Gottfried Taubert

Gottfried Taubert (getauft 30. Juli 1670 in Ronneburg (Thüringen); † 6. Juli 1746 in Zerbst) war ein deutscher Tanzmeister der Barockzeit.

Leben

Taubert wurde als Sohn des Ronneburger Zeugmachers Christoph Tauber[t] und von Anna Brämmer geboren. Er besuchte ab 1686 Vorlesungen der Universität Leipzig und von 1693 bis 1695 studierte er in der Messestadt. 1702 ließ er sich in Danzig nieder, kehrte aber 1715 wieder nach Leipzig zurück, wo er 1717 sein umfangreiches Tanzbuch Rechtschaffener Tanzmeister publizierte. Es enthält auch die erste deutsche Übersetzung der französischen Choreographie von Raoul-Auger Feuillet sowie die Anleitungen der Tänze nach Raoul-Auger Feuillet und Louis Pécour. 1727 veröffentlichte er Kurtzer Entwurff der Nutzbarkeit des Künstlichen Tantz-EXERCITII. Von etwa 1730 bis zu seinem Tode war er Hoftanzmeister in Zerbst.

Taubert dürfte unter den deutschen Tanzbuchautoren den nachhaltigsten Einfluss ausgeübt haben. Es ist letztlich das umfassendste Zeugnis der deutschen Rezeption der barocken französischen Tanzkunst. Tilden Russell brachte 2012 eine englische Übersetzung dieses Werkes heraus und versah es mit einem auf umfangreichen Vorstudien aufbauenden Einleitungsband. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Leipzig geradezu eine „Hochburg der akademischen Tanzkunst“, wie Walter Salmen es nannte. Taubert hatte großen Anteil daran, dass es dazu kam.

Werke

Der Rechtschaffene Tantzmeister

Literatur

Commons: Gottfried Taubert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Konstanze Musketa: „daß ein rechtschaffener Tantzmeister müsse ein guter Musicus seyn“: Anmerkungen zum Wirken des Tanzmeisters Gottfried Taubert (1670–1746). In: Zerbst zur Zeit Faschs – ein anhaltinischer Musenhof. ortus, Beeskow 2015, ISBN 978-3-937788-47-0, S. 127–144, hier S. 138.
  2. ↑ Hanna Walsdorf: Neue Quellenfunde zur Biographie Gottfried Tauberts. In: Hanna Walsdorf, Marie-Thérèse Mourey, Tilden Russell (Hrsg.): Tauberts „Rechtschaffener Tantzmeister“ (Leipzig 1717): Kontexte – Lektüren – Praktiken. Frank & Timme, Berlin 2019, ISBN 978-3-7329-0428-0, S. 127–172, hier: S. 129 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. ↑ Im Ronneburger Taufregister steht er als Tauber.
  4. ↑ Nachgewiesen ist sowohl eine Immatrikulation von 1686 und eine von 1693. Georg Erler (Hrsg.): Die Jüngere Matrikel der Universität Leipzig 1559–1809. Bd. 2. Die Immatrikulationen vom Wintersemester 1634 bis zum Sommersemester 1709. Leipzig 1909, S. 451, Zitat: „Tauber (vgl. Teuber) Godfr. Ronneburg Misn. dp. 16 gr. I W 1686 M 43, I S 1693 M 197.“ Dass wie hier die Studienrichtung nicht angegeben wurde, ist zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches.
  5. ↑ Stephanie Schroedter: Vom „Affect zur Action“: Quellenstudien zur Poetik der Tanzkunst vom späten Ballet de Cour bis zum frühen Ballet en Action. Würzburg 2004, S. 75 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. ↑ Tilden Russell (Hrsg.): The Compleat Dancing Master: A Translation of Gottfried Taubert’s Rechtschaffener Tantzmeister (1717). Band 1: Introduction, Band 2: Translation. Frankfurt am Main 2012.
  7. ↑ Tilden Russell: The Minuet according to Taubert. In: Dance Research: The Journal of Society of Dance Research. Vol. 24, No 2 (Winter, 2006), S. 138–162.
  8. ↑ Tilden Russel, Dominique Bourassa: The Menuet de la Cour (= Terpsichore. Tanzhistorische Studien für das Deutsche Tanzarchiv Köln. Bd. 4). Hildesheim 1997.
  9. ↑ Salmen 1997, S. 75.
  10. ↑ Todte 2016, S. 123–136.
Personendaten
NAME Taubert, Gottfried
KURZBESCHREIBUNG deutscher Tanzmeister der Barockzeit
GEBURTSDATUM getauft 30. Juli 1670
GEBURTSORT Ronneburg (Thüringen)
STERBEDATUM 6. Juli 1746
STERBEORT Zerbst