Gladenbach Stadt Gladenbach | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 46′ N, 8° 35′ O |
| Höhe: | 262 m ü. NHN |
| Einwohner: | 4820[Ohne Beleg] |
| Postleitzahl: | 35075 |
| Vorwahl: | 06462 |
Blick auf Gladenbach vom Koppeturm | |
Gladenbach (mundartlich Gloarebach, im Ortsdialekt Gladebach, seltener auch Groß-Gladenbach zur Unterscheidung von Kleingladenbach) ist eine Kleinstadt im Südosten des Hessischen Hinterlandes und als solche ein Ortsteil der gleichnamigen Stadtgemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Er ist mit knapp 5000 Einwohnern der größte der Gemeinde, deren Zentrum und Sitz der der Gemeindeverwaltung. Gladenbach ist nach Biedenkopf der zweitgrößte Ort des Hessischen Hinterlandes.
Gladenbach liegt im nach ihr benannten Gladenbacher Bergland, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland.
Die Stadt liegt im Naturraum Salzbödetal der Haupteinheit 320 – Gladenbacher Bergland.


Gladenbach wurde im Jahr 1237 als Gerichtsort erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor, etwa in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, hatten vermutlich Gladenbacher Ritter (von Gladenbach) die heute nur noch als Ruine vorhandene Burg Blankenstein erbauen lassen. Die Besatzung der Burg hatte auch den Auftrag, den nördlich vorbei führenden bedeutenden hochmittelalterlichen Fernhandelsweg von Leipzig nach Köln, Brabanter Straße genannt, zu sichern.
Die Burg wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt wurde 1647 anstelle des Schlosses ein Amtshaus errichtet. Ab 1775 wurden die Mauerreste als Steinbruch genutzt. 1821 bis 1832 war Gladenbach Sitz des Landratsbezirks Gladenbach. Erst 1937 erhielt Gladenbach das Stadtrecht.
Gladenbach 1830
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Gladenbach:
„Gladenbach (L. Bez. gl. N.) Marktflecken; liegt 4 1⁄2 St. nordwestlich von Giessen, so wie an der von Giessen nach Biedenkopf ziehenden Chaussee, und 780 Hess. (600 Par.) Fuß über der Meeresfläche. Gladenbach hat 179 Häuser 1030 Einwohner, die außer 10 Kath. und 104 Juden evangelisch sind, und ist der Sitz des Landraths, des Landrichters, des Rentamtmanns, des Steuerkommissärs und eines Grenznebenzollamts I. Classe. Man findet eine Posthalterei, eine Mahlmühle, eine Tabaksfabrik, die nur geringe Sorten liefert; sodann in der Gemarkung die geringen Ueberreste der Burg Blankenstein, ein verlassenes Silberbergwerk im Kirchberg, mehrere Brüche von Schieferwacke, die aber wegen ihrer Sprödigkeit nur als Mauersteine benutzt werden können, und endlich einen Dachschieferbruch. Letzterer, der zwar einen vorzüglich guten Stein, aber keine reiche Ausbeute liefert, wird durch eine Privatgesellschaft betrieben, und könnte, bei gehöriger Unterstützung, nicht nur ergiebiger, sondern auch für die dortige Gegend, ein nicht unwichtiger Erwerbszweig werden. Jährlich werden 5 Märkte, und darunter 3 Viehmärkte, gehalten. – Schon 913 kommt ein Gladenbach, welches ohne Zweifel das gegenwärtige war, vor. Ein Priester überließ damals seine, sowohl hier als in Breidenbach gelegenen Güter, zu welchen 42 Leibeigene gehörten, dem Stifte Weilburg. Die Entstehung der Kirche ist im Dunkeln; sie besaß ein sehr ausgedehntes Kirchengebiet, aus welchem wahrscheinlich die ehemalige Cent Gladenbach hervorging. Vermuthlich kam diese von dem Gisonischen Hause, nebst Biedenkopf, an die Landgrafen. Auf die Gerichtsbarkeit machten noch 1237, die Herrn von Merenberg (Erben der Grafen von Gleiberg) Ansprüche, entsagten aber ihren Rechten durch einen Vergleich im Jahr 1323. Des Bergbau's im Kirchberg gedenkt Landgraf Philipp der Großmüthige in seinem Bergpatent vom Jahr 1537. Im größten Flor war dieses Werk unter Landgraf Ludwig von Marburg, der auch die Münze, da wo jetzo das Amthaus stehet, hatte bauen lassen und in welcher 1558 die jetzo sehr seltenen Gladenbacher Thaler geschlagen wurden. Seit der Zerstörung des Schlosses Blankenstein, 1770, ist Gladenbach der Beamtensitz.“
und über das am 1. Januar 1929 eingemeindete Ammenhausen:
„Ammenhausen (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt einige Minuten von Gladenbach, wohin es auch eingepfarrt ist, hat 13 Häuser und 72 Einw. die evangelisch sind und alle dem Bauernstand angehören.“
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Gladenbach angehört(e):
Die Rechtsprechung ging 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden wurden aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt. Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden. Vom 1. Oktober 1944 bis 1. Januar 1949 gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach, welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte. Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.
