Giuseppe Cacialli

Kapelle der Villa Medici Poggio Imperiale

Giuseppe Cacialli (* um 1770 in Florenz; † 6. Oktober 1828 ebenda) war ein italienischer Architekt.

Leben

Er besuchte als Schüler von Gaspare Maria Paoletti die Florentiner Accademia di Belle Arti. Dank der Wertschätzung von Elisa Bonaparte erhielt er in der napoleonischen Zeit zahlreiche Aufträge. Er gilt als Begründer des Neoklassizismus in der Toskana. Im Jahr 1795 wurde er zunächst als Assistent und später als Lehrer an der Accademia di Belle Arti in Florenz aufgenommen.

Im Jahr 1808 wurde er zum Architetto delle Fabbriche della Corona di Toscana ernannt und erhielt in dieser Funktion zahlreiche Aufträge. So arbeitete er beispielsweise zusammen mit Pasquale Poccianti an der Erweiterung der Medici-Villa in Poggio Imperiale und trat damit die Nachfolge von Paoletti an. Während Poccianti für die allgemeine Gestaltung des mittleren Teils der Fassade verantwortlich war, entwarf Cacialli vor allem die beiden Seitenflügel, die Kapelle und die Einrichtung des Ballsaals. Anschließend trat er Pocciantis Nachfolge bei der Realisierung der Außentreppen der Medici-Villa in Poggio a Caiano an.

Boboli-Gärten, Porta di Annalena

Im Jahr 1790 nahm er an dem von der Accademia di belle arti di Parma ausgeschriebenen Wettbewerb für den Bau des neuen Zollamtes am Fluss Parma teil. Von dem Entwurf Giuseppe Caciallis, der den Wettbewerb nicht gewann, sind drei Tafeln in Aquarellfarbe im Istituto P. Toschi in Parma erhalten geblieben: der Grundriss, die Ansicht und der Schnitt sowie die perspektivische Ansicht. Den Wettbewerb gewann der Architekt Jacopo Coriazza.

Giuseppe Cacialli stellte 1813 zusammen mit Giuseppe Del Rosso und Luigi de Cambray Digny den Entwurf für einen Napoleon Bonaparte gewidmeten Triumphbogen vor. Dieser sollte auf dem Col du Mont Cenis errichtet werden.

Seine Tätigkeit wurde durch die Restauration nicht unterbrochen und er behielt auch sein öffentliches Amt, wenn auch unter dem anderen Titel Architetto dello Scrittoio delle Regie Fabbriche. Auch sein Stil blieb im Wesentlichen unverändert und war weiterhin von szenografischer Erhabenheit geprägt, aber auch von der nüchternen Klassik der Dekorationen. Er arbeitete im Palazzo Pitti und gestaltete die Säle der heutigen Galleria Palatina, die damals die Privatgemächer des Großherzogs beherbergten, darunter den Sala dell’Iliade, den Sala dei Novissimi, den Sala di Ercole und den eleganten Sala da Bagno. Im Teatro della Pergola richtete er die Königsloge ein und in den Medici-Villen von Castello und Pratolino renovierte er die Gärten.

Er entwarf auch die Eingänge zum Boboli-Garten mit den imposanten Löwenstatuen und die Porta di Annalena an der Via Romana. An der Kirche San Pancrazio übernahm er die Fassade mit einer Serliana von Leon Battista Alberti, die sich bereits im Inneren der Kirche befand.

Schriften

  • Giuseppe Cacialli: Raccolta di progetti architettonici, ideati dall’architetto Giuseppe Cacialli e disegnati ed incisi da Fabio Nuti e Carlo Chirici. Vincenzo Batelli e figli, Florenz 1831 (italienisch).

Literatur

Commons: Giuseppe Cacialli – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Dizionario Biografico degli Italiani
  2. ↑ Giuseppina Benassati, Lauro Rossi (Hrsg.): L’Italia nella Rivoluzione 1789 1799. Ausstellungskatalog der Biblioteca Nazionale Centrale di Roma. Grafis Edizioni, Casalecchio di Reno 1990, S. 300–302 mit Fotos.
  3. ↑ L. Zangheri: Firenze e la Toscana nel periodo napoleonico. Progetti e realizzazioni. In: Villes et territoire pendant la période napoléonienne (France et Italie). Actes du colloque de Rome (3–5 mai 1984). Rom 1987, S. 319 (französisch, italienisch).