Gottardo Induni

Gottardo Induni (* 7. Oktober 1858 in Ligornetto, heute Quartier von Mendrisio; † 9. November 1918 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer.

Leben und Werk

Vincenzo Velas Grabmal in Ligornetto, 1893 von Gottardo Induni und Luigi Piffaretti ausgeführt

Die Familie Induni stammt wahrscheinlich aus Induno in der Lombardei und wird 1539 erstmals in Ligornetto erwähnt, wo Gottardo Induni 1858 als Sohn von Pietro und Angela Solcà geboren wurde. Er studierte an der Accademia di Brera in Mailand und bildete sich hernach bei Vincenzo Vela fort. Er galt als einer der besten Schüler Velas. 1883 unterstützte er Vela und Raimondo Pereda bei der Ausarbeitung der Kolossalstatue der Helvetia für das Eidgenössische Schützenfest in Lugano. Auf der Schweizerischen Landesausstellung 1883 in Zürich stellte er einen Heiligen Nikolaus aus.

Induni gehörte der radikal-liberalen Partei des Kantons Tessin an und veröffentlichte regelmässig polemische Leserbriefe im Parteiblatt Il Dovere. Wohl aus wirtschaftlichen Gründen und um politischen Repressionen zu entgehen, emigrierte er um 1884 nach London. Hier gehörte er dem Tessiner liberalen Verband «Guglielmo Tell» an, half 1884 bei der Dekoration des neuen Sitzes des liberalen Vereins «Il Dovere» mit und heiratete 1887 Josephine Castioni (* 1863), die Tochter seines Landsmanns Angelo Castioni (1834–1906), der seit etwa 1881 mit seinem Neffen Rudolpho Pelli ein Atelier an der Upper Cheyne Row 3 im Stadtteil Chelsea unterhielt. Der Ehe entsprangen die Söhne Peter (ca. 1883–1943) und Joseph (ca. 1893–1956), die beide ebenfalls Bildhauer wurden. Induni lebte und wirkte ab etwa 1887 an der Upper Cheyne Row 1. 1887 und 1888 stellte er an der Royal Academy of Arts eine Statuette bzw. einen Kopf aus. Beim verschiedentlich erwähnten Denkmal der Königin Victoria, das er geschaffen haben soll, handelt es sich wohl um eine Marmorstatue, die sein Schwiegervater Castioni 1893 für Prinzessin Louise in den Kensington Gardens gefertigt hatte und an der Induni allem Anschein nach mitgewirkt hatte.

Induni blieb seiner Heimat aus der Ferne verbunden. 1890 leitete er eine Spendensammlung zur Errichtung des Carlo-Battaglini-Denkmals in Lugano. Nach Velas Tod 1891 fertigte er eine Büste seines Meisters, die er 1893 an den Salon de Paris und 1894 an die Accademia di Brera sandte. 1893 führte er zusammen mit Luigi Piffaretti die Marmorarbeiten an Velas Grabmal in Ligornetto aus, seinem einzigen heute erhaltenen Werk.

Um 1911 kehrte Induni in die Schweiz zurück. Er starb 1918 im Alter von 60 Jahren in Ligornetto, vielleicht an der Spanischen Grippe.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Foletti 2001 gibt abweichend davon den 6. September als Geburtstag an.
  2. ↑ Foletti 2001 gibt abweichend davon den 8. November als Todestag an.
  3. 1 2 3 4 Celestino Trezzini: Gottardo Induni. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 4, 1927, S. 345 (PDF; 28,1 MB; Digitalisat).
  4. 1 2 3 4 5 6 Giulio Foletti: Gottardo Induni. In: Arte nell’Ottocento. La pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Armando Dadò, Locarno 2001, S. 303–305.
  5. ↑ Jeanne Béha-Castagnola: Gottardo Induni. In: Carl Brun (Hrsg.): Schweizerisches Künstler-Lexikon. Band 2, 1908, S. 120 (archive.org).
  6. ↑ Schießplatz in Lugano. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 165, 14. Juni 1883, S. 1 (online).
  7. ↑ Die früher gängige Jahresangabe 1886 wurde von Foletti 2001 korrigiert.
  8. 1 2 Angelo Castioni. In: Mapping the Practice and Profession of Sculpture in Britain and Ireland 1851–1951. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  9. 1 2 3 Gottardo Induni. In: Mapping the Practice and Profession of Sculpture in Britain and Ireland 1851–1951. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  10. ↑ Pel monumento a Carlo Battaglini. In: Gazzetta Ticinese. 10. Juli 1890, S. 3 (online).
  11. ↑ Nancy J. Scott: Vincenzo Vela 1820–1891. Garland Publishing, New York / London 1979, S. 60.
Personendaten
NAME Induni, Gottardo
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Bildhauer
GEBURTSDATUM 7. Oktober 1858
GEBURTSORT Ligornetto
STERBEDATUM 9. November 1918
STERBEORT Ligornetto