| Quelle: | Historisches Ortslexikon |
| • 1502: | 15 Männer |
| • 1577: | 40 Hausgesesse |
| • 1630: | 32 Hausgesesse |
| • 1677: | 11 Männer, 3 Jung-Mannschaften, 2 ledige Mannschaften |
| • 1742: | 26 Haushalte |
| • 1791: | 805 Einwohner |
| • 1800: | 799 Einwohner |
| • 1806: | 889 Einwohner, 156 Häuser |
| • 1829: | 1030 Einwohner, 179 Häuser |
| Gladenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1967 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 805 | |||
| 1800 | 799 | |||
| 1829 | 1.030 | |||
| 1834 | 1.084 | |||
| 1840 | 1.112 | |||
| 1846 | 1.164 | |||
| 1852 | 1.180 | |||
| 1858 | 1.211 | |||
| 1864 | 1.217 | |||
| 1871 | 1.119 | |||
| 1875 | 1.115 | |||
| 1885 | 1.280 | |||
| 1895 | 1.398 | |||
| 1905 | 1.533 | |||
| 1910 | 1.513 | |||
| 1925 | 1.513 | |||
| 1939 | 1.953 | |||
| 1946 | 2.971 | |||
| 1950 | 3.154 | |||
| 1956 | 3.161 | |||
| 1961 | 3.176 | |||
| 1967 | 3.573 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; (1939: Bevölkerungszahl mit dem 1929 eingemeindeten Ammenhausen) | ||||
| Quelle: | Historisches Ortslexikon |
| • 1829: | 916 evangelische (= 88,92 %), 10 römisch-katholische (= 0,97 %), 104 (= 10,40 %) jüdische Einwohner |
| • 1885: | 1100 evangelische (= 85,94 %), 34 katholische (= 2,22 %), 146 jüdische (= 11,41 %) Einwohner |
| • 1961: | 2229 evangelische (= 70,18 %), 883 katholische (= 27,80 %) Einwohner |
| • 1867: | Erwerbspersonen: 46 Landwirtschaft, 5 Forstwirtschaft, 15 Bergbau und Hüttenwesen, 51 Gewerbe und Industrie, 44 Handel, 24 Verkehr, 156 persönliche Dienstleistungen, 8 Gesundheitspflege, 3 Erziehung und Unterricht, 3 Kirche und Gottesdienst, 5 Staatsverwaltung, 9 Justiz, 5 Gemeindeverwaltung, 23 Personen ohne Berufsausübung, 8 Personen ohne Berufsangabe. |
| • 1961: | Erwerbspersonen: 79 Land- und Forstwirtschaft, 663 produzierendes Gewerbe, 296 Handel und Verkehr, 303 Dienstleistungen und Sonstiges. |
Für den Ortsteil Gladenbach wurde ein eigener Ortsbeirat installiert. Für die Sitzverteilung siehe die nebenstehende Grafik.
Das Wappen wurde Gladenbach anlässlich Feier der 700. Wiederkehr der Ersterwähnung zugleich mit den Stadtrechten durch den Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau am 24. Juli 1937 amtlich verliehen.
| Blasonierung: „Geteilt von Blau und Grün; oben ein wachsender, golden gekrönter und golden bewehrter, dreimal von Silber und Rot geteilter Löwe, unten ein goldener Schragen.“ | |
| Wappenbegründung: Mit dem hessischen Löwen ist zum Ausdruck gebracht, dass der Ort seit 1323 zu Hessen gehört hat; dessen Vorgänger im Besitz des Gladenbacher Gerichtes, die Dynasten von Merenberg, haben das Schrägkreuz als Wappen geführt. Ein eigenes Siegel hat Gladenbach in älterer Zeit nicht besessen; als Sitz des Amts Blankenstein hat es mitunter dessen Amtssiegel (mit dem gekrönten hessischen Löwen) mitverwendet.
