La Cleopatra (1632)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Diritti della Città di Modena [...]. Soliani, Modena 1827, S. 54 Anmerkung.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Fabio Tarzia: Graziani, Girolamo. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 58: Gonzales–Graziani. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2002.
  3. ↑ Graziani, Girolamo. In: Charles Dudley Warner (Hrsg.): A Library of the World's Best Literature. Band 42: Dictionary of Authors (A-J). Cosimo Classics, New York 2008, ISBN 978-1-60520-248-8, S. 231 (google.at).
  4. ↑ Philipp H. Külb: GRAZIANI (Girolamo). In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Erste Section. A-G. Band 88: Grant - Greding. F. A. Brockhaus, Leipzig 1868, S. 421 (uni-goettingen.de).
  5. ↑ Girolamo Graziani: Il conquisto di Granata. Giuseppe Antonelli, Venedig 1835, S. 10 (archive.org).
  6. ↑ Giovan Francesco Loredano: Le Glorie degli Incogniti. Venezia, Valvasense, 1647, S. 272.
  7. ↑ Accademia della Crusca, Catalogo degli accademici, abgerufen am 11. Juni 2020
Personendaten
NAME Graziani, Girolamo
KURZBESCHREIBUNG italienischer Dichter und Diplomat
GEBURTSDATUM 1. Oktober 1604
GEBURTSORT Pergola
STERBEDATUM 11. September 1675
STERBEORT Pergola