
Graciela Beatriz Salicrup López (* 7. April 1935 in Mexiko-Stadt, Mexiko; † 29. Juni 1982 ebenda) war eine mexikanische Architektin, Mathematikerin und Hochschullehrerin. Sie war eine Pionierin auf dem Gebiet der kategorialen Topologie in den 1970er und 1980er Jahren. Die Haupthalle des Instituts für Mathematik an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) wurde nach ihr benannt.
Salicrup war die Tochter von Pedro Roberto Salicrup Deschamps und Concepción López Gutiérrez. Ihre Grundschulbildung erhielt sie am Colegio Alemán Alexander von Humboldt (Mexiko-Stadt). In der 1894 gegründete Schule wurden die Schüler auf Deutsch unterrichtet und die Schule war nach dem Vorbild deutscher Schulen im Ausland gestaltet. Anschließend besuchte Salicrup ein von Nonnen geführtes religiöses Gymnasium. Nachdem sie ihr Studium der Architektur begonnen hatte, heiratete sie den Psychiater Armando Hinojosa y Cavazos, mit dem sie drei Kinder bekam. 1959 schloss sie ihr Architekturstudium an der UNAM ab.
In den folgenden Jahren arbeitete sie mit der Archäologin Laurette Séjourné an der archäologischen Stätte von Teotihuacan zusammen, wo sie Vermessungen und Zeichnungen anfertigte und einige der Ausgrabungen in Teilen der archäologischen Zone leitete. Gemeinsam mit anderen Forschern untersuchten Salicrup und Séjourné die Architektur von Teotihuacán, deren Überreste unter anderem die Sonnen- und Mondpyramiden umfassen und die heute die meistbesuchte archäologische Stätte Mexikos darstellt. In ihren gemeinsamen Untersuchungen mit Séjourné versuchte sie anhand der Geometrie der ausgegrabenen Ruinen das Leben der Menschen, die in Teotihuacán gelebt hatten, zu verstehen. Salicrup und Séjourné veröffentlichten 1966 das Buch Arquitectura y pintura en Teothihuacán, in dem Salicrup und Manuel Romero die Illustrationen anfertigten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches hatte Salicrup bereits ein Studium der Mathematik begonnen.

1964 schrieb sich Salicrup an der Fakultät für Naturwissenschaften der UNAM für Mathematik ein. Während ihres Mathematikstudiums an der Fakultät unterrichtete sie von 1966 bis 1968 Mathematik an der Fakultät für Architektur der UNAM. Sie schloss ihr Mathematikstudium 1969 mit der Arbeit Subgrupo de Jiang-Bo-Ju ab. Die in dieser Arbeit untersuchte Jiang-Untergruppe war ein topologisches Konzept des chinesischen Mathematikers Jiang Boju. Der Betreuer ihrer Bachelorarbeit war Roberto Vázquez gewesen und sie begann unter seiner Betreuung ihre Promotion. 1969 nahm sie eine Lehrtätigkeit an der Fakultät für Naturwissenschaften der UNAM auf und wurde 1970 zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Institut für Mathematik der UNAM ernannt. Salicrup promovierte 1978 mit der Dissertation: Epireflexividad y conexidad en categorías konkrete topológicas. Salicrup und Vázquez veröffentlichten eine Reihe von Aufsätzen, unter anderem Fibraciones y correflexiones (1970), Fibraciones y correflexiones II (1972), T-Koeffizienten (1973), Reflexividad y coconexidad en Top (1974).
Salicrup und Vázquez gehörten zu den ersten Mathematikern, die erkannten, dass bestimmte topologische Konzepte und Konstruktionen am besten im Rahmen der Kategorientheorie verstanden werden können. Sie analysierten topologische Probleme mithilfe kategorientheoretischer Begriffe und Methoden und mussten in vielen Fällen zunächst die noch fehlenden kategorientheoretischen Instrumente entwickeln. Fast ein Jahrzehnt lang veröffentlichten sie etwa eine gemeinsame Arbeit pro Jahr. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in einer Zeitschrift, die in der nicht-spanischsprachigen Mathematikerwelt weder bekannt noch leicht zugänglich war. So blieb ihre Arbeit, die ansonsten einen erheblichen Einfluss auf die kategorientheoretische Topologie gehabt hätte, lange Zeit nahezu unbekannt, und einige ihrer Ergebnisse mussten von späteren Forschern unabhängig voneinander rekonstruiert werden.
Der deutsche Mathematiker Horst Herrlich war wie Salicrup ein Pionier der kategorialen Topologie. Salicrup interessierte sich für die Arbeit von Herrlich und seiner Forschungsgruppe, war aber der Ansicht, dass sie sich mit ihnen auf Deutsch unterhalten können sollte. Obwohl sie eine deutsche Grundschule besucht hatte, hatte sie das Gelernte größtenteils vergessen, und meldete sich zu Kursen am Goethe-Institut im Centro Cultural Universitario der UNAM an. Salicrups Zusammenarbeit mit Horst Herrlich führte zu zwei Veröffentlichungen, in denen Roberto Vázquez jeweils als dritter Koautor mitwirkte: Light factorization structures (1978/79) und Dispersed factorization structures (1979).
1981 nahm sie am Kongress über kategoriale Aspekte der Topologie und Analysis in Ottawa, an der Internationalen Konferenz über Kategorientheorie in Gummersbach und am Workshop zu Spezialthemen der Topologie und Kategorientheorie in Bremen teil.
Im Sommer 1982 besuchte Horst Herrlich mit Lamar Bentley Salicrup in Mexiko-Stadt. Die beiden hatten zwischen 1978 und 1981 an fünf Publikationen zusammengearbeitet, darunter Completeness for nearness spaces (1979) und The coreflective hull of the contigual spaces in the category of merotopic spaces (1982). Die drei Mathematiker planten ein gemeinsames Projekt.
Nach einem Sturz wurde Salicrup ins Hospital Dario Fernandez in San José Insurgentes in Mexiko-Stadt eingeliefert. Dort starb sie am 28. Juli 1982 im Alter von 47 Jahren.
Die von Salicrup gehaltenen Topologie-Vorlesungen, Topologie I, II und III, wurden nach ihrem Tod in einem Buch veröffentlicht. Dieses Buch ist die Fassung eines dreisemestrigen Topologiekurses, den sie von 1979 bis 1980 an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko-Stadt hielt.
Salicrup hinterließ ein Forschungsprojekt, das weiterentwickelt werden sollte und an dem sie als Mitarbeiterin von Horst Herrlich und George Strecker mitwirkte. 1987 wurde ein Artikel von Herrlich, Salicrup und Strecker mit dem Titel Factorizations, Denseness, Separation, and Relatively Compact Objects, Topology and its Applications veröffentlicht. Im Abstract des Artikels heißt es: Viele der in diesem Beitrag enthaltenen Ideen und Ergebnisse gehen auf die zweite Autorin Graciela Salicrup zurück und waren bereits in einem unvollendeten Manuskript enthalten, an dem sie kurz vor ihrem frühen Tod im Jahr 1982 arbeitete.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Salicrup, Graciela |
| ALTERNATIVNAMEN | Salicrup López, Graciela Beatriz |
| KURZBESCHREIBUNG | mexikanische Architektin, Mathematikerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 7. April 1935 |
| GEBURTSORT | Mexiko-Stadt, Mexiko |
| STERBEDATUM | 29. Juni 1982 |
| STERBEORT | Mexiko-Stadt, Mexiko |