Das Wappen wurde von dem Heraldiker Otto Hupp aus Oberschleißheim gestaltet. |
Am 8. Mai 1956 genehmigte der Hessische Minister des Innern die Flagge mit folgender Beschreibung:
„Die hängende Flagge zeigt im oberen Drittel in gelbem Feld das Wappen der Stadt Gladenbach und darunter eine Dreistreifenbahn von Grün - Gelb - Grün (1:1:1).“
Eine amtliche Hissflagge führte die Stadt nicht. Lokal wird jedoch, angelehnt an die Bannerflagge, eine grün-gelb-grüne Flaggenbahn, belegt mit dem Stadtwappen verwendet.
Im Jahr 2004 gab es vier mit großem Polizeischutzaufgebot durchgeführte, legal angemeldete Aufmärsche von auswärtigen Neonazis, die größere Gegendemonstrationen auslösten. Zu letzteren hatte das Bürgerbündnis Gladenbach, ein auf Anregung des Schulleiters Siegfried Seyler gegründeter Zusammenschluss von Kirchen, Jusos, DGB und Bürgern, aufgerufen. Zentrum der rechtsextremistischen Aktivitäten waren Gladenbach, Kirtorf (Vogelsberg) und Marburg. Die größte Gruppe der Rechtsextremisten mit einer Personenanzahl von ca. 30 Rechtsextremisten sowie einem großen Sympathisantenumfeld ist das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM), ein Zusammenschluss regionaler freier Kameradschaften. Ende 2004 löste sich das ABM eigenständig auf, um ein Verbot durch das hessische Innenministerium zu umgehen. Deren Aktivisten führten die Aktivitäten in anderen neonazistischen Gruppen fort. Das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM) war die aktivste und größte neonazistische Gruppe in Hessen (vergl. Verfassungsschutzbericht Hessen 2004).
Im Juli 2024 veranstaltete Martin Sellner, Aktivist der Neuen Rechte, eine Lesung mit etwa 50 Teilnehmern in Gladenbach, nachdem diese ursprünglich in Marburg angekündigt worden war. Unterstützt wurde Sellner bei der Organisation von ehemaligen Akteuren des ABM.

Der Georg-Ludwig-Hartig-Park ist eine weitläufige Parkanlage mit zahlreichen Rasenflächen. Sie erinnert an den in Gladenbach geborenen Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig (1764–1837). Durch den Park führt der Georg-Ludwig-Hartig-Weg, an dem auch ein Gedenkstein für Hartig zu finden ist.
Eine wichtige durchgehende Verkehrsachse in ost-westlicher Orientierung ist die Bundesstraße 255, die Gladenbach aus Richtung Marburg kommend quert. Im Siedlungsgebiet mündet die Bundesstraße 453 von Norden aus Richtung Biedenkopf kommend ein.
Gladenbach ist mit Bussen an das ÖPNV-Netz des RMV über die Haltestellen Vorgartenstraße, Sinkershäuser Weg, Schule/Rathaus, Busbahnhof, Bornrainstraße, Amtsgericht, Würtenberg, Mornshäuser Straße und Alter Bahnhof angebunden.
Außerdem steuern die Schulbuslinien MR-37, MR-39, MR-43 und MR-53 über die Haltestelle Schule/Leinweberstraße die örtliche „Europaschule“ an.
Folgende Linien fahren den Ort regulär an:
Der Bahnhof Gladenbach lag an der Aar-Salzböde-Bahn. Im Januar 1992 wurde der Güterverkehr eingestellt; im Mai 1995 folgte der Personenverkehr und damit die Gesamtstilllegung. Seit 2018 wird eine Reaktivierung der Strecke diskutiert; laut Vorstudie würde dann der Busbahnhof zum Bahnhof verlegt werden, um einen Verknüpfungspunkt mit der Bahn zu schaffen. Das Gelände und das ehemalige Bahnhofsgebäude sollen unabhängig davon umgenutzt und verkauft werden. Im Rahmen einer „Hinterlandbahn“ von Wetzlar nach Biedenkopf war geplant, den Gladenbacher Bahnhof zum Kreuzungspunkt auszubauen. Darüber hinaus sollte die Stadt einen Haltepunkt „Gladenbach Nord“ erhalten. Aus Kriegsgründen wurden diese Planungen aber nie realisiert.
Anmerkungen
Einzelnachweise