Grannus wurde nicht nur von Kelten verehrt. Cassius Dio berichtet, dass Kaiser Caracalla (211–217) vergeblich Apollon Grannus (Γράννος), Asklepios und Sarapis um Heilung gebeten habe, nachdem ihn einige Alamannen mit gewissen Zaubermitteln und Zaubersprüchen krank gemacht hatten.
Grannus wurde vor allem in Heilbädern verehrt: So hieß Aachen, wo heiße Quellen der Erde entspringen, wenigstens seit dem frühen MittelalterAquae Granni („Wasser des Grannus“). Nach diesem Gott ist ebenfalls das gallo-römische Quellheiligtum von Grand an der ehemaligen Römerstraße Lyon-Trier (heute Grand (Département Vosges)) benannt, wo drei dem Grannus gewidmete Inschriften gefunden wurden. Das Sironabad bei Nierstein am Rhein ist dem Götterpaar Apollo Grannus und Sirona geweiht.
Ein weiteres Kultzentrum des Apollo Grannus könnte sich im Trierer Tempelbezirk im Altbachtal befunden haben.
Name
Der gallische Name Grannos wird meist als „Sonne“ (altirisch grían „Sonne“) gedeutet und derjenige seiner Partnerin Sirona als „Großer Stern“. Doch ist eine Ableitung aus indogermanisch *guhr-snó-s „Wärmer“ (keltisch *Grasnos) wahrscheinlicher, zumal Heilbäder von natürlichen warmen Quellen gespeist werden. Im Altirischen hat sich dann die Bedeutung „warm“ sekundär zu „Sonne“ verschoben.
Birkhan zitiert Whatmougs Dialects of Ancient Gaul (1971), der ein angebliches gallisches Wort granus („Bart“, „Schnurrbart“, auch „Augenbraue“) nennt; allerdings gibt es auch eine germanische Entsprechung, vergleiche das deutsche Wort Granne. Das im Dictionary of the Irish Language (1983) auf S.370 angeführte mittelirischegrenn bzw. bretonischegrann lassen eine keltische Form aber durchaus möglich scheinen. Dies könnte auf die erwachsene Männlichkeit und Schönheit des Gottes hinweisen. Die Ableitung bei Olmsted bezweifelt Birkhan allerdings, da sie mit dem a-Vokalismus von ā nur schwer vereinbar sei.
Andere bekannte keltische Heilgötternamen wie Belenus, Bormo/Borvo und Toutiorix stellen nach heutigem Stand regionale Varianten desselben keltischen Heilgottes dar.
Emil Pauls: Zur Granussage. In: Aus Aachens Vorzeit. Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit. 2. Jahrgang, Aachen 1889, S. 21–26 (Textarchiv– Internet Archive).
Garrett S. Olmsted: The gods of the Celts and the Indo-Europeans. Innsbruck 1994, ISBN 3-85124-173-8, S.?.
Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 619 f.
Manfred Hainzmann: Apollini Granno. Explikatorisches Beinamenformular oder Göttergleichung? Ein „Modellfall“. In: Krešimir Matijević (Hrsg.): Kelto-Römische Gottheiten und ihre Verehrer (= Pharos. Band 39). Verlag Marie Leidorf, Rahden 2016, ISBN 978-3-86757-267-5, S. 229–256.
Einzelnachweise
↑CIL000003III, 5870Vorlage:CIL/RIn h(onorem) d(omus) d(ivinae) / Apolli(ni) Granno / Baienius Victor / et Baienius Victor / et Baienius Victo/rinus fili(i) eius ex / vis{s}u signum cum base CIL000003III, 5871Vorlage:CIL/RApollini / Granno / signum cum / base MIRPA CIL000003III, 5873Vorlage:CIL/RApollini Granno et Sanctae Hygiae [3] / [M]at(ri) deum ipsorum pro salute Luci[ CIL000003III, 5874Vorlage:CIL/R[D]ei Apollinis Granni / [pro salute Imp(eratoris) Caes(aris) M(arci) Au]rel(i) Antoni[ni] / [6] / [3] p(atris) p(atriae) / [3 Dio]nysius leg(atus) Aug(usti) pr(o) p(raetore) / [3] Kal(endas) Iunias CIL000003III, 5876Vorlage:CIL/RApollini / Granno / M(arcus) Ulpius / Secundus / |(centurio) leg(ionis) III Ital(icae) / cum signo / argenteo / v(otum) s(olvit) l(ibens) l(aetus) m(erito) CIL000003III, 5881Vorlage:CIL/RApollini / Granno / Sabinius / Provincia/lis ex voto / l(ibens) l(aetus) m(erito)