Gortzius gewann an Bedeutung und erhielt eine Anstellung beim Herzog von Terranuova, Carlo d’Aragona, den er regelmäßig auf seinen Dienstreisen begleitete, so unter anderem auch 1579 zu Friedensverhandlungen mit den Niederlanden nach Köln. Die Begleitung eines Malers war zu jener Zeit Tradition und sie hielten, wie heute die Reporter, die Eindrücke, Menschen und Sehenswürdigkeiten auf ihren Zeichnungen fest. Bis zu d’Aragonas Tod um 1618 blieb Gortzius dessen treuer Begleiter.
Bereits ab 1610 übernahm Geldorp Gortzius die Stelle von Bartholomäus Bruyn dem Jüngeren im Rat der Stadt Köln. Einige seiner Werke wurden von Crispiaen/Crispin de Pas (1564–1637) in Kupfer gestochen, andere von Peter Isselburg. Um 1601 vervielfältigt de Pas Geldorps Porträt des Kurfürsten Lothar von Trier.
Gortzius Sohn Georg Geldorp wurde ein bekannter Porträtmaler und war Mitte des 17. Jahrhunderts in England tätig.
Stil
Geldorp verfügte über einen kräftigen glänzenden Kolorismus. Braun dominierte auf seiner Farbpalette. Seine Spätwerke kennzeichnen weiche Übergänge und ein bläulicher Ton der Manschetten und Kragen.
Um 1920 existierten von seinen circa 70 Porträts, meist auf Holz, noch etwa 30 in Köln. Sein Œuvre umfasst neun Familienbildnisse, das letzte datiert von 1610. Seine Werke wurden teils mit denen von Hans von Aachen verwechselt.
Porträt Simon VI. zur Lippe, 1601
Susanna und die Alten, 1600–1604
Bildnis einer Dame, 1597
Esther und Ahasuerus, 1612
Werke (Auswahl)
Bildnis eines Mannes, 1597Bildnis einer eleganten Dame als Venus, zwischen 1580 und 1618
1594 Miniaturbild von Eberhard III. Jabach und seiner Ehefrau für Eberhard III. Jabach (* 21. Dezember 1567 Antwerpen; † 23. Mai 1636 Köln.), Schloss Elsum bei Wassenberg
1598 Johann von Lyskirchen, 1920: Köln Rathaus
1598 Bildnis des Christian Feist, Öl auf Eichenholz, 77,5 × 63 cm, Landesmuseum Mainz
1600 Eberhard III. Jabach und seine Ehefrau, Ölgemälde für Eberhard III. Jabach, Privatbesitz/Rheinisches Landesmuseum, Bonn
Gekreuzigter, lebensgroß, 1920: Sitzungssaal in Kölner Rathaus.
Literatur
Karel van Mander: Het leven van Gualdrop Gortzius, gheseyt. In: Schilder-Boeck. Wachter, Amsterdam 1604, fol. 280r und 280v (dbnl.org).
Karel van Mander:Het leven der doorluchtige Nederlandsche en eenige Hoogduitsche schilders …Band2. Steven van Esveldt, Amsterdam 1764, S.82–83 (Textarchiv– Internet Archive).
Alfred Woltmann, Karl Woermann: Geschichte der Malerei. Band III: Die Malerei von der Mitte des 16. bis zu Ende des 18. Jahrhunderts. Fünftes Buch: Die Malerei der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts S. 88 (digi.ub.uni-heidelberg.de).
↑Abbildung in: O. H. Förster: Kölner Kunstsammler. 1931, sowie in P. P. Trippen: Jabach, die Fugger-Familie des Westens. 1938 (laut Gudrun Calov:Jabach, Eberhard III. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S.208–209 (deutsche-biographie.de).)