
Giulietto Chiesa (* 4. September 1940 in Acqui Terme; † 26. April 2020) war ein italienischer Journalist und Politiker (parteilos, von 2003 bis 2005 Italia dei Valori, bis 1991 Kommunistische Partei Italiens). Er war von 2004 bis 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Chiesa legte das humanistische Abitur ab und arbeitete ab 1981 als Journalist. Für die Zeitungen L’Unità (Parteizeitung der PCI) und La Stampa berichtete er aus Moskau. Im Jahr 1989/90 war er Fellow des Wilson Center.
Chiesa gehörte zunächst dem Nationalsekretariat des Kommunistischen Jugendverbandes Italiens (FGCI) an und war danach von 1970 bis 1979 Mitglied des Parteivorstands der PCI in der Sektion Genua. Von 1975 bis 1979 war er Vorsitzender der PCI-Fraktion im Provinzrat von Genua. Chiesa gehörte der PCI bis zu ihrer Auflösung 1991 an.
Bei der Europawahl 2004 wurde er über die Liste Italia dei Valori – Di Pietro – Occhetto in das Europäische Parlament gewählt. Dort saß er zunächst in der liberalen ALDE-Fraktion, nach seinem Austritt aus der Partei Italia dei Valori wechselte er aber im Mai 2006 in die Sozialdemokratische Fraktion. Von 2005 bis 2007 war er stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für internationalen Handel des EU-Parlaments. Bei der Europawahl 2009 trat er in Lettland auf der Liste der Partei Für Menschenrechte im vereinten Lettland (PCTVL) an, die vor allem die Interessen der russischsprachigen Bewohner Lettlands vertrat, scheiterte jedoch damit.
Chiesa verbreitete Verschwörungstheorien zum 11. September 2001, zu Chemtrails und HAARP.
Im Kaukasuskrieg 2008 kritisierte Chiesa die westlichen Medien und sagte, Russland habe genau das getan, was getan werden musste. Zum Russisch-Ukrainischen Krieg erklärte er, die Ukraine sei nie ein einheitlicher Staat gewesen, bezeichnete den Euromaidan als vom Westen gesteuerten „nazistischen Staatsstreich“ und drohte mit einem Dritten Weltkrieg. In Moskau erhielt er 2016 den Bunin-Preis. Chiesa war – neben dem gleichfalls verschwörungsaffinen österreichischen Publizisten Hannes Hofbauer und dem Schweizer Journalisten, SVP-Lokalpolitiker und Präsidenten der Handelskammer Schweiz-Russland Guy Mettan. – einer der hauptsächlichen Verbreiter des „Russophobie“-Narrativs der putinistischen Propaganda im Westen. Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch die Russische Föderation 2014 und den darauf reagierenden westlichen Sanktionen publizierten Chiesa, Hofbauer und Mettan fast gleichzeitig Bücher ähnlichen Inhalts, die die Geschichte einer angeblich kontinuierlichen „Russophobie“ vom Mittelalter bis in die Gegenwart („Putinphobie“) ausbreiteten. Chiesas Buch Putinfobia erschien neben dem italienischen Original auch in französischer und russischer Übersetzung. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 benutzte die russische Botschaft in Italien alte Statements von Chiesa posthum zu Propagandazwecken.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chiesa, Giulietto |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Journalist und Politiker, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 4. September 1940 |
| GEBURTSORT | Acqui Terme |
| STERBEDATUM | 26. April 2020 |