Gohre ist ein Rundplatzdorf mit Kirche auf dem Platz, das nach Westen und Süden erweitert wurde. Es liegt etwa 6 Kilometer südwestlich der Kernstadt von Stendal in der Altmark.
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Im Jahre 1287 wurde ein Henningus de Gore in Tangermünde als Zeuge in einer Urkunde aufgeführt.
Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Gohre stammt aus dem Jahre 1290 als villa Gore. Die Markgrafen Otto IV. und Konrad vereigneten dem Stendaler Domstift je eine Wispel Roggen und Gerste im Dorf Gore auf Bitten ihres getreuen Bürgers Gerdingi de Stendal. Weitere Nennungen sind 1319 villa ghor und 1345 villa goer. Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Gor und Gore aufgeführt. Andere Erwähnungen sind 1420 Gore in dem stendelschen lande, 1687 Gohre und 1804 Dorf Gohre mit zwei Gütern, Schmiede, Windmühle und Krug.
Bereits 1345 gab es eine Mühle im Dorf. Die Windmühle stand noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts südlich des Dorfes.
Gohre war Stammsitz der Familie von Gohre, deren Nachkommen als Freiherren von Gor später in Bayern ansässig waren. Vor 1474 bis 1748 hatte dann die Familie von Kläden eine Rittersitz, das spätere Rittergut I, inne.
Ursprünglich war das Dorf rund angelegt. Nach einem Großbrand am 9. August 1823 wurde die Anlageform jedoch verändert. Gohre war eine selbstständige Gemeinde und ein Pfarrdorf.
Das Gemeindezentrum der Gemeinde Dahlen befand sich in Gohre.
Herkunft des Ortsnamens
Der Ortsname wird abgeleitet vom slawischen „gora“ für „Höhe“.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Gohre nach Dahlen eingemeindet.
Dahlen wurde am 1. September 2010 nach Stendal per Gesetz eingemeindet. Seitdem gehört der Ortsteil Gohre zur neu gebildeten Ortschaft Dahlen und zur Stadt Stendal.
Einwohnerentwicklung
Jahr
Einwohner
1734
132
1772
080
1790
139
1798
160
1801
188
1818
159
1840
193
Jahr
Einwohner
1864
242
1871
258
1885
222
1892
[00]207
1895
228
1900
[00]216
1905
207
Jahr
Einwohner
1910
[00]207
1925
207
1939
211
1946
389
2013
[00]153
2014
[00]153
2018
[00]152
Jahr
Einwohner
2019
[00]152
2021
[00]152
2022
[00]153
2023
[0]157
Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1946:
Im Jahre 1798 hatte das Dorf 136, das erste Gut 11 und das zweite Gut 13 Einwohner.
Die evangelische Dorfkirche Gohre, ein Feldsteinbau, ist vermutlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet worden. 1980 ist die Kirche neu ausgemalt und der Kanzelaltar restauriert worden.
Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof.
In Gohre steht eine Denkmalanlage neben der Kirche. Eine Stele erinnert an die Gefallenen des Krieges von 1870/71. Den Gefallenen des Ersten Weltkriegs wird gedacht mit einer aufgerichtete Granitplatte mit abgestuftem Sockel und davorgestellten eisernen Kreuzen aus Stein.
Noch im Jahre 1996 wurde von einem alten Backofen in der Straße „Im Gohrer Winkel“ berichtet.
Sage aus Gohre
Alfred Pohlmann überlieferte 1901 eine Sage in plattdeutscher Mundart über einen Bauern aus Gohre („Guhr“) mit seiner Kuh und dem Teufel, der „woll äm van'n rechten Weg afbräng'n“. Doch der schlaue Bauer schlug dreimal mit einem „Stoahl“ auf seinen Feuerstein und vertrieb so den Teufel.
Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.96 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes:Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W.Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC1071081004, S.294, 35. Gohre (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Weblinks
Hansestadt Stendal:Ortschaften.In:stendal.de.Abgerufen am 2.April 2023
↑Christian Popp:Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Halberstadt 1. Das Stift St. Nikolaus in Stendal (=Germania Sacra, Neue Folge. Band49). S.179 (Digitalisat).
↑Johannes Schultze:Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (=Brandenburgische Landbücher. Band2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S.342.
123Gudrun Walinda:Kirchen der Altmark. Region Stendal. Hrsg.: Landkreis Stendal – Amt für Wirtschaftsförderung (=Kirchen der Altmark. Ausflüge zu steinernen Zeugen der Geschichte. I. Region Stendal). DBW-Verlag, Berkheim 1996, S.40.
↑Friedrich Hoßfeld, Ernst Haetge:Der Kreis Stendal Land (=Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band3). Hopfer, 1933, DNB362544441, S.72–73.
↑nach Friedrich Hoßfeld: Heinrich Sültmann:Die Ortsnamen im Kreise Stendal. In: Altmärkische Tageszeitung. Juli 1932, ZDB-ID2511766-X, Beilage „Die Altmärkische Heimat“.
↑Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl, S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr.18, 5.August 1950, ZDB-ID511105-5, S.279 (PDF).
↑Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Stendal (GemNeuglG SDL) Vom 8. Juli 2010. 8.Juli 2020, GVBl. LSA 2010, 419, § 2, § 5 (sachsen-anhalt.de[abgerufen am 5.September 2020]).
123Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.96 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
12Bernd-Volker Brahms:Erstmals seit der Wende ein Plus. In: Stendaler Volksstimme. 13.Januar 2015, S.13.
12Donald Lyco:Nach zehn Jahren wieder unter 40.000. In: Stendaler Volksstimme. 10.Januar 2020, S.13.
↑Donald Lyko:Und es werden immer weniger. In: Stendaler Volksstimme, Der Altmärker. 11.Januar 2022, DNB1002381223, S.13.
↑Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID551010-7, S.150 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Ernst Machholz:Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID504809-6, S.17 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Alfred Pohlmann:Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S.13, Der beherzte Bauer und der Teufel (archive.